Wird der Heilpraktikerberuf abgeschafft? 177

Das Bundesgesundheitsministerium hat ein Rechtsgutachten dazu in Auftrag gegeben.

16.11.2019

Für viele Naturheilkundler oder Osteopathen war die Heilpraktikerprüfung bisher eine gute Möglichkeit, direkt zu behandeln und mit den Krankenkassen abzurechnen.

Das könnte sich in Zukunft ändern. Denn das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat nun ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, das unter anderem die Möglichkeit ausloten soll, den Heilpraktikerberuf abzuschaffen. Alternativ sollen die Juristen unter anderem prüfen, ob sich die Ausbildung hinsichtlich ihrer Dauer und Inhalte am Medizinstudium orientieren muss oder ob Heilpraktikern die Behandlung weiterer Erkrankungen als denen, die bereits jetzt unter einem sogenannten „Arztvorbehalt“ stehen, verboten werden kann. Ist es rechtlich überhaupt möglich, einen weiteren Heilberuf neben dem Arztberuf „mit weitgehend umfassender Heilkundekompetenz durch Bundesrecht zu regeln?“, heißt es in der Auftragsausschreibung wörtlich.

Das Heilpraktikergesetz stammt aus dem Jahr 1939. Ursprünglich sei vorgesehen gewesen, damit den Beruf abzuschaffen, schreibt das Bundesgesundheitsministerium. Heutzutage sei es nur noch deshalb rechtsgültig, weil es dem Grundgesetz nicht widerspreche. Es zähle aber zum vorkonstitutionellen Recht und sei daher nur noch „fragmentarisch“ erhalten. Zudem sei im Koalitionsvertrag eine Prüfung des Gesetzes vereinbart worden.

Hintergrund der BMG-Bemühungen ist der Wunsch nach mehr Patientensicherheit. Der Beruf des Heilpraktikers ist in den vergangenen Jahren immer wieder durch Fälle in Verruf geraten, bei denen Patienten durch unseriöse Praktiken Schaden nahmen oder sogar zu Tode kamen. Das darf natürlich nicht geschehen, denn wer als Heilpraktiker arbeiten möchte, muss vor dem Gesundheitsamt oder einer anderen zuständigen Behörde beweisen, dass von seiner Arbeit keine Gefahr für Patienten oder die Bevölkerung ausgehe.

Kritiker bemängeln, dass das alleine keine Qualifikation darstelle. Zwar hat der frühere Bundesgesundheitsminister Helmut Gröhe die Heilpraktikerprüfung vereinheitlichen lassen. Und der jetzige Minister Jens Spahn hat ein Gesetz eingeführt, nach dem Heilpraktiker nur mit behördlicher Erlaubnis rezeptpflichtige Arzneimittel selbst herstellen dürfen. Dennoch reichen diese Maßnahmen insbesondere vielen Ärzten nicht aus. Zu selten und zu schlecht würden Heilpraktiker kontrolliert, sagen sie. Die Ausbildung sei außerdem nicht wie bei Medizinern staatlich geregelt. Welche Fähigkeiten und medizinischen Kenntnisse ihr Behandler erworben habe, sei für Patienten daher nicht erkennbar.

Der Berufsverband „Bund Deutscher Heilpraktiker“ (BDH) betont, dass Heilpraktiker im Gegensatz zu Ärzten nicht nur Symptome behandelten, sondern auf die natürlichen Abwehr- und Selbstheilungskräfte des Körpers setzten und nach den wahren der Ursachen von Krankheiten suchten. Zudem dauert, statistisch gesehen, ein erstes Gespräch mit dem Arzt im Durchschnitt acht Minuten, während sich viele Heilpraktiker dafür eine Stunde Zeit nehmen. Sollte der Gesetzgeber tatsächlich die Abschaffung des Heilpraktikers anstreben, will der BDH notfalls bis vors Bundesverfassungsgericht ziehen.

Hier finden Sie die Ausschreibung des BGM und die Leistungsbeschreibung.

Stephanie Hügler / physio.de


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