Wie kann die physiotherapeutische Dokumentation digitalisiert werden? 7

Die Anforderungen an eine Software für die digitale Dokumentation in der Physiotherapie sind umfangreich, bieten therapeutisch und wirtschaftlich aber auch Chancen.

16.10.2020

Verwaltungstätigkeiten im physiotherapeutischen Berufsalltag nehmen einen nicht unerheblichen Teil der Arbeitszeit ein und haben seit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) von Mai 2018 weiter zugenommen.* Da diese Tätigkeiten nicht zusätzlich vergütet werden, erfolgen sie oft während der Behandlungszeit.

Die Terminplanung, Abrechnung und Kommunikation wird zwar schon meist digital, beziehungsweise computergestützt durchgeführt, die Behandlungsdokumentation erfolgt jedoch größtenteils in Papierform. Entsprechende Software-Angebote sind auf dem Markt, bringen allerdings keinen zusätzlichen Nutzen zur Zeitersparnis.

Daher führte die Hochschule Osnabrück fachübergreifend eine Delphi-Studie zum Thema digitalisierte Dokumentation durch. In dieser sollte die Frage beantwortet werden, wie die physiotherapeutische Dokumentation erleichtert werden kann. In einer Delphi-Studie werden Experten in mehreren Befragungsrunden zu einem Thema befragt. Deren Meinungen werden zuerst qualitativ erfasst und anschließend mit weiteren Fragebögen quantifiziert. Ziel war es, einen Anforderungskatalog für die Entwicklung einer Software zu erstellen, der die physiotherapeutische Dokumentation erleichtert.

Die neun Experten hatten im Durchschnitt 23 Jahre Berufserfahrung, kamen aus dem orthopädischen Bereich und waren entweder selbstständig oder in einer leitenden Position tätig.

Die Studie konnte aufzeigen, dass Therapieverlauf und Abschlussbefund wegen des Zeitmangels oft vernachlässigt werden. Auch Behandlungsziele, Re-Test-Verfahren und Hausaufgaben werden selten dokumentiert. Die Befragung ergab, dass eine Software vor allem eine gute Bedienfreundlichkeit und eine gewisse Flexibilität aufweisen sollte. Dazu scheint neben einer Spracheingabe-Funktion auch die Nutzung mobiler Endgeräte sinnvoll zu sein.

Von den Experten werden auch Vorschläge zu Tests und Assessments, Hinweise auf Red- oder Yellow-Flags sowie eine grafische Darstellung von Messverläufen positiv bewertet.

Eine Software zur Dokumentation sollte nicht nur Zeit einsparen, sondern auch als Gedächtnisstütze dienen und eine Standardisierung begünstigen. Eine gewisse Flexibilität muss jedoch weiterhin möglich sein und individuelle Ansprüche des Therapeuten zulassen, so das Ergebnis der Befragung.

Die Anforderungen an eine Software, die genug Freiheiten aber auch einige Vorlagen bieten soll, sind hoch. Zudem muss der Datenschutz bei der Speicherung der Daten berücksichtigt werden. Mit einer digitalisierten Dokumentation könnte die interdisziplinäre Kommunikation erleichtert werden. Allerdings müssen die Patientendaten zu jedem Zeitpunkt abgesichert sein, was eine gute Serverinfrastruktur voraussetzt. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen der elektronischen Dokumentation im Rahmen des e-Health-Gesetzes dazu bestehen indes noch nicht.

Dokumentation ist nicht nur gesetzliche Pflicht, sie unterstützt den Therapeuten auch in seinem Clinical Reasoning-Prozess und dessen reflektierendem Handeln. Kann die Dokumentation durch technische Hilfsmittel erleichtert werden, profitieren Therapeuten ebenso wie Patienten.

Die Originalstudie mit dem genauen Anforderungskatalog können Sie hier abrufen.

dh / physio.de

* Im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) und im Patientenrechtegesetz sind die Dokumentationspflichten von Heilmittelerbringern geregelt. Zudem sind Heilmittelerbringer laut fünftem Sozialgesetzbuch (SGB V) zur Qualitätssicherung verpflichtet.


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