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Radikal und Riskant - aber langanhaltend erfolgreich
Forscher der University of Ottawa entwickelten neue Behandlungsmethode für eine bestimmte Form der MS.
27.06.2016 • 0 Kommentare

Patienten mit einer bestimmten Form der MS dürfte ein Artikel im britischen Fachmagazins "The Lancet" Anlass zur Hoffnung geben. In ihm berichten Harold Atkins und seine Kollegen von der University of Ottawa über ihren neuen und radikalen Behandlungsansatz bei der Therapie von schnell fortschreitender, aggressiver MS und dessen langanhaltenden Erfolg.

Entlehnt wurde das neue Konzept der Behandlung von Leukämiepatienten. Ähnlich wie in der Krebstherapie zielt das neue Konzept auf einen vollständigen Austausch des Immunsystem ab. Hierzu wird den Betroffenen zunächst ein Mittel injiziert, welches die blutbildenden Stammzellen dazu bringt, aus dem Knochenmark ins Blut zu wandern. Dann werden diese über eine Blutabnahme isoliert und konserviert.

In einem zweiten Schritt wird das Immunsystem der Patienten mittels einer Chemotherapie "völlig auf null gefahren". Die Patienten sind nun vorübergehend gegen Infektionen völlig ungeschützt und müssen daher unter strenger Isolation leben.

Ist das "alte und fehlerhafte" Immunsystem völlig zerstört, erhalten die Patienten in einem dritten Schritt ihre konservierten Stammzellen wieder zurück, welche die Produktion von neuen "richtig-arbeitenden" Immunzellen in Gang setzen.

In ihrer klinischen Studie begleiteten die Forscher 24 Patienten über einen Zeitraum von 13 Jahren. Nicht ein Einziger entwickelte in dieser Zeit einen neuen Entzündungsherd im Gehirn oder einen neuen Krankheitsschub. "Vor meiner Immuntransplantation konnte ich weder sprechen noch gehen [...] . Jetzt kann ich eigenständig gehen [...] und arbeite wieder Vollzeit", berichtet eine Studienteilnehmerin.

"Das ist wirklich aufregend", so Atkins. "Unsere klinische Studie ist die erste, die eine komplette, langanhaltende Unterdrückung aller entzündlichen Aktivitäten bei Patienten mit MS erreicht." Er schränkte aber auch ein: "Es ist wichtig anzumerken, dass diese Therapie schwere Nebenwirkungen und Risiken hat und nur für einen kleinen Anteil von Patienten mit sehr aggressiver MS geeignet ist. Menschen mit MS, die schon seit langer Zeit unter Behinderungen leiden, würden davon wahrscheinlich nicht profitieren."

Friedrich Merz / physio.de

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