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Grippe & Schnupfen
Kälte ist keine Krankheit – sie ist bloß ein mieser Komplize.
Erkältungen haben im Winter Hochkonjunktur, schuld sind aber nicht die Temperaturen.
21.02.2026 • 2 Kommentare
Lizenz: CC-BY •
Wen es noch nicht erwischt hat, der wartet schon drauf: Husten, Schnupfen, Heiserkeit, alles röchelt, schnieft und krächzt in den Kliniken, den Heimen und auf den Behandlungsliegen, seitdem es draußen eisig ist. Der Zusammenhang liegt nahe: Kalt macht krank, und die Devise lautet: warme Füße, kühler Kopf, gut einpacken und enger zusammenkuscheln. Aber stimmt das?

Erkältet man sich durch Frieren? Nein, sagt die Wissenschaft – grundlegend bedarf es eines Virus für einen grippalen Infekt. Und für die akute Nasopharyngitis wird gerne das Rhinovirus als ursächlich genommen, gefolgt von Corona, Adenoviren, Parainfluenzaviren, RSV und vielen mehr. Schlicht: ohne Virus kein Schnupfen. Dies ist bewiesen in einer Studie von David Eccles, der gesunde Probanden Kälte ausgesetzt hat. Sie froren, aber sie schnieften nicht.

Jedoch: Ganz so vehement widersprechen die Forscherinnen und Forscher der Kältethese nicht mehr. Denn die Kälte arbeitet den Viren zu! Das liegt an verschiedenen Faktoren, die teilweise zu Coronazeiten zur Allgemeinbildung wurden. Wenn es kalt wird, verlagert sich unser Leben vermehrt in Innenräume. Das wiederum hat Folgen. Wir sitzen öfter beieinander, in geschlossenen Räumen, was die Ansteckungsrate erhöht. Um die Kälte nicht hineinzulassen, lüften wir weniger, was die Virenlast erhöht. Zusammenrücken ist also schonmal kein guter Rat, will man den Erkältungen Einhalt gebieten.

Außerdem enthält kalte Luft weniger Feuchtigkeit, und die Heizungsluft trocknet die Schleimhäute aus. Da aber die Nasenschleimhaut Teil des Abwehrsystems ist und sonst Partikel nach außen befördert, können jetzt Viren leichter in den Körper gelangen. Weniger Luftfeuchtigkeit, weniger Schutzbarrieren.

Zudem halten sich Viren in kalter, trockener Luft stabiler und sind länger infektiös, besonders in den Aerosolen. Das gilt vor allem bei Rhinoviren. Ein weiterer Früh-Schutzschild wird dabei durchbrochen: Zellen können kleinste „Pakete“ mit antiviral wirksamen Proteinen und mikroRNA freisetzen, sobald ein Erregerangriff stattfindet. Allerdings nur bei warmen Schleimhäuten. Ein Teil des Immunsystems schwächelt also.

Rein rhinoviral betrachtet, ist das klassische Warmhalten in engen, vollen Räumen nicht hilfreich, sondern ist mit ein Grund, warum wir uns im Winter eher anstecken. Also nicht die Kälte, sondern das Vermeiden von Kälte ist ein Auslöser. Das Warmhalten und Befeuchten von Schleimhäuten hingegen unterstützt das Immunsystem. Und für die Praxisräume gilt, wie auch in den Coronajahren gelernt: Lüften, Desinfizieren, das Meiden von niesenden Patienten und Mund-Nasen-Schutz helfen.

Aber Kuscheln und Körperkontakt, und das ist eine andere Studie und Erfahrung, erhöht wiederum ganz allgemein die psychische und physische Gesundheit. Nur das ist wieder eine andere Geschichte.

