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Warentester: Ein Viertel der verordneten Medikamente unnütz
15.03.2000 • 0 Kommentare

Die Stiftung stellte heute in Berlin das von ihr herausgegebene «Handbuch Medikamente» vor, in dem mehr als 5.000 weit verbreitete verordnungsfähige Arzneimittel auf ihr Risiko-Nutzen-Verhältnis überprüft und nach ihrer therapeutischen
Wirksamkeit bewertet werden.


Bei einigen Indikationen, zum Beispiel arteriellen
Durchblutungsstörungen, Venenleiden oder Ohrenentzündungen
beurteilten die Experten nahezu alle Präparate als «wenig geeignet». Anlass für diese negative Einstufung waren für die Prüfer der ihrer Ansicht nach nicht ausreichende Nachweis der Wirksamkeit, die nicht sinnvolle Kombination mehrerer Wirkstoffe in einem Arzneimittel oder ein Angebot an besser verträglichen und wirksameren Alternativen.
Als Beispiel für nicht sinnvolle Kombinationen nannte der
Schlussgutachter Professor Gerd Glaeske Migränemittel mit Koffein oder Kodein.


Glaeske fügte hinzu, dass der Ratgeber nicht nur vor ungeeigneten Medikamenten warnen, sondern auch bei der richtigen Anwendung sinnvoller Präparate helfen solle. Mit einem Handbuch für verordnungsfähige Medikamente wolle man die Kompetenz der Patienten bei der «Koproduktion von Gesundheit» stärken. Die Bewertung «wenig geeignet» sei im Übrigen keine Aufforderung an Patienten, ein Medikament sofort abzusetzen, sondern mit dem Arzt darüber zu
sprechen.


Der Arzneimittelmarkt in Deutschland sei «nach wie vor
unüberschaubar», sagte Hubertus Primus, Bereichsleiter Publikationen der Stiftung. Zwar müssten nach dem seit 1978 geltenden Arzneimittelrecht alle neuen Medikamente auf ihre Qualität überprüft werden, doch bei der Nachzulassung bereits auf dem Markt befindlicher Medikamente gelte eine Frist bis 2004.


Von den rund 45.000 angebotenen Arzneimitteln sei bisher erst die Hälfte zugelassen. Etwa 30 Prozent befänden sich im
Nachzulassungsverfahren und etwa 15 Prozent würden weiter verkauft, ohne dass die Nachzulassung beantragt worden sei, sagte Primus.


Quelle: Berlin (ADN)

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