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Rückenschmerzen
Patientenedukation doch nicht so wichtig?
In einer australischen Studie waren Edukationsmaßnahmen bei Patienten mit akutem Rückenschmerz nicht wirksamer als eine Placebobehandlung.
10.12.2018 • 2 Kommentare

Nicht nur in Deutschland stellt der untere Rückenschmerz ein bedeutendes Gesundheitsproblem dar. Auch in anderen westlichen Industriestaaten ist die Erkrankung ein großes Thema für Wissenschaft, Politik und Arbeitswelt. Überall sind Mediziner auf der Suche nach effektiven Behandlungsmethoden für die Betroffenen.

Ein häufig diskutierter Aspekt in der Behandlung lumbaler Rückenbeschwerden stellt die Patientenedukation dar. Auch in der Physiotherapie wird die Vermittlung von Kenntnissen über das Phänomen Schmerz immer häufiger thematisiert. Eine kürzlich im JAMA veröffentlichte australische Studie hat nun untersucht, ob diese Interventionsmaßnahme bei Patienten mit akutem unterem Rückenschmerz in der Akutversorgung wirksam ist.

Für die Untersuchung wurden insgesamt 202 Patienten mit akuten Rückenschmerzen (kürzer als 6 Wochen), die deshalb einen Hausarzt oder einen Physiotherapeuten aufgesucht hatten, rekrutiert. Alle Probanden erhielten von ihrem behandelnden Arzt/Therapeut zunächst die übliche leitlinienkonforme Behandlung bestehend aus Ermutigung zu Aktivität, Schmerzmittel, und ggf. Chiropraktik (spinal manipulation).

Danach wurden die Patienten zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe (Intervention) erhielt daraufhin zwei einstündige Einheiten mit einer genau beschriebenen Patientenedukation durch einen Studienarzt. Die Inhalte waren angelehnt an das Buch Explain Pain, das unter dem Titel Schmerzen verstehen auch auf Deutsch erschienen ist. Die zweite Gruppe (Placebo) absolvierte ebenfalls zwei einstündige Gesprächstermine. Die Probanden dieser Gruppe erhielten allerdings keine weiteren Informationen oder Beratung, sondern konnten mit dem Studienarzt über ein selbstgewähltes Thema sprechen. Outcomes waren die Schmerzintensität und Bewegungseinschränkungen nach einer Woche, drei, sechs und zwölf Monaten.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich sowohl die Schmerzintensität, als auch die Bewegungseinschränkungen bei den Probanden deutlich verbessert hatten. Ein klinisch bedeutsamer Unterschied zwischen den beiden Gruppen konnte allerdings nicht festgestellt werden. Die Inhalte der Patientenedukationsmaßnahme hatten folglich keinen Effekt auf die beobachteten Outcomes.

Die Autoren schlussfolgern aus den Ergebnissen, dass eine zeitaufwendige, komplexe Patientenedukation bei Patienten mit akutem Rückenschmerz unnötig ist.

Anmerkung der Autorin: Leider gab es in der Studie keine Kontrollgruppe ohne eine zusätzliche Intervention zur Standardbehandlung. Die Entwicklung einer solchen Gruppe wäre interessant gewesen, um den Effekt der unspezifischen Wirkfaktoren (z.B. Zuwendung durch einen Arzt, sozialer Kontakt und Aufenthalt im Studienzentrum) einschätzen zu können.


Originalartikel:
Traeger AC, Lee H, Hübscher M, et al. (2018). Effect of Intensive Patient Education vs Placebo Patient Education on Outcomes in Patients With Acute Low Back PainA Randomized Clinical Trial. JAMA Neurol. Published online November 05, 2018. doi:10.1001/jamaneurol.2018.3376

Buchvorlage für die Edukationsmaßnahme:
Butler, DS & Moseley,GL (2016). Schmerzen verstehen. 3. Auflage. Heidelberg: Springer Verlag.

Catrin Heinbokel/physio.de

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StudieRückenschmerzenChiropraktik


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mbone
10.12.2018 13:52
Solche Untersuchungen machen nur Sinn wenn die Probanden sich danach für 3, 6, 12 Monate im luftleeren Raum befinden.
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Solche Untersuchungen machen nur Sinn wenn die Probanden sich danach für 3, 6, 12 Monate im luftleeren Raum befinden.
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mbone schrieb:

Solche Untersuchungen machen nur Sinn wenn die Probanden sich danach für 3, 6, 12 Monate im luftleeren Raum befinden.

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Xela
10.12.2018 15:04
@Catrin

"Anmerkung der Autorin: Leider gab es in der Studie keine Kontrollgruppe ohne eine zusätzliche Intervention zur Standardbehandlung. Die Entwicklung einer solchen Gruppe wäre interessant gewesen, um den Effekt der unspezifischen Wirkfaktoren (z.B. Zuwendung durch einen Arzt, sozialer Kontakt und Aufenthalt im Studienzentrum) einschätzen zu können."

Ausgezeichnet! Genau das habe ich mich auch als erstes gefragt.
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@Catrin "Anmerkung der Autorin: Leider gab es in der Studie keine Kontrollgruppe ohne eine zusätzliche Intervention zur Standardbehandlung. Die Entwicklung einer solchen Gruppe wäre interessant gewesen, um den Effekt der unspezifischen Wirkfaktoren (z.B. Zuwendung durch einen Arzt, sozialer Kontakt und Aufenthalt im Studienzentrum) einschätzen zu können." Ausgezeichnet! Genau das habe ich mich auch als erstes gefragt.
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Xela schrieb:

@Catrin

"Anmerkung der Autorin: Leider gab es in der Studie keine Kontrollgruppe ohne eine zusätzliche Intervention zur Standardbehandlung. Die Entwicklung einer solchen Gruppe wäre interessant gewesen, um den Effekt der unspezifischen Wirkfaktoren (z.B. Zuwendung durch einen Arzt, sozialer Kontakt und Aufenthalt im Studienzentrum) einschätzen zu können."

Ausgezeichnet! Genau das habe ich mich auch als erstes gefragt.



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