Der Leistenschmerz im Fußballsport

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Bewährte Therapieoptionen wