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Frailty-Syndrom
Reversible Gebrechlichkeit im Alter?
Diagnose sowie medikamentöse und nichtmedikamentöse Therapie des Frailty-Syndroms
10.07.2018 • 0 Kommentare

Der 124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Mannheim beschäftigte sich mit dem sogenannten "Frailty-Syndrom". Im Zentrum dieser Erkrankung steht die individuelle Gebrechlichkeit im Alter. Die vermehrte Anfälligkeit gegenüber Einflüssen von außen und die Verminderung eigener Reserven hat häufigere Stürze und Krankenhausaufenthalte zur Folge. Die Morbidität sowie die Notwendigkeit ärztlicher, therapeutischer und pflegerischer Interventionen steigt bei Patienten mit dem Symptom Frailty an. Im direkten Zusammenhang stehen wohl funktionelle und soziale Einschränkungen sowie Komorbiditäten wie Arthrose, Diabetes, Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Reduktion der Gebrechlichkeit des individuellen Alterns steht im Fokus von Untersuchungen aus aller Welt.

Diagnose
Das junge Krankheitsbild kennt kein eindeutiges methodisches Vorgehen, sicher ist allerdings, dass die Prävalenz je nach Individuum und Ort sehr unterschiedlich ausfallen kann. Das Frailty-Phänotyp-Modell von Fried führt Kriterien wie unfreiwilligen Gewichtsverlust, empfundene Erschöpfung, Muskelschwäche, verminderte Gehgeschwindigkeit und geringe körperliche Aktivität auf, um Frailty zu diagnostizieren. Das Defizit-Modell nach Rockwood hingegen weist 70 Kriterien auf, die helfen sollen das Syndrom einzuschätzen.

Medikamentöse Therapie
Bisher ist keines der in Tierstudien erprobten Präparate auf den Menschen übertragbar. Myostatinrezeptor-Antagonisten werden in ihrer Wirksamkeit gegen Mangelernährung und Sarkopenie (Muskelabbau) erforscht. Sartane, Metformin, DPP-4-Inhibitoren und Vitamin D um den Muskel- und Glukose-Stoffwechsel anzukurbeln. Die Wachstumsfaktoren konnten so in Tierstudien aktiviert werden, Cytokine reduziert sowie die Muskelregeneration und Energiebereitstellung verbessert werden. Ein Fazit der Lehrstuhlinhaberin für Altersmedizin in Aachen Dr. Laurentius ist: "Bisher gibt es noch kein Medikament mit durchschlagendem Erfolg bei Frailty."

Nichtmedikamentöse Therapie
Vielversprechender und deutlich wirksamer wird körperliches Training, Ernährungsumstellung, Gedächtnistraining, Physiotherapie und Ergotherapie eingestuft. Der Ansatz ballaststoff- und vitaminreiche Kost sowie vermehrt Eiweiße und Vitamin D aufzunehmen, bringt vielversprechende Ergebnisse. Ein Review kanadischer Forscher aus dem Jahr 2017 zeigt, dass bei 3.632 Teilnehmern körperliches Training den größten Einfluss hatte. Die in der Realität von Arzt und Patient häufig unterschätze Nützlichkeit der körperlichen Betätigung wurde auch in Belgien untersucht. Die Empfehlung geht dort eindeutig in Richtung multidimensionales Vorgehen, welches Ernährungsberatung und körperliches Training beinhaltet. Die Übungen nach dem Motto "Start low and go slow" sollten 5 bis 6 Monate durchgeführt werden, sowie die Aspekte Kraft, Kondition, Gleichgewicht und Flexibilität beinhalten.

Frailty ist diesen Studien zufolge mittels nicht medikamentöser Interventionen theoretisch umkehrbar, wenn frühzeitig gehandelt wird. Altern bleibt wohl dennoch irreversibel.

Daniela Pfleger / physio.de

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