„Absetzungen aus formalen Gründen dürften nicht zulässig sein“ 21

Therapeuten am Limit (TaL) veröffentlichen die Ergebnisse ihrer Umfrage zu Absetzungen/Retaxierungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

11.12.2019

Wiederkehrende Absetzungen seitens der GKV (z.B. IKK classic) sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Insbesondere der dadurch entstehende bürokratische Aufwand stellt für Therapie- und Arztpraxen ein großes Ärgernis dar. Die Therapeuten-am-Limit haben die Situation zum Anlass genommen, Heilmittelerbringer online zu Absetzungen aufgrund formaler Fehler auf der Heilmittelverordnung zu befragen.

Insgesamt haben 1.174 Personen aus allen Heilmittelberufen an der Umfrage teilgenommen. Mehr als die Hälfte davon waren Physiotherapeuten (660). Die Befragung basiert auf Selbstauskünften der Teilnehmer über die aktuelle Häufigkeit von fehlerhaften Verordnungen und Absetzungen aufgrund von fehlerhaft ausgestellten Rezepten in der eigenen Abrechnung. Außerdem wurden verschiedene Hypothesen aufgestellt, bei denen der Anteil der Zustimmung unter den Befragten erhoben wurde. Die TaL fassen in ihrer Auswertung außerdem die persönlichen Anmerkungen der Teilnehmer zu der Problematik zusammen.

Trotz den Gesetzgebungen der jüngsten Vergangenheit, in denen unter anderem die Vermeidung der Retaxationen sowie die Einführung neuer Arztsoftware verankert wurde (GKV-Versorgungsstärkungsgesetz), scheint die Absetzung von Heilmittelerstattungen durch die GKV bei den Teilnehmern weiterhin eine ernstzunehmendes Problem darzustellen. Dabei spielen neben finanziellen Aspekten auch die persönliche Belastung und die erschwerte interdisziplinäre Zusammenarbeit mit verordnenden Arztpraxen eine Rolle.

Die TaL schlussfolgern aus den Ergebnissen, dass die aktuelle Absetzungspraxis der GKV die flächendeckende Versorgung mit Heilmitteln zusätzlich gefährde. Sie fordern deshalb ein klares Verbot von Retaxierungen aufgrund formaler Fehler.

Die Umfrageergebnisse finden Sie hier.

Catrin Heinbokel / physio.de