Negative Ergebnisse bei Knie-TEPs vorhersagen 2

Studie fasst Faktoren zusammen, die bei der Implantation von Knie-Endoprothesen zu anhaltenden Schmerzen und Unzufriedenheit führen können.

07.10.2019

Wie schon häufiger berichtet nimmt die Anzahl der Implantationen von Knieprothesen in den westlichen Industriestaaten immer mehr zu. Allein in Deutschland wurden im Jahr 2017 rund 190.000 Knietotalendoprothesen (Knie-TEPs) eingesetzt. Auch jüngere Patienten unterziehen sich dem Eingriff, der Schmerzfreiheit und mehr Lebensqualität bei Kniegelenksarthrose verspricht.

Laut der Literaturanalyse eines australischen Forscherteams aus dem Jahr 2017 sind allerdings ca. 20 Prozent der Patienten unzufrieden mit dem Operationsergebnis. Dabei können verschiedene Faktoren, wie unrealistische Erwartungen, anhaltende Schmerzen oder Funktionseinschränkungen des künstlichen Gelenks eine Rolle spielen.

Ein Forscherteam um Franz Reichel von der Universitätsklinik Heidelberg hat nun versucht herauszufinden, ob es vor einem operativen Eingriff Faktoren gibt, mit denen sich vorhersagen lässt, ob bei Patienten nach der Implantation anhaltende Schmerzen und Unzufriedenheit auftreten werden(1). Diese Faktoren werden auch Prädiktoren genannt.

Um diese Prädiktoren zu identifizieren, analysierten die Autoren Patientendaten aus insgesamt drei Endoprothesenregistern und neun wissenschaftlichen Studien.

Die Ergebnisse der narrativen Literaturanalyse lassen vermuten, dass persistierende Schmerzen und Unzufriedenheit der Patienten nach einer Knieendoprothesenimplantation auf eine Vielzahl struktureller und psychosozialer Aspekte zurückzuführen sind.

Strukturelle Einflussfaktoren (Auswahl):
- Fehlrotation der Prothesenkomponenten
- Arthrofibrose
- Aseptische Lockerung
- Infektion

Psychosoziale Faktoren (Auswahl):
- Katastrophisierung von Schmerz
- Angst-Vermeidungs-Verhalten
- Somatisierung
- mangelnder sozialer Rückhalt

Neben einer verbesserten Abklärung struktureller Probleme sollten laut den Autoren insbesondere die psychosozialen Faktoren im Vorfeld einer geplanten Prothesenimplantation systematisch erhoben und behandelt werden. Die Wissenschaftler empfehlen für die entsprechenden „Risikopatienten“ den Einsatz von interdisziplinären Therapien sowohl vor als auch nach dem Eingriff. Besonders wichtig sei dabei der Aufbau einer realistischen Erwartungshaltung an das Operationsergebnis.

Ein Abstract der Studie finden Sie hier.

Catrin Heinbokel / physio.de