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Physiotherapeuten sind die häufigsten Betrüger
Gesundheitsberufe prellen Krankenkasse um fast eine Million Euro im Jahr. KKH Allianz legt Prüfbericht vor.
Schwarze Schafe tummeln sich überall. Keine Berufsgruppe kennt ausschließlich weiße Westen. 589 Betrüger in den Reihen der Gesundheitsprofessionen haben allein der KKH Allianz im vergangenen Jahr einen Schaden von 943.000 Euro verursacht. Die "Prüfgruppe Abrechnungsmanipulation" hat gerade ihren aktuellen Bericht vorgelegt.
Die frühere Gesundheitsministerin Ulla Schmidt war es, die mit der Gesundheitsreform 2004 den Krankenkassen Prüfabteilungen für Fehlverhalten im Gesundheitswesen auferlegte. Als besonders effektiv erwies sich die Gruppe um Dina Michels. Juristen und Angehörige der Gesundheitsberufe haben in elf Jahren für die KKH Allianz immerhin nahezu 10.000 Fälle aufgedeckt. Da wurden ärztliche Leistungen abgerechnet, obwohl der Doktor fröhlich urlaubte. Ein Pflegedienst motivierte Patienten zur Simulation eines desolaten Gesundheitszustandes, um höhere Pflegegelder zu generieren. Teure HIV-Präparate rechnete ein Apotheker ab, statt der tatsächlich verkauften billigen Produkte. Für sechs Jahre und neun Monate schickte ihn sein Richter ins Gefängnis.
Einen traurigen Rekord müssen die Physiotherapeuten hinnehmen – wieder einmal, wie seit Jahren schon. Mit 146 Fällen führen sie die Betrügerliste an. Weit dahinter folgen die Apotheken (65 Fälle) und Pflegedienste (55 Fälle). Wenig Trost mag den Therapeuten die Tatsache spenden, dass die Apotheker mit knapp 175.000 Euro eine weitaus höhere Summe zu Unrecht berechnet haben als Physiotherapeuten mit rund 125.000 Euro. Die ganze Palette möglicher Betrügereien offerierten die kriminellen Praxisbesitzer den Ermittlern. Abrechnung von Zertitfikatsbehandlungen, wie Manuelle Therapie oder Lymphdrainage, obwohl der behandelnde Therapeut keine entsprechenden Ausbildungen genossen hat. Therapien wurden quittiert, die gar nicht stattfanden oder Hausbesuchspauschalen für Patienten berechnet, die guter Dinge in die Praxis kamen. Präventionskurse werden bescheinigt. Es gab sie nie.
Sich ahnungslos gerierende Therapeuten argumentieren gerne mit dem Wohl des Patienten, das sie einzig und allein bei ihren Betrügereien geleitet haben will. Selbst wenn es tatsächlich so wäre - kriminelle Taten sind auch dann kriminell, wenn sie aus vermeintlich sozialem Engagement begangen wurden.
Die Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland fürchtet, die ermittelten Fälle der KKH Allianz seien vermutlich "nur die Spitze des Eisbergs", betonte Anke Martina, Vorstandmitglied der Organisation. "Neben den klassischen Betrugsdelikten führt immer wieder die unzulässige Zusammenarbeit zwischen Leistungserbringern dazu, dass im Gesundheitssystem ein hoher volkswirtschaftlicher Schaden entsteht."
Peter Appuhn
physio.de
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Die frühere Gesundheitsministerin Ulla Schmidt war es, die mit der Gesundheitsreform 2004 den Krankenkassen Prüfabteilungen für Fehlverhalten im Gesundheitswesen auferlegte. Als besonders effektiv erwies sich die Gruppe um Dina Michels. Juristen und Angehörige der Gesundheitsberufe haben in elf Jahren für die KKH Allianz immerhin nahezu 10.000 Fälle aufgedeckt. Da wurden ärztliche Leistungen abgerechnet, obwohl der Doktor fröhlich urlaubte. Ein Pflegedienst motivierte Patienten zur Simulation eines desolaten Gesundheitszustandes, um höhere Pflegegelder zu generieren. Teure HIV-Präparate rechnete ein Apotheker ab, statt der tatsächlich verkauften billigen Produkte. Für sechs Jahre und neun Monate schickte ihn sein Richter ins Gefängnis.
Einen traurigen Rekord müssen die Physiotherapeuten hinnehmen – wieder einmal, wie seit Jahren schon. Mit 146 Fällen führen sie die Betrügerliste an. Weit dahinter folgen die Apotheken (65 Fälle) und Pflegedienste (55 Fälle). Wenig Trost mag den Therapeuten die Tatsache spenden, dass die Apotheker mit knapp 175.000 Euro eine weitaus höhere Summe zu Unrecht berechnet haben als Physiotherapeuten mit rund 125.000 Euro. Die ganze Palette möglicher Betrügereien offerierten die kriminellen Praxisbesitzer den Ermittlern. Abrechnung von Zertitfikatsbehandlungen, wie Manuelle Therapie oder Lymphdrainage, obwohl der behandelnde Therapeut keine entsprechenden Ausbildungen genossen hat. Therapien wurden quittiert, die gar nicht stattfanden oder Hausbesuchspauschalen für Patienten berechnet, die guter Dinge in die Praxis kamen. Präventionskurse werden bescheinigt. Es gab sie nie.
Sich ahnungslos gerierende Therapeuten argumentieren gerne mit dem Wohl des Patienten, das sie einzig und allein bei ihren Betrügereien geleitet haben will. Selbst wenn es tatsächlich so wäre - kriminelle Taten sind auch dann kriminell, wenn sie aus vermeintlich sozialem Engagement begangen wurden.
Die Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland fürchtet, die ermittelten Fälle der KKH Allianz seien vermutlich "nur die Spitze des Eisbergs", betonte Anke Martina, Vorstandmitglied der Organisation. "Neben den klassischen Betrugsdelikten führt immer wieder die unzulässige Zusammenarbeit zwischen Leistungserbringern dazu, dass im Gesundheitssystem ein hoher volkswirtschaftlicher Schaden entsteht."
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