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Die nächsten drei Studien
Blanko-Evaluation geht weiter
Nach unzähligen Diskussionen über die Kosteneffizienz der Blankoverordnung verteilt der Innovationsfonds nun dringend benötigte Gelder.
29.08.2026 • 6 Kommentare

Im November dieses Jahres ist die Einführung der Blankoverordnung bereits zwei Jahre her. Mittlerweile sollten sich alle Praxen an die Mehrverantwortung gewöhnt und eigene Prozesse zur Umsetzung der neu gewonnenen Freiheit in die Abläufe integriert haben. Wer glaubt, dass dieses mutige Projekt von Anfang an wissenschaftlich begleitet worden wäre, täuscht sich. Und so kam es, wie es kommen musste: Während die Physios auf der einen Seite davon überzeugt sind, dass sich die Behandlungsqualität durch die „Blanko“ verbessert, klagen die Kassen auf der anderen Seite über unnötige Mehrausgaben und wetzen bereits die Messer (wir berichteten).

Die Abschaffung der versorgungsbezogenen Pauschale hat der Gesetzgeber unter wohlwollender Zustimmung der Kassen bereits beschlossen (wir berichteten). Das Problem im Zank um das liebe Geld: Bis auf Abrechnungsdaten der Krankenkassen liegen fast keine* nützlichen Informationen über den versorgungsbezogenen Nutzen der Blankoverordnung vor. Damit soll jetzt endlich Schluss sein, denn der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) verteilt nun Gelder aus dem 200 Millionen Euro schweren Innovationsfonds an die Hochschulen, um belegbare Zahlen zu liefern.

Drei Hochschulen bekamen den Zuschlag:

  • • 1,538 Millionen Euro fließen an die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg, kooperierend mit der Ernst-Abbe-Hochschule Jena, der Katholischen Stiftungshochschule für angewandte Wissenschaften München und dem Universitätsklinikum Jena. Die AOK-Bayern unterstützt das Projekt ebenfalls.

    • 1,458 Millionen Euro gehen an die Essener Forschungsinstitut für Medizinmanagement GmbH, die mit der Johann Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Universität Duisburg Essen kooperiert. Zu dem Konsortium gehört zudem die Techniker Krankenkasse.

    • 1,17 Millionen Euro erhält die Hochschule Osnabrück, kooperierend mit der Georg-August-Universität Göttingen, der Hochschule Hannover und dem Universitätsklinikum Heidelberg.
Hinter den Kulissen
„Normalerweise beginnt eine Evaluation mit der Implementierung einer neuen Maßnahme“ zeigt sich Tobias Michels von der Hochschule Osnabrück verwundert über die reichlich späte Auswertung, freut sich aber umso mehr über den Zuschlag des Innovationsfonds.

Um mehr über den Ablauf der Evaluation zu erfahren, kontaktieren wir den physiotherapeutischen Versorgungsforscher, der den Projektantrag koordinierte.

„Versorgungsforschung bedeutet partizipativ zu forschen“, betont Michels. Das bedeute, nicht nur über PatientInnen, sondern gemeinsam mit PatientInnen zu forschen. Diese seien in Form der Rheumaliga am Gestaltungsprozess der Studie beteiligt. Unter der Projektleitung von Professor Doktor Nikolaus Ballenberger sollen in drei „Strängen“ sowohl klinische und gesundheitsökonomische Faktoren als auch praktische Förderfaktoren und Hindernisse unverzerrt evaluiert werden.

So soll im ersten Strang eine randomisiert kontrollierte Studie stattfinden, die über Arztpraxen vermittelt wird. Nach dem Bilden zweier Gruppen (Blankoverordnung und klassische Verordnung) sollen primäre (etwa über funktionsbezogene Fragebögen) und sekundäre Gesundheitsdaten erhoben werden (beispielsweise die Einnahme von Schmerzmitteln, AU-Tage, die Anzahl der Arzttermine, oder weitere Verschreibungen).

Das Projekt um die Hochschule Osnabrück hat bei der Datenerhebung einen Nachteil: Es ist das Einzige, das ohne direkte Kooperation mit einer Krankenkasse ausgeschrieben und genehmigt wurde, was eher „ungewöhnlich“ sei, sagt Michels. Daher müssen die Forscherinnen und Forscher Umwege gehen, um an die benötigten Daten zu gelangen. Zur direkten Erhebung werden Fragebögen von den ProbandInnen ausgefüllt, was zunächst einmal einen stabilen Datenfundus bilden sollte. Gerne würden die ForscherInnen allerdings auch die Gesundheitsdaten der Kassen nutzen. An diese gelangen sie allerdings nur, wenn die Herausgabe von den PatientInnen beantragt wurde – ein riskantes Unterfangen, denn ob die Kassen die Daten im Projektzeitraum liefern, ist nicht immer sicher.

Im zweiten Strang der Studie findet eine Kohortenstudie mit dem Ziel der Erfassung der aktuellen Versorgungssituation statt, deren Rekrutierung über Physio- und Ergotherapie-Praxen läuft. Die ProbandInnen in diesem Studienarm sollen über Fragebögen quantitativ befragt werden, um objektive Daten zur Ergebnisqualität zu erhalten.

