Viele Ärzte leiden an Burnout und Depression

8 Kommentare

Jeder zweite Mediziner berichtet in Online-Umfrage von Erschöpfungszuständen.


29.03.2019

Heilen hilft, aber wohl nicht der Gesundheit des Heilers. Laut einem Medscape-Report diagnostiziert sich jeder vierte Arzt in Deutschland eine Depression - jeder fünfte gibt an, eine Kombination aus Burnout und Depression zu haben. 615 bei Medscape registrierte Ärzte haben an der Onlinebefragung (nicht repräsentativ) teilgenommen. Als Trigger Nummer eins für ihre Erschöpfungszustände geben die Mediziner ihren Beruf an. Sechs Prozent sprechen von einer klinisch manifesten Depression.

Dabei sind die Kriterien weit gefasst. Auch Frustration und Zynismus bei der Arbeit oder Zweifel an der eigenen Kompetenz und beruflicher Qualität zählen zu den depressiven Merkmalen. 60 Prozent der Teilnehmer suchen aber keine professionelle Hilfe auf. 46 Prozent von ihnen erscheint die Erkrankung dafür nicht schwerwiegend genug. Zu wenig Zeit, um sich Unterstützung zu holen, gaben 33 Prozent an. Und 38 Prozent meinten, die Situation auch ohne fremde Hilfe meistern zu können. Wie man sieht: Wissen um gesundheitsfördernde Maßnahmen heißt nicht gleich Handeln. Und so treibt auch nur etwa die Hälfte mehrmals pro Woche Sport.

Damit gar nicht erst ein Burnout aufkommt, fänden 38 Prozent der Befragten eine bessere Bezahlung hilfreich. Zu den Faktoren, die den Burnout triggern, gehört für die Hälfte der Ärzte der bürokratische Aufwand. Die gleiche Menge verweist auf die vielen Arbeitsstunden. Mangelnde Anerkennung im sozialen Umfeld empfinden 36 Prozent ausschlaggebend für die emotionalen Abstürze, rund ein Drittel bemängelt die zu starke Profitorientierung. Staatliche Regularien und die fortschreitende Digitalisierung rangieren als Trigger für rund ein Fünftel der befragten Ärzte.

Ein internationaler Burnout-Report von Medscape, der „Global Physicians‘ Burnout and Lifestyle Comparisons“, hat die Umfragewerte von 20.000 Ärzten analysiert. Neben Deutschland nahmen Frankreich, Portugal, Spanien, USA und Großbritannien teil. Mehr als jeder dritte Arzt (37 Prozent) stuft sich als ausgebrannt oder depressiv oder beides ein. Dabei rangieren die Deutschen im „Burnout-Ranking“ mit 12 Prozent ganz unten, bei Depressionen aber deutlich auf Platz eins. Im Vergleich zu den nicht-deutschen Kollegen, die sich alle im einstelligen Bereich befinden. Ein großer Knackpunkt ist dabei mit Sicherheit, dass Depression und Burnout nicht so leicht zu trennen sind, selbst für Experten.

Die depressive Erkrankung habe keine Auswirkung auf das Verhältnis zu den Patienten. So zumindest schätzen das 41 Prozent der depressiven Ärzte ein. Dagegen steht, dass 37 Prozent sich als genervt einstufen und weitere 25 Prozent als manchmal unfreundlich. Deutlich mehr litten unter der schlechten Laune die Mitarbeiter, so die Angaben der Mediziner. Na dann, so tritt halt jeder stets nach unten und der letzte dann den Hund.

Ul.Ma. / physio.de

  • (10)
    29.03.2019 05:59
    Susulo
    Susulo: 3247 Beiträge, 97% Empfehlungen

    Grundsätzlich kann ich das alles sehr gut verstehen und nachvollziehen. Das fängt ja schon im (heißt es noch "Arzt im Praktikum?) Krankenhaus an, da werden die angehenden Mediziner gleich verheizt.
    Was ich nicht verstehe, ist warum die Ärztelobby dann so massiv drauf besteht, für alles verantwortlich sein zu wollen . Warum darf ein examinierter Pfleger selbst in Notfällen keine Infusion legen (nur in Deutschland so! Geht ansonsten auf der ganzen Welt) ? Oder kleine Wunden nähen? Warum gibt es nicht längst für HME den Direktkontakt? Wie so oft sind viele Probleme hausgemacht....
    Was wirklich schön wäre: wenn Ärzt, HME und Pflege erkennen würden, dass sie im gleichen Boot sitzen. Dafür fehlt wiederum die sogenannte Augenhöhe (politisch gewollt? Von Ärzten so gewollt?) und das Ganze dreht sich im Kreis....

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    29.03.2019 07:12
    vdv
    vdv: 878 Beiträge, 59% Empfehlungen
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    (7)
    29.03.2019 07:32
    Susulo
    Susulo: 3247 Beiträge, 97% Empfehlungen
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  • (8)
    29.03.2019 09:33
    Shakespeare
    Shakespeare: 7055 Beiträge, 97% Empfehlungen

    Man muss sich fragen, warum eine so" starke Lobby nicht in der Lage zu sein scheint, sich gegen ein System zu wehren, dass genau die Menschen krank macht die dafür zuständig sind, Kranke zu "heilen". Vielleicht hat man vergessen, warum man sich irgendwann einmal entschieden hat Arzt zu werden. Man fertigt Menschen im 5 bis 10 Minutentakt ab, um ein akzeptables Einkommen zu erzielen und kümmert sich nicht wirklich um den Menschen, den man da vor sich hat, behandelt weitgehend nur noch die Symptome weil einem die Zeit fehlt nach den Ursachen einer Erkrankung zu suchen. Nicht mal ein Aufschrei, wenn man dann eine Gesundheitsreform vorgesetzt bekommt, die ein solches System dadurch zementiert, dass man noch mehr arbeiten soll. Da quetscht man Trockenobst aus. Ich habe nirgends gehört, dass mal eine große Anzahl von Ärzten sagt, nein ich mach meine Praxis nicht noch länger auf, ich nehme keine Patienten mehr an. Ich nehme mir Zeit für meine Patienten und mich. Vielleicht muss ein System erst kollabieren, damit es sich ändern kann. Hat man vielleicht selbst mit dazu beigetragen, dass die Situation so ist wie sie ist, indem man nur noch Laborbefunde, EKG, Blutdruckwerte und Röntgenbilder anschaut aber nicht den Menschen? Hat man vielleicht auch gar keine Lust mit Patienten über ihre Ernährung, ihr Bewegungsverhalten, ihre familiäre, berufliche Situation zu reden? Hat man vergessen, was wirklich krank macht? Vielleicht muss man selbst erst Depressionen bekommen um zu erkennen, was wirklich wichtig ist.

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    (3)
    30.03.2019 08:15
    kroetzi
    kroetzi: 620 Beiträge, 93% Empfehlungen
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    (1)
    30.03.2019 09:45
    Susulo
    Susulo: 3247 Beiträge, 97% Empfehlungen
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  • (4)
    29.03.2019 11:41
    Seelchen
    Seelchen: 278 Beiträge, 60% Empfehlungen

    Ist ja bei den Physio`s genauso. Wir müssen ja auch den ganzen Tag systemrelevant lügen.

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  • (1)
    29.03.2019 13:37
    Adam Stremel
    Adam Stremel: 35 Beiträge, 59% Empfehlungen

    Alles so gewollt, wer immer noch denkt das hinter kein System steckt, dem ist nicht mehr zu helfen ;)

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