Physician Assistants etablieren sich in Deutschland

6 Kommentare

Unterschiedliche Bilanz zum „Praxistest“


07.02.2019

Der auf dem Papier geschaffene Gesundheitsberuf nach dem Vorbild der USA und europäischer Nachbarländer kommt jetzt in den Praxistest. Der Physician Assistant (PA) soll den Arzt unterstützen und ihm Arbeit abnehmen. Die Landesregierung von Baden-Württemberg sieht den PA „als einen weiteren Baustein, die medizinische Versorgung auch im ländlichen Raum zu stärken.“ Somit soll der PA zu einer neuen Aufgabenverteilung in der Gesundheitsversorgung beitragen.

Sechs Hochschulen haben sich zu einem Deutschen Hochschulverband Physician Assistant (DHPA) zusammengeschlossen. Darunter auch die Carl Remigius Medical School in Köln. Ihr Dekan, Professor Joachim Latsch, hat „überaus positive“ Rückmeldungen von den Kliniken erhalten. PAs seien ein sehr schnell integraler Bestandteil des Teams, so das Feedback der Chefärzte.

Diese Aussage unterstreicht auch Dr. Martin Lucke, Chefarzt der Abteilung Unfall- und Wiederherstellungschirurgie am Chirurgischen Klinikum München-Süd. Er bescheinigt seinen zwei PAs „eine breite fundierte Ausbildung“. Sie könnten an die unterschiedlichsten Tätigkeiten herangeführt werden und seien eine echte Bereicherung für das Team.

Jeanette Wischniowski ist eine der neu ausgebildeten PAs. Der Vorteil an dem neuen Zweig sei, dass man an nichts gemessen werde und somit das Bild mitbestimmen könne, so Wischniowski. Allerdings sorgt das auch für Unklarheiten. „Wir als Bewerber mussten teilweise grundsätzliche Fakten zum Berufsbild erklären“, sagt Wischniowski. Zu Anfang hätte es Vorbehalte gegeben. Die PAs mussten sich erst beweisen.

Kritisch sieht der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe den neuen Berufszweig. Hochqualifiziertes Pflegefachpersonal dürfe jetzt nur noch delegierte Aufgaben wahrnehmen. Studiendekan Latsch hält dagegen. In der Ausbildung gehe es darum alle Berufsgruppen einzubinden, um erst gar keine Frontenbildung entstehen zu lassen. Latsch hält nichts von einem fixiertem Berufsbild durch den Gesetzgeber. Er bevorzugt eine Selbstregulation durch den Arbeitsmarkt. Es gehe um eine bessere Patientenversorgung.

Uneinig sind sich indes die Parteien, ob für das PA-Studium ein Gesundheitsberuf Voraussetzung sein sollte. Wischniowski sieht bei Vorbildung zwar Vorteile für das Lernverständnis während des Studiums, hält aber eine allgemeine Hochschulreife für ausreichend. Latsch gibt ihr Recht und verweist darauf, dass sonst Fachkräfte „wegqualifiziert“ werden würden. Fachkräftemangel gäbe es genug.

Lucke und andere Ärzte halten es dagegen für wünschenswert, dass ein Gesundheitsberuf dem Studium vorausgeht. Beim Deutschen Ärztetag in Erfurt hatten das die Delegierten gefordert, um ein erforderliches Niveau zu halten (Wir berichteten).

Die PA Wischniowski schaut dagegen schon in die Zukunft und fordert Weiterbildungsangebote und einen Masterstudiengang, um Nischen zu füllen. Als Beispiel nennt sie Wundversorgung und Sonografie. Latsch findet die Entwicklung des Berufsbildes spannend. Ob sich der PA ganz neu mit eigenen Aufgabenfeldern etabliert und ärztliche Leistungen neu verhandelt, kann aber an Interessenskonflikten scheitern, erkennt er kritisch an.

