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Rücken: Regionale Unterschiede lt. Bertelsmannstifting bei Operationen
Rückenoperationen: Bertelsmann-Stiftung wirft Fragen auf
Die Zahl der Rückenoperationen ist deutlich gestiegen und weist regionale Unterschiede auf.
12.07.2017 • 0 Kommentare

Die Zahl der Rückenoperationen in Deutschland ist deutlich gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt die Publikation der Bertelsmann-Stiftung "Faktencheck Rücken - Rückenschmerzbedingte Krankenhausaufenthalte und operative Eingriffe". Brisanter als die Anzahl der Operationen ist jedoch eine weitere Erkenntnis: In einigen Kreisen wird häufiger operiert als woanders.

In 2007 zählte die Bertelsmann-Stiftung 452.000 Operationen bundesweit, 2015 waren es schon 772.000 Eingriffe. Das ist eine Steigerung von 71 Prozent. Im Zentrum stehen drei Operationsverfahren: Bandscheibeneingriffe, Dekompressions-Operationen und Spondylodesen. Versteifungsoperationen werden besonders häufig in Thüringen, Hessen und dem Saarland durchgeführt. In Sachsen dagegen wird weniger als in allen anderen Bundesländern operiert. Die Ergebnisse seien ein Indiz für eine unterschiedliche Organisation der Versorgung und Vorgehensweise bei Diagnostik und Therapie. So sehen es die Verantwortlichen der Bertelsmann-Stiftung. Grundlage ist eine Fallpauschalenbezogene Krankenhausstatistik und Daten des Statistischen Bundesamtes. Das IGES-Institut führte die Analyse im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung durch.

Im Ergebnis beleuchtet die Analyse eine weitere Auffälligkeit. Auch die Krankenhausaufenthalte haben zugenommen. In Sachsen-Anhalt werden besonders viele Patienten mit der Rücken-Diagnose stationär aufgenommen. Allerdings erhalten sie in der Mehrheit keine Schmerztherapie oder Operationen, sondern diagnostische Untersuchungen wie zum Beispiel ein MRT. Die Maßnahmen könnten genauso gut ambulant erfolgen. In der Konsequenz fordern die Analysten die Entwicklung einer einheitlichen Leitlinie zur bedarfsdeckenden Versorgung.

In einer Stellungnahme kritisieren die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU) und der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (BVOU) die Datenlage als unzureichend. Die Studie entspreche einer niedrigen Evidenz und basiere auf einem niedrigen wissenschaftlichen Niveau. Sie sei wenig hilfreich in der Diskussion um regionale Unterschiede bei der Behandlung von Rückenschmerzen. Die Ursache für die regionalen Unterschiede sehen die DGOU und BVOU- Experten in im unterschiedlichen Verschlüsselungsverhalten der Ärzte. Zur Erklärung: Für eine Wirbelsäulenoperation werden mehrere OP-Schlüssel vergeben, die Zahl der OP-Schlüssel ist nicht mit der Zahl der Operationen gleichzusetzen. Operateure können bei einem Eingriff an der Wirbelsäule die einzelnen Diagnosen codieren oder die einzelnen Schritte einer Operation.

Dennoch werden die regionalen Unterschiede ernst genommen. Die DGOU initiierte mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) eine weitere Studie, in der geklärt werden soll, wie die Versorgungsunterschiede zustande kommen und wo die Ursachen liegen.

Daniela Driefert / physio.de

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