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Geld für Bewegung (1)
Kampf den Kilos.
18.06.2013 • 0 Kommentare

Adipositas – wer diese Diagnose mit sich "herumträgt", hat es wahrlich nicht leicht. Neben dem erhöhten Gewicht leiden viele Patienten unter arthrotischen Veränderungen ihrer Knie- oder Hüftgelenke, haben Schmerzen in der Wirbelsäule, erhöhte Bluttfettwerte oder Bluthochdruck. Übergewicht gilt als Risikofaktor für Schlaganfälle, Diabetes Typ II, Herzinfarkt bis hin zu Morbus Alzheimer oder zu verschiedenen Krebsarten. Neben all den körperlichen Beschwerden gesellen sich seelische Probleme hinzu, denn nicht jeder übergewichtige Mensch ist glücklich mit seinem Körperbau.

Für die optimale Gewichtsberechnung eines jeden Menschen ist der sogenannte BMI (Body-Mass-Index) erforderlich. Hier wird das Körpergewicht durch die Körpergröße im Quadrat dividiert. Beträgt dieser BMI mehr als 25, sollten sich Patienten intensiver mit ihrer Situation auseinander setzen. Treten beispielsweise erste Beschwerden auf, sollte eine Gewichtsreduktion in Betracht gezogen werden.

Mit einem BMI über 30 gelten die Menschen als fettleibig und therapiebedürftig. Viele Krankenkassen haben hierzu Programme erstellt, die dem übergewichtigen Patienten helfen sollen, sein Gewicht zu reduzieren. Dabei werden die Kosten bei erfolgreicher Teilnahme anteilig zurückerstattet. Doch was bedeutet hier erfolgreich? Sind es regelmäßige Teilnahmen, die Erfolg versprechen oder gelten die verlorenen Kilos als Berechnungsgrundlage?

Eine interessante Studie wurde hierzu in den Vereinigten Staaten von Amerika durchgeführt. Diverse Krankenversicherungen drohten ihren Mitgliedern mit erhöhten Beiträgen, wenn sie nicht ihr Gewicht reduzieren würden. Um diese 20 prozentige Erhöhung einzusparen, liefen die Teilnehmer rund 5000 Schritte pro Tag, berichteten die Wissenschaftler der University of Michigan Health System und der Stanford University.

Rund 12.100 Studienteilnehmer sollten sich hierfür zwischen einem erhöhten Beitrag oder aber zu mehr Bewegung in ihrem alltäglichen Leben entscheiden. Die Probanden konnten zwischen verschiedenen Programmen wie beispielsweise Weight Watchers, einem digitalen Schrittzähler oder der Teilnahme an einem Bewegungsprogramm wählen.

Rund 6.000 Patienten wählten das Laufen. Ziel hierbei war es, 5.000 Schritte täglich oder aber 450.000 Schritte im Quartal zu absolvieren. Dieses Bewegungsprogramm war auf ein Jahr ausgelegt und wurde von den Wissenschaftlern über das Internet kontrolliert. Die Ergebnisse wurden auf eine Webseite hochgeladen. Besonderer Anreiz hierbei: Erst wenn die Gewichtsabnahme erfolgreich absolviert wurde, gab es die Ermäßigung der Krankenversicherung.

Viele Patienten sahen zunächst in diesem Bewegungsprogramm eine "Zwangsmaßnahme" und lehnten den finanziellen Anreiz ab. Trotz der vorhandenen Skepsis waren rund 97 Prozent der Teilnehmer erfolgreich und erreichten das Ziel, 5.000 Schritte pro Tag zu laufen. Teilweise wurde dieses festgelegte Ziel sogar übertroffen.
Hinsichtlich der Zufriedenheit der vielen Teilnehmer wurde eine Umfrage durchgeführt. Ein Drittel der Probanden sahen in dem finanziellen Anreiz ein negatives Druckmittel, während zwei Drittel aller Teilnehmer sich gut damit arrangieren konnten. Die Ergebnisse werden als vielversprechend eingeordnet. Übergewichtige Patienten mittels eines finanziellen Anreizes zu mehr körperlicher Aktivität zu motivieren, könne sich künftig auch in weiteren Bereiche etablieren.

"Finanzielle Bonusprogramme sind für viele Menschen akzeptabel und fördern gesundheitsbewusstes Verhalten", erklärte die Hauptautorin der Studie, Donna Zulman. Studienautorin und Kollegin Caroline R. Richardson ergänzte hierzu: "Aber in Zukunft wird es vermutlich mehrere solcher Ansätze geben, gesündere Verhaltensweisen finanziell zu fördern."

Ob Gewichtsabnahme, Raucherentwöhnung oder vielleicht ein Hausaufgabenprogramm in der Physiotherapie: Ansätze wie diese könnten sich künftig als zukunftsträchtig erweisen und wären zudem in weiteren Programme anwendbar. "Weitere Auswertungen sind aber nötig, um festzustellen, ob solche Programme zu dauerhaften Verhaltensänderungen und einer Kostensenkung im Gesundheitswesen führen", so Zulman.

Diskussionsbedarf wird dennoch bleiben – auch auf ethischer Basis.


AvB / physio.de

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