Und dieses Problem kennt man in der Physiotherapie nur zu gut. Außerdem erinnert der Ruf nach Weiterbildungsangeboten sehr an das Fortbildungs-Prozedere in der Physiotherapie, also privat und teuer. Aber vielleicht klingt das auch nur so…

Ul.Ma. / physio.de

  • (3)
    07.02.2019 08:54
    Bernard
    Bernard: 229 Beiträge, 77% Empfehlungen

    Ärzte/KK gegen primärqualifizierende Hochschulausbildung von Pflege/Therapie, aber natürlich für eigenen delegierbaren Assistenzberuf - schon klar.
    Politik: Kein Plan - Hauptsache Bildung kostet uns nichts.

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  • (9)
    07.02.2019 09:03
    Abbath
    Abbath: 138 Beiträge, 86% Empfehlungen

    Meiner Meinung nach überflüssig. Wer leer ausgeht ist die Pflege, die in direktem Kontakt zum Arzt steht und auch weitere Kompetenzen ausführen kann. Muss man halt in die Qualifikation (Stationsbesetzung und Entlohnung?) investieren und das Berufsbild aufwerten. Aber nein, da gibt es lieber einen neuen Beruf der hierarchisch unter dem Arzt steht und "auch nix richtiges ist". Herzlich Willkommen im deutschen Gesundheitssystem.

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  • (8)
    07.02.2019 10:11
    Susulo
    Susulo: 3247 Beiträge, 97% Empfehlungen

    Vor allem nett, wenn der Vergleich mit "Europa" gebracht wird. In allen anderen europäischen Ländern, die ich kenne, ist Pflege schon immer höherqualifiziert und "die rechte Hand des Arztes". In Frankreich beispielsweise haben Pflegefachkräfte eigene Praxen und da kannst du dir dann deine Platzwunde nähen lassen, eine Infusion anlegen und ähnliches. Ärzte sind für andere Sachen da und haben dafür dann auch Kapazitäten frei.
    Es ist genau wie Abbath sagt: eine Aufwertung und Höherqualifizierung der Pflegeberufe wäre der einzig vernünftige Weg. Pflegeberufe - sowieso Mangelware - werden jetzt noch unattraktiver.

    Edit: von mir aus muss nicht jeder Pfleger diesen "Rang" haben, aber es sind die Pflegekräfte, denen hier die Möglichkeit von "Karriere" gegeben werden sollte und nicht ein neuer Studiengang. Völlig überflüssig.

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    (1)
    07.02.2019 15:13
    VAUPE
    VAUPE: 654 Beiträge, 90% Empfehlungen
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  • (8)
    07.02.2019 11:46
    Deuser Privatschule GmbH
    Deuser Privatschule GmbH: 1 Beiträge, 75% Empfehlungen

    Absolut ein falscher Weg im (geschichtlich betrachteten) Gesundheitswesen der BRD. Wir haben gute Berufsgesetze, die allerdings zeitgemäß anzupassen sind. Dazu gehört in erster Linie die Verankerung der Heilkundeausübung in diesen Gesetzen und zwar ohne Umweg über kostenträchtige Zusatzqualifikationen (wie z.B. sektoraler Heilpraktiker). Also Nolvellierung der geltenden Berufsgesetze mit Verankerung der Heilkundeausbübung und Festschreibung des Direktzugangs. Gut ausgebildete Therapeuten dürfen nicht als Lakainen mancher Ärzte bzw. ärztlichen Standesvertretungen gesehen werden.

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  • (1)
    13.02.2019 18:27
    sonja846
    sonja846: 0 Beiträge, 0% Empfehlungen

    Der Arzt will das Monopol über das Gesundheitssystem. Partner auf Augenhöhe sind da nicht vorgesehen. Es ist egal wie das jetzt läuft, solange die nicht einsichtig sind , das man in einem gut ausgebildeten TEAM den Gesundheitssystem einen großes Dienst erweisst.
    Nur dafür braucht es wohl mal wieder einer anderen Generation wo Empathie und Demut an 1. Stelle steht.

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