Bayern macht dicht! 89

Bayern verhängt ab heute eine Ausgangssperre und beschränkt damit auch die Physiopraxen.

21.03.2020

Seit heute 0.00 Uhr gilt in Bayern eine Ausgangssperre.

Das Verlassen der Wohnung ist nur noch bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Darunter zählt unter anderem „der Besuch bei Angehörigen helfender Berufe.“ – sprich auch der Besuch beim Physiotherapeuten. Allerdings nur soweit dies medizinisch dringend erforderlich ist.

Was medizinisch dringend erforderlich ist, muss letztlich jeder Therapeut im Einzelfall für sich entscheiden.
Für den VDB-Physiotherapieverband ist es ausschließlich die Behandlung von Akutfällen. Die da wären:

  • • Akute Schmerzsyndrome
    • Neurologische Ausfälle
    • Akute lymphatische Versorgung im Sinne einer komplexen Entstauungstherapie
Viele Praxen hofften, wenn es einmal zu angeordneten Schließungen kommen sollte, nach Maßgabe des § 56 Infektionsschutzgesetz geschlossen zu werden. Hätten sie doch in diesem Falle eine Entschädigung in Höhe ihres Verdienstausfalles nach dem Infektionsschutzgesetz erhalten. Leider ist dem aber nicht der Fall (Bayern schließt die Praxen als reine Schutzmaßnahme gemäß §28 Infektionsschutzgesetz).

Wie allerdings aus Regierungskreisen zu erfahren war, arbeitet man derzeit unter Hochdruck an finanziellen Hilfsangeboten für Kleinunternehmen, worunter auch mind. 99 Prozent aller Physiotherapiepraxen fallen dürften. Sobald es Belastbares zu vermelden gibt, werden wir berichten.

Verwirrung herrschte nach der Pressekonferenz des Bayerischen Ministerpräsidenten, ob nun die übrigen Professionen der Heilmittelerbringer ebenfalls medizinisch dringend erforderliche Behandlungen durchführen dürfen oder nicht. Recherchen von physio.de im Umfeld der Bayerischen Staatskanzlei ergaben, dass „auch Podologen, Ergotherapeuten, Logopäden und andere Heilmittelerbringer weiter behandeln dürfen, soweit dies medizinisch dringend erforderlich ist.“

All diese Regelungen gelten (Stand heute) für zwei Wochen – also bis einschließlich 3. April 2020.

Und die anderen Bundesländer?
Allgemein ist davon auszugehen, dass andere Länder dem Bayerischen Modell in puncto „Praxis-Teilschließungen“ folgen werden. Belastbare Aussagen dazu gibt es aber bislang (noch) nicht.
Meldungen des MDR und der Sächsischen Zeitung, wonach Sachsen bereits eine Schließung von Physiopraxen angeordnet hätte, sind falsch. Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer und gut vernetzt ins sächsische Gesundheitministerium, erklärte auf Nachfrage von physio.de: "Alle Praxen bleiben -Stand heute - geöffnet!"
In Berlin kursiert eine Meldung mit der Startseite des LAGeSo zu einer Ausgangssperre - auch diese ist falsch!

Lesen Sie hier die Bayerische Allgemeinverfügung und hier die Sächsische Allgemeinverfügung im vollen Wortlaut.

Bleiben Sie gesund!
Friedrich Merz / physio.de