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Teilzeit gesucht
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physio.de: Herr Laufer, der vdek-Vorsitzende Uwe Klemens fordert im Zuge des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes, dass „alle Akteure“ ihren Beitrag leisten müssen. Das klingt doch solidarisch. Wie bewerten Sie diese Forderung?
André Laufer: Ich kritisiere diese Formulierung aufs Schärfste, weil sie verschleiert statt aufklärt. Der vdek stellt Heilmittelerbringer rhetorisch auf eine Stufe mit der Pharmaindustrie und milliardenschweren Klinikstrukturen. Das ignoriert die tatsächlichen Ausgabenanteile komplett. Es ist eine rhetorische Gleichmacherei, die die eigentlichen Kostentreiber im System unsichtbar macht.
Inwiefern wird die Realität dadurch verschleiert oder unsichtbar gemacht? Können Sie da konkreter werden?
Heilmittel machen gerade einmal 4,2 Prozent der GKV-Ausgaben aus. Das sind rund 14,7 Milliarden Euro von insgesamt etwa 352 Milliarden Euro. Unsere Berufsgruppe ist ohnehin schon unterbezahlt und leidet unter massivem Fachkräftemangel. Trotzdem wurden wir bei jeder bisherigen Sparrunde überproportional zur Kasse gebeten, während unser Anteil am Gesamtbudget verschwindend gering bleibt. Das ist keine faire Lastenverteilung.
Der vdek behauptet, dass die Ausgabensteigerungen der letzten Jahre die Versorgung nicht messbar verbessert oder zu mehr Qualität geführt hätten. Trifft das auf Sie zu?
Für Heilmittelerbringer gilt das Gegenteil. Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Podologie wirken bei minimalem Ausgabenanteil nachweisbar. Wir sorgen für kürzere Wartezeiten auf Reha-Anschlussmaßnahmen, schnellere Mobilisation nach Operationen und spürbar bessere Lebensqualität für ältere und chronisch Erkrankte. Ihr Portal berichtete doch erst kürzlich darüber. Wer hier pauschal kürzt, verwechselt Wirksamkeit mit Verschwendung. Ökonomisch ist das kurzsichtig, denn man zahlt später drauf durch teurere Klinikaufenthalte und Pflegebedarf.
Uwe Klemens kritisiert Akteure, die lautstark den Untergang verkünden. Fühlen Sie sich davon angesprochen?
Wer vor Versorgungsproblemen warnt, wird vom vdek zum Störfall erklärt. Wenn jede Warnung als übertriebene Panikmache abgetan wird, macht das eine sachliche Debatte über echte strukturelle Probleme unmöglich. Kritik wird so nicht widerlegt, sondern schlicht für irrelevant oder unzulässig erklärt.
Sie haben im Juni mit über 300 Therapeutinnen und Therapeuten in Berlin demonstriert (wir berichteten). War das also unbegründet?
Wir haben nicht aus Selbstzweck demonstriert. Der demografische Wandel und der Fachkräftemangel sind real. Auch die unzureichende Bezahlung in unserem Berufsfeld ist eine Realität, die es unmöglich macht, dem wachsenden Versorgungsbedarf langfristig gerecht zu werden. Die Probleme kleinzureden ist eine reine Verweigerung des Dialogs.
Der vdek benennt eine Schieflage bei den versicherungsfremden Leistungen und beklagt, dass der Bund diese nicht ausreichend refinanziert. Wie sehen Sie das?
Das ist ein bemerkenswertes Zugeständnis des vdek. Allein bei den Gesundheitskosten für Grundsicherungsbeziehende fehlen der GKV jährlich 12 Milliarden Euro. Das erklärt beinahe das gesamte für 2027 prognostizierte Defizit von 19 Milliarden Euro. Der vdek hält diesen Zustand selbst für verfassungswidrig und kündigt eine Klage an. Er erkennt also an, dass das Problem beim Staat liegt, spart aber trotzdem im System.
Wo genau liegt für Sie dabei der logische Widerspruch?
Die vdek-Logik lautet: Man weiß, wo das eigentliche Loch ist, klagt dagegen und stopft es in der Zwischenzeit trotzdem mit dem Geld derjenigen, die am wenigsten zur Ausgabenlast beitragen. Er will also „das Futter der Elefanten bei den Mäusen einsparen“.
Was heißt das für den VDB-Physiotherapieverband?
Wir widersprechen nicht dem Sparziel an sich. Auch wir wissen, dass die GKV-Finanzen stabilisiert werden müssen. Wir widersprechen aber der Auswahl, wo gespart wird. Solange Debatten mit Formeln wie „alle müssen ran“ geführt werden, ohne die tatsächlichen Ausgabenanteile zu benennen, bleibt die Wahrheit verdeckt. Wir sind nicht das Problem. Wir sind der Teil der Lösung, der am billigsten wegzukürzen ist und genau deshalb am dringendsten geschützt werden muss.
Herr Laufer, vielen Dank für das Gespräch.
Das Gespräch mit Herrn Laufer führte Friedrich Merz von physio.de
Zur Person:
André Laufer
André Laufer ist der Bundesvorsitzende sowie Landesvorsitzender Nordrhein-Westfalen des VDB-Physiotherapieverbandes e.V. Er vertritt die wirtschaftlichen sowie berufspolitischen Interessen selbstständiger Masseure und Physiotherapeuten.
Neben seiner Verbandstätigkeit betreibt er eine eigene Praxis für Physiotherapie sowie ein Bewegungszentrum in Marl-Polsum. Er besitzt einen Master-Abschluss (M.A.) in Prävention und Gesundheitsmanagement und verfügt über langjährige Erfahrung als Sportphysiotherapeut, Dozent sowie als Referent für rückengerechte Prävention bei der Aktion Gesunder Rücken e.V. (AGR).
GKV-SparpaketVDBKritikvdekInterview
Als ehemaliger Aktivist kann ich mir aber den Hinweis nicht verkneifen, dass einige Verbände sehr spät aufgewacht sind und andere immer noch im Koma liegen.
VPT und VDB haben mittlerweile erkannt, dass die Grundstrukturen immer noch die gleichen sind, gegen die wir uns 2018 gewendet haben.
Therapeuten am Limit war keine Bewegung, sondern ein Zustand, der seit 1996 besteht.
Es wird Zeit, dass das auch die verbliebenen Verbände mitbekommen und entsprechend handeln!
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Damals wurde von den Therapeuten folgendes kund getan, daß durch einsparen von Streichhölzern auch jeder private Haushalt saniert werden könnte ... hat damals auch nichts geändert ...
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Evemarie Kaiser schrieb:
Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ein ähnlicher Vergleich bei der Demo in Bonn öffentlich durch die Presse ging.
Damals wurde von den Therapeuten folgendes kund getan, daß durch einsparen von Streichhölzern auch jeder private Haushalt saniert werden könnte ... hat damals auch nichts geändert ...
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Jens Uhlhorn schrieb:
Danke für das Interview. Das war mal klare Kante!
Als ehemaliger Aktivist kann ich mir aber den Hinweis nicht verkneifen, dass einige Verbände sehr spät aufgewacht sind und andere immer noch im Koma liegen.
VPT und VDB haben mittlerweile erkannt, dass die Grundstrukturen immer noch die gleichen sind, gegen die wir uns 2018 gewendet haben.
Therapeuten am Limit war keine Bewegung, sondern ein Zustand, der seit 1996 besteht.
Es wird Zeit, dass das auch die verbliebenen Verbände mitbekommen und entsprechend handeln!
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Mit dem Rasenmäher eine Schneise durch die Versorgung zu ziehen und das dann "gerecht" zu nennen, ist das Gegenteil einer Konzeption.
Im Umkehrschluss bedeutet das, niemand hat einen Plan und man arbeitet mit Heftpflastern an einer Spritzblutung.
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Jens Uhlhorn schrieb:
Es fehlt eine echte Konzeption mit Schwerpunktsetzung.
Mit dem Rasenmäher eine Schneise durch die Versorgung zu ziehen und das dann "gerecht" zu nennen, ist das Gegenteil einer Konzeption.
Im Umkehrschluss bedeutet das, niemand hat einen Plan und man arbeitet mit Heftpflastern an einer Spritzblutung.
so eben kam die Meldung, dass der Eilantrag von Herrn Dahmen abgelehnt wurde: Link
Herzliche Grüße aus der Redaktion
Ihr Friedrich Merz
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Friedrich Merz schrieb:
Sehr geehrter @der Michi ,
so eben kam die Meldung, dass der Eilantrag von Herrn Dahmen abgelehnt wurde: Link
Herzliche Grüße aus der Redaktion
Ihr Friedrich Merz
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Inche schrieb:
Die Klagen sind abgewiesen es wird morgen abgestimmt
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Unsichtbar schrieb:
Ist doch gut. Endlich haben diese Pseudoverhandlungen, die eh alle bei der Schiedsstelle landeten, ein Ende. Puh, das ganze Getue der Verbände und dann noch zwei verlorene teure Prozesse hat richtig genervt.
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Jens Uhlhorn schrieb:
@Unsichtbar Beiträge, die frei von Kontext und noch freier von Sachkenntnis sind, nerven noch mehr.
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der Michi schrieb:
„Am billigsten wegzukürzen, deshalb am dringendsten zu schützen“ - genau so ist es. Heilmittel sind rund 4 Prozent der GKV-Ausgaben, tragen aber überproportional zur Konsolidierung bei – in einem Bereich mit rund 80 Prozent Lohnkosten, ohne die Tarifrefinanzierungsklausel, die Reha und häusliche Pflege im selben Paket bekommen haben. Was Laufer zur Verschleierung durch „alle müssen ran" sagt, wird morgen konkret: Der Bundestag stimmt über genau dieses Paket ab, und Janosch Dahmen hat gestern einen Eilantrag in Karlsruhe eingereicht, weil 64 Änderungsanträge am Sonntagabend für die Montagsberatung keine ernsthafte Prüfung zulassen. Wer sparen will, sollte wenigstens sagen, wo. Genau das fehlt.
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don schrieb:
Alles richtig, interessant ist auch, dass ich dieses Elefanten- Zitat bereits vor über 10 Jahren als Vorsitzender des Bund vereinter Therapeuten in einem Spiegelintervieuw angebracht habe.
Soso, hier wird also von "allen Akteuren" gesprochen. Habe ich den Beitrag, in Bezug auf das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes, den die Kassen und damit die Verwaltung (nichts anders sind die Kassen an dieser Stelle) hierbei leisten überlesen?
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logofox schrieb:
Ich zitiere: Der vdek-Vorsitzende Uwe Klemens fordert im Zuge des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes, dass „alle Akteure“ ihren Beitrag leisten müssen.
Soso, hier wird also von "allen Akteuren" gesprochen. Habe ich den Beitrag, in Bezug auf das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes, den die Kassen und damit die Verwaltung (nichts anders sind die Kassen an dieser Stelle) hierbei leisten überlesen?
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