Der dritte Strang besteht aus einer qualitativen Befragung der ÄrztInnen, TherapeutInnen und PatientInnen. Hier sollen offene Fragen über den Umgang mit der Blankoverordnung Licht ins Dunkle bringen; etwa warum manche Ärztinnen und Ärzte von einer Rezeptierung der Blankoverordnung absehen oder was die mögliche Ursache für die scheinbar gestiegene Anzahl der Therapieeinheiten sein könnte. Starten soll das Projekt voraussichtlich im Januar 2027.

Gemeinsam für die Physiotherapie
Tobias Michels betont, dass Forschung vor allem der Professionalisierung des Berufes diene. Dafür gelte es auch Synergien zu nutzen. Vermeintlich „konkurrierende“ Hochschulen, die den Zuschlag nicht erhielten, richteten prompt Glückwünsche an das Osnabrücker Team aus. Natürlich werden auch die Berufsverbände in die Konzeption mit eingebunden. Diese führen bzw führten* derweil zwei „hausgemachte“ Evaluationen der Blankoverordnung durch (wir berichteten). Fünf Projekte werden also in Zukunft Aufschluss darüber geben, wie viel Kosten und Nutzen die Blankoverordnung mit sich bringt.

Zuletzt möchte Tobias Michels noch einen Appell an unsere Leserinnen und Leser richten: Bevor (oder nachdem) Sie in die Tasten hauen und diesen Beitrag kommentieren (worüber wir uns jedes Mal sehr freuen), möchte der Wissenschaftler Ihre Gedanken hören. „Versorgungsforschung ist partizipative Forschung“ bedeutet auch, dass Meinungen aus der Praxis gehört werden sollen. Sie haben Anregungen zur Befragung, erkennen dunkle Flecken, die die ForscherInnen eventuell übersehen könnten oder andere Verbesserungsvorschläge? Schreiben Sie ihm eine E-Mail an tobias.michels@hs-osnabrueck.de und werden Teil der physiotherapeutischen Versorgungsforschung.

Daniel Bombien / physio.de
* Die Studie der Kooperationspartner Physio Deutschland, Uni Lübeck und Brandenburgisch Technische Universität Cottbus – Senftenberg (BTU) liegt mittlerweile vor. Einen Bericht diebezüglich finden Sie hier.

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BlankoverordnungStudieG-BA


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Stefan Arnold
Vor 4 Tagen
Prinzipiell ist das zu begrüßen und der richtige Weg. Für unsere Profession kann ich aber nur hoffen dass die Ergebnisse für die Blankoverordnung spricht und nicht dagegen, denn die Blankoverordnung ist mit Abstand das Beste was seit Jahren für uns eingeführt wurde und hoffentlich irgendwann auf alle Diagnosen ausgeweitet wird.
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• Daniel Bombien
Prinzipiell ist das zu begrüßen und der richtige Weg. Für unsere Profession kann ich aber nur hoffen dass die Ergebnisse für die Blankoverordnung spricht und nicht dagegen, denn die Blankoverordnung ist mit Abstand das Beste was seit Jahren für uns eingeführt wurde und hoffentlich irgendwann auf alle Diagnosen ausgeweitet wird.
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Sarah Gerbert
Vor 4 Tagen
Tja, wenn an zwei von drei Studien Krankenkassen mitfinanzieren, dann sehe ich da schwarz.
Siehe "wahnsinnige Kosten verursacht durch die Blanko". Und dann kommt heraus, das der Vergleich mit einem 6er Kg-rezept gemacht wurde.
Dann der maximal fehlerhafte Bericht der Aok neulich. Die jetzt in einer der Studien mitspricht.
Ich glaub niemals an ein objektives Studienergebnis. Sondern ganz klar an "wessen Brot ich eß, dessen Lied ich sing"
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Tja, wenn an zwei von drei Studien Krankenkassen mitfinanzieren, dann sehe ich da schwarz. Siehe "wahnsinnige Kosten verursacht durch die Blanko". Und dann kommt heraus, das der Vergleich mit einem 6er Kg-rezept gemacht wurde. Dann der maximal fehlerhafte Bericht der Aok neulich. Die jetzt in einer der Studien mitspricht. Ich glaub niemals an ein objektives Studienergebnis. Sondern ganz klar an "wessen Brot ich eß, dessen Lied ich sing"
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Sarah Gerbert schrieb:

Tja, wenn an zwei von drei Studien Krankenkassen mitfinanzieren, dann sehe ich da schwarz.
Siehe "wahnsinnige Kosten verursacht durch die Blanko". Und dann kommt heraus, das der Vergleich mit einem 6er Kg-rezept gemacht wurde.
Dann der maximal fehlerhafte Bericht der Aok neulich. Die jetzt in einer der Studien mitspricht.
Ich glaub niemals an ein objektives Studienergebnis. Sondern ganz klar an "wessen Brot ich eß, dessen Lied ich sing"

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anika666
Vor 4 Tagen
@Sarah Gerbert Denk ich auch. Allerdings ist es die Frage, was die Kassen wirklich wollen. Soweit ich weiß, ist die Blanko vor allem deshalb teurer eingestuft worden, wegen der Pauschale, die ja jetzt gestrichen wurde. Die Anzahl der Behandlungen war nicht mehr, außer was abgerechnet wurde ( mehr MT und KGG) und einzelne Kollegen, die sehr hohe Rechnungen produziert haben. Dem wurde bisher nicht gegenübergestellt, dass es ja durch die Blanko theoretisch weniger Arztkontakte geben müsste. Man wird abwarten müssen. Ich denke, dass es in alle Richtungen gehen kann.
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anika666 schrieb:

@Sarah Gerbert Denk ich auch. Allerdings ist es die Frage, was die Kassen wirklich wollen. Soweit ich weiß, ist die Blanko vor allem deshalb teurer eingestuft worden, wegen der Pauschale, die ja jetzt gestrichen wurde. Die Anzahl der Behandlungen war nicht mehr, außer was abgerechnet wurde ( mehr MT und KGG) und einzelne Kollegen, die sehr hohe Rechnungen produziert haben. Dem wurde bisher nicht gegenübergestellt, dass es ja durch die Blanko theoretisch weniger Arztkontakte geben müsste. Man wird abwarten müssen. Ich denke, dass es in alle Richtungen gehen kann.

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Stefan Arnold schrieb:

Prinzipiell ist das zu begrüßen und der richtige Weg. Für unsere Profession kann ich aber nur hoffen dass die Ergebnisse für die Blankoverordnung spricht und nicht dagegen, denn die Blankoverordnung ist mit Abstand das Beste was seit Jahren für uns eingeführt wurde und hoffentlich irgendwann auf alle Diagnosen ausgeweitet wird.

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ali
Vor 4 Tagen
Was ist mit den Evaluationen der Berufsverbände? Waren das 2 oder 3?
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Was ist mit den Evaluationen der Berufsverbände? Waren das 2 oder 3?
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ali schrieb:

Was ist mit den Evaluationen der Berufsverbände? Waren das 2 oder 3?

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Andreas Bock
Vor 2 Tagen
Das wird bestimmt eine neutrale Studie finanziert durch die Krankenkasse. Ist fast so, als würde Coca Cola ein Studie erstellen, wie toll Zucker ist oder McDonalds eine Diätstudie entwickeln.
Aber die Politiker sehen dann nur wieder das, was sie hören und kennen die Basis nicht (siehe Fridolin im Kontext mit der Kinderärztin)
Warum schmeißen wir nicht mal für eine Studie zusammen, Patienten bekommen wir alle überzeugt, jeder PI hat auch einen Euro über und dann schreiben wir mit Bundesweit 16 PAtienten eine repräsentative Studie, dass wenn die Krankenkasse noch weniger beteiligt wäre und der Patient noch weniger Druck bei der Fortbildung des Therapeuten und weniger Druck mit der Zuzahlung hätte, der Arm noch schneller genesen wäre. (Ironie zu Ende)
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Das wird bestimmt eine neutrale Studie finanziert durch die Krankenkasse. Ist fast so, als würde Coca Cola ein Studie erstellen, wie toll Zucker ist oder McDonalds eine Diätstudie entwickeln. Aber die Politiker sehen dann nur wieder das, was sie hören und kennen die Basis nicht (siehe Fridolin im Kontext mit der Kinderärztin) Warum schmeißen wir nicht mal für eine Studie zusammen, Patienten bekommen wir alle überzeugt, jeder PI hat auch einen Euro über und dann schreiben wir mit Bundesweit 16 PAtienten eine repräsentative Studie, dass wenn die Krankenkasse noch weniger beteiligt wäre und der Patient noch weniger Druck bei der Fortbildung des Therapeuten und weniger Druck mit der Zuzahlung hätte, der Arm noch schneller genesen wäre. (Ironie zu Ende)
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Andreas Bock schrieb:

Das wird bestimmt eine neutrale Studie finanziert durch die Krankenkasse. Ist fast so, als würde Coca Cola ein Studie erstellen, wie toll Zucker ist oder McDonalds eine Diätstudie entwickeln.
Aber die Politiker sehen dann nur wieder das, was sie hören und kennen die Basis nicht (siehe Fridolin im Kontext mit der Kinderärztin)
Warum schmeißen wir nicht mal für eine Studie zusammen, Patienten bekommen wir alle überzeugt, jeder PI hat auch einen Euro über und dann schreiben wir mit Bundesweit 16 PAtienten eine repräsentative Studie, dass wenn die Krankenkasse noch weniger beteiligt wäre und der Patient noch weniger Druck bei der Fortbildung des Therapeuten und weniger Druck mit der Zuzahlung hätte, der Arm noch schneller genesen wäre. (Ironie zu Ende)

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ali
Vor 2 Tagen
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