Bewegungsangebote reduzieren die Pflegebelastung 1

Studie untersucht den Effekt von körperlichen Übungen auf neuropsychiatrische Symptome von Demenzkranken im Akutkrankenhaus.

08.07.2020

Insbesondere in Krankenhäusern stellt die Pflege von Demenzkranken eine große Herausforderung für das dort tätige Personal dar. Die für den Patienten ungewohnte Umgebung führt nicht selten zur Verschlimmerung der neuropsychiatrischen Symptome, wie z.B. Angst, Unruhe und anderen Verhaltensstörungen. Ein Wissenschaftlerteam von der Sporthochschule in Köln hat nun den Einfluss von strukturierten Bewegungsgruppen auf die Pflegebelastung, den sogenannten „Caregiver Burden“, in einer randomisierten, kontrollierten Studie untersucht.

Frühere Untersuchungen haben bereits einen Zusammenhang zwischen körperlicher Inaktivität und dem Auftreten bzw. der Stärke neuropsychiatrischer Symptome bei Demenzkranken nachgewiesen. Die vorliegende Studie hat nun über ein Jahr lang 85 Patienten in drei psychiatrischen Akutkliniken beobachtet und die Wirksamkeit einer Bewegungsintervention hinsichtlich der Belastung für das pflegende Personal analysiert. Alle Probanden waren jeweils für zwei Wochen auf den speziell für Demenzkranke eingerichteten Stationen untergebracht.

46 Patienten wurden zufällig in die Interventionsgruppe (IG) gelost und nahmen zusätzlich zum normalen Tagesprogramm viermal täglich an einer 20-minütigen Bewegungsgruppe teil. Die Kontrollgruppe (KG, 39 Patienten) erhielt stattdessen eine soziale Betreuungsangebote, z.B. mit Brettspielen. Als Assessment für die Pflegebelastung wurde das Neuropsychiatrische Inventar (NPI) genutzt. Dabei handelt es sich um ein standardisiertes Fragebogen-Assessment, in dem das Pflegepersonal der Station von einer außenstehenden fachkundigen Person bezüglich der Belastung durch Verhaltensweisen der Patienten interviewt wird.

Für die Auswertung konnten die Wissenschaftler die Daten von insgesamt 70 Probanden verwenden (IG=35, KG=35). Die statistischen Berechnungen zeigten, dass der Caregiver Burden in der Interventionsgruppe im Laufe der Unterbringungszeit deutlich gesenkt werden konnte. Der Unterschied war nach den zwei Interventionswochen statistisch signifikant.

Die Studienergebnisse unterstreichen den Stellenwert von körperlicher Aktivität als nicht-medikamentöses Therapieverfahren im Demenzbereich. Die Autoren plädieren für einen standardmäßigen Einsatz von Bewegungsangeboten, um die durch neuropsychiatrische Symptome entstehenden Belastungen für das Pflegepersonal zu reduzieren und das Wohlbefinden der Patienten zu fördern.

Ein kostenloses Abstract der Studie finden Sie hier.

Catrin Heinbokel / physio.de


Mehr Lesen über

DemenzTherapieBewegung




    Zum Kommentieren bitte erst Anmelden. Dafür hier klicken.