Ul.Ma. / physio.de

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Abrie
Vor 4 Wochen
Genau, von Kälte kommt es nicht und von Ansteckung auch nicht wie dieser Versuch hier zeigt:
Während der Spanischen Grippe 1918/1919 gab es im Rahmen der verzweifelten Suche nach dem Erreger der Pandemie gezielte Versuche, Menschen – darunter Gefangene – absichtlich anzustecken. Diese Versuche wurden hauptsächlich von der US-Marine und dem US Public Health Service durchgeführt. National Institutes of Health (NIH) | (.gov)
+1
Hier sind die wichtigsten Fakten zu diesen Experimenten:
Ort und Zeit: Die bekanntesten Versuche fanden im Herbst und Winter 1918/1919 statt, insbesondere auf Deer Island im Hafen von Boston sowie auf Angel Island in Kalifornien.
Die Teilnehmer: US-Ärzte, darunter Dr. Milton Rosenau, boten Gefangenen (teilweise Militärgefangenen) an, sie zu begnadigen und freizulassen, wenn sie an den Versuchen teilnahmen und überlebten.
Die Methoden: Die Experimente waren extrem und aus heutiger Sicht absolut unethisch:
Ansteckungsversuche: Gesunden Gefangenen wurden Sekrete aus der Nase und dem Rachen von schwer kranken Grippepatienten in die eigene Nase und den Rachen geträufelt.
Injektionen: Anderen Gefangenen wurde Blut von Grippekranken injiziert.
Exposition: Freiwillige mussten sich von Grippepatienten anhusten und anniesen lassen, Hände schütteln und in direktem Kontakt stehen.
Das Ergebnis: Überraschenderweise wurde keiner der teilnehmenden Gefangenen krank. Dies zeigte den Forschern damals, dass die Übertragung der Grippe komplexer war als nur durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten, oder dass die damals vermuteten bakteriellen Erreger (wie Pfeiffer-Bazillus) nicht die Ursache waren (was später korrekt als Virus erkannt wurde).
Ironie: Berichten zufolge starb der stationsführende Arzt, während die infizierten Gefangenen überlebten.
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Genau, von Kälte kommt es nicht und von Ansteckung auch nicht wie dieser Versuch hier zeigt: Während der Spanischen Grippe 1918/1919 gab es im Rahmen der verzweifelten Suche nach dem Erreger der Pandemie gezielte Versuche, Menschen – darunter Gefangene – absichtlich anzustecken. Diese Versuche wurden hauptsächlich von der US-Marine und dem US Public Health Service durchgeführt. National Institutes of Health (NIH) | (.gov) +1 Hier sind die wichtigsten Fakten zu diesen Experimenten: Ort und Zeit: Die bekanntesten Versuche fanden im Herbst und Winter 1918/1919 statt, insbesondere auf Deer Island im Hafen von Boston sowie auf Angel Island in Kalifornien. Die Teilnehmer: US-Ärzte, darunter Dr. Milton Rosenau, boten Gefangenen (teilweise Militärgefangenen) an, sie zu begnadigen und freizulassen, wenn sie an den Versuchen teilnahmen und überlebten. Die Methoden: Die Experimente waren extrem und aus heutiger Sicht absolut unethisch: Ansteckungsversuche: Gesunden Gefangenen wurden Sekrete aus der Nase und dem Rachen von schwer kranken Grippepatienten in die eigene Nase und den Rachen geträufelt. Injektionen: Anderen Gefangenen wurde Blut von Grippekranken injiziert. Exposition: Freiwillige mussten sich von Grippepatienten anhusten und anniesen lassen, Hände schütteln und in direktem Kontakt stehen. Das Ergebnis: Überraschenderweise wurde keiner der teilnehmenden Gefangenen krank. Dies zeigte den Forschern damals, dass die Übertragung der Grippe komplexer war als nur durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten, oder dass die damals vermuteten bakteriellen Erreger (wie Pfeiffer-Bazillus) nicht die Ursache waren (was später korrekt als Virus erkannt wurde). Ironie: Berichten zufolge starb der stationsführende Arzt, während die infizierten Gefangenen überlebten.
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Abrie schrieb:

Genau, von Kälte kommt es nicht und von Ansteckung auch nicht wie dieser Versuch hier zeigt:
Während der Spanischen Grippe 1918/1919 gab es im Rahmen der verzweifelten Suche nach dem Erreger der Pandemie gezielte Versuche, Menschen – darunter Gefangene – absichtlich anzustecken. Diese Versuche wurden hauptsächlich von der US-Marine und dem US Public Health Service durchgeführt. National Institutes of Health (NIH) | (.gov)
+1
Hier sind die wichtigsten Fakten zu diesen Experimenten:
Ort und Zeit: Die bekanntesten Versuche fanden im Herbst und Winter 1918/1919 statt, insbesondere auf Deer Island im Hafen von Boston sowie auf Angel Island in Kalifornien.
Die Teilnehmer: US-Ärzte, darunter Dr. Milton Rosenau, boten Gefangenen (teilweise Militärgefangenen) an, sie zu begnadigen und freizulassen, wenn sie an den Versuchen teilnahmen und überlebten.
Die Methoden: Die Experimente waren extrem und aus heutiger Sicht absolut unethisch:
Ansteckungsversuche: Gesunden Gefangenen wurden Sekrete aus der Nase und dem Rachen von schwer kranken Grippepatienten in die eigene Nase und den Rachen geträufelt.
Injektionen: Anderen Gefangenen wurde Blut von Grippekranken injiziert.
Exposition: Freiwillige mussten sich von Grippepatienten anhusten und anniesen lassen, Hände schütteln und in direktem Kontakt stehen.
Das Ergebnis: Überraschenderweise wurde keiner der teilnehmenden Gefangenen krank. Dies zeigte den Forschern damals, dass die Übertragung der Grippe komplexer war als nur durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten, oder dass die damals vermuteten bakteriellen Erreger (wie Pfeiffer-Bazillus) nicht die Ursache waren (was später korrekt als Virus erkannt wurde).
Ironie: Berichten zufolge starb der stationsführende Arzt, während die infizierten Gefangenen überlebten.

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christoph55
Vor 4 Wochen
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christoph55 schrieb:

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