Jeder fünfte Student dopt das Gehirn

7 Kommentare

Ritalin und Modafinil liegen im Trend. - Ein Kommentar unserer Autorin Ul.Ma.


25.04.2019

Eine Studie der Universität Mainz hat ergeben, dass rund 20 Prozent der Studierenden zu illegalen Mitteln greifen, um sich besser konzentrieren und pausenlos lernen zu können. Dazu haben die Wissenschaftler 2.569 Studierende einen Fragebogen ausfüllen lassen.

„Neuro-Enhancer“ nennt man die neuen Wunderwaffen für geistige Spitzenleistungen, die vor allem das „Bulimie-Lernen“ unterstützen. Dabei wird in kürzester Zeit eine enorme Menge Lernstoff ins Gehirn reingepackt, das sich aber nicht ins Langzeitgedächtnis absetzt, sondern nach der Prüfung gleich wieder vergessen wird.
Besonders gut eignet sich dafür wohl Modafinil, das normalerweise für Patienten mit einer seltenen Schlafkrankheit, der Narkolepsie, vorgesehen ist. Bei Gesunden hilft das Präparat, komplexe Denkaufgaben zu lösen. Allerdings hat es auch, wie zu erwarten, einige frappierende Nebenwirkungen; Aggressivität und Selbstmordgedanken sind nur zwei davon.

Ritalin wiederum hat nicht den Wachmachereffekt wie Modafinil, dafür aber auch Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden, Herzrasen, Depressionen und Halluzinationen. „Ähnlich wie ein Kokainmissbrauch“, warnt Dr. Musselmann, Allgemeinmediziner aus Wiesloch und Mitarbeiter der Website phytodoc.de.

Phytodoc.de richtet sich an Mediziner und Heilpraktiker und propagiert pflanzliche Substanzen statt chemische. Interessanterweise verweist die Seite auch bei „Neuro-Enhancer“ auf pflanzliche Wirkstoffe. Ob jetzt Doping aber auf chemische Grundlagen basiert oder von einem Koffeinüberschuss aus der Kaffeebohne herrührt, macht jetzt ehrlich gesagt nur den einen Unterschied: die Legalität. Für ein vordergründig medizinisch orientiertes Forum eher fragwürdig.

Und da so viele Menschen schon koffeinmäßig „abgebrüht“ seien, gibt die Website gleich mal den Hinweis auf Guarana, ein Amazonasgewächs, das bis zu fünfmal mehr Koffein als Kaffee enthält. In einem Wildkräuter-Smoothie (hoffentlich nicht mit Magic Mushrooms), das Mittel der Wahl zum Aufpeppen…kann aber Angstgefühle und Schlaflosigkeit nach sich führen. Darauf weist Musselmann wenigstens hin.

Weniger dramatisch in den Wirkungen, aber auch hilfreich, laut phytodoc.de, sind Taigawurzel und Rosenwurz. Ginseng fördert langfristig die Gedächtnisleistung, kann aber auch zu Übelkeit führen. Lange Rede, selbst ein Forum, das sich den Pflanzenmitteln verschrieben hat, kann in seinem Abschluss nicht drüber „hinwegspringen“: Das Beste ist ganz auf Präparate zu verzichten und Sport an der frischen Luft zu machen, am besten unterstützt durch ausreichend Schlaf und gesunde Ernährung. Totale Überraschung!

Und jetzt unser Tipp: Lernen nicht nur sitzend am Schreibtisch verbringen. Gedächtnisleistungen kann man auch im Stehen und Gehen vollbringen und in der Bewegung baut sich Adrenalin ab, was sich auf die Prüfungsvorbereitungen wiederum positiv auswirkt. Wer also gerade für das unglaublich dicht angelegte Physioexamen paukt, sollte schon allein aus beruflicher Ethik und Fachwissen auf Pharmakologie, ob aus der Retorte oder der Natur, verzichten, was geht in Bewegung bringen und gelernte Entspannungsgymnastik praktisch umsetzen!

Ul.Ma. / physio.de

  • (2)
    25.04.2019 06:40
    Froschen
    Froschen: 46 Beiträge, 65% Empfehlungen

    Aufgrund der Überschrift dachte ich, es ginge um den missbräuchlichen Konsum von Ritalin und Modafinil. Weit gefehlt. Der Artikel ist lediglich ein phytodoc-bashing. Was soll das denn??? Und ihr "Tipp" und die Belehrung im letzten Abschnitt sind ja wohl völlig daneben.

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    25.04.2019 20:15
    Adam Stremel
    Adam Stremel: 35 Beiträge, 59% Empfehlungen
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  • (2)
    25.04.2019 10:40
    Susulo
    Susulo: 3247 Beiträge, 97% Empfehlungen

    Naja, seit mein Sohn Medizin (!) studiert und mir erzählt, wie seine Kommilitonen das viele Lernen neben zusätzlich "Spaß haben wollen" auf die Reihe kriegen, wundert mich nix mehr. Alles was der Artikel oben beschreibt ist Alltag an der Uni. Und ja: medizinische Fakultät. Die stopfen sich dann ins Hirn, was alles schädlich für den Organismus ist und machen das gleich im Selbstversuch ....

    Aber was anderes wird ja auch von Kindesbeinen an nicht mehr gelernt: eigenverantwortlich mit herausfordernden Zeiten umgehen? Mama und Papa nicht da? Gibts da nicht wenigstens ne Pille? Viele Kinder werden von den Eltern so "hochgepusht", damit Töchterchen oder Sohnemann doch unbedingt studiert und bekommen schon ab Klasse 2 oder früher ihr Ritalin. "Wissen Sie, mein Kind ist so klug, aber er lässt sich nur zu schnell ablenken. Jetzt lernt er gut. Fußballspielen bringt uns ja nicht weiter". grimasse

    Sind aber nicht nur die Konsumenten "schuld". Wir haben uns zu einem System entwickelt, wo eigenständige Analyse, das selbst Erarbeiten von Problemlösungen als völlige Zeitverschwendung gesehen werden. "Wissen" bedeutet spätestens seit Bologna nur noch auswendig gelerntes runtersagen zu können - ob das verstanden oder verarbeitet wurde interessiert niemanden. Hauptsache, die Zensur stimmt. Das smartphone erledigt den Rest.
    Mir ist echt vieles unerträglich geworden und ich bin oft froh, dass ich schon so viele Jahre Leben auf der "Haben - Seite" verbuchen kann. Bin vielleicht zu alt für diese Welt ....

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  • (1)
    25.04.2019 11:02
    Rerum
    Rerum: 2 Beiträge, 100% Empfehlungen

    Berliner Flughafen ist überall.schrei

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  • (2)
    25.04.2019 21:37
    JRK
    JRK: 898 Beiträge, 47% Empfehlungen

    Als ich vor über 25 Jahren noch studiert und im Studentenwohnheim gewohnt habe, musste der Bierkasten am Donnerstag abend leer sein und die Joints der Woche bezahlt, da fast alle am Freitag nachmittag heim fuhren. Ob das bei Studenten je besser war?
    Was man aber deutlich besser machen kann ist die Art und Weise für natürliche Bewegung zu werben. Ob eine Physioforumsautorin wirklich Kompetenz in Sachen Pharmakologie erworben hat, darf man bezweifeln und ein öffentliches Anprangern in einem Internetforum hat etwas von Bildzeitung. Es würde vielmehr Sinn machen, den letzten Abschnitt des Beitrags mit Studien zu hinterlegen und die Aussagen von z.B. physiodoc gar nicht zu erwähnen, da die Kompetenz zur Beurteilung fehlt.

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  • 26.04.2019 08:49
    vdv
    vdv: 878 Beiträge, 59% Empfehlungen

    ich ziehe immer noch gerne mal nen Tütchen durch, ist selten geworden, aber was ist dagegen einzuwenden?
    Die Pilze habe ich probiert, aber hallo ... da lerne ich mal gar nix mehr nach!
    Koks macht mich rappelig, das war auf nem Rave OK, heute nicht mehr ...

    Ich kenne ein paar Ritalinstudis ... es sind allerdings die Eltern, die das propagieren, und eigentlich sind deren Kinder zu blöd zum studieren, aber sie MÜSSEN!
    Haben ja schon in der Grundschule mit Rechtsanwalt die Gymnasiumempfehlung durchgeboxt, dann die Noten gerichtlich verhandeln lassen, dann mauss auch studiert werden ...

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  • (1)
    26.04.2019 13:29
    Philipp Morlock
    Philipp Morlock: 411 Beiträge, 42% Empfehlungen

    Diese Substanzen haben Nebenwirkungen und Folgeschäden. Man setzt eben Prioritäten, und wird die Konsequenzen tragen. Allerdings tragen solche Konsequenzen alle die beeinflusst werden. Deshalb sind auch viele Wirkstoffe verboten. THC zum Beispiel blockiert Mitochondrien. Wer THC für harmlos hält ist unqualifiziert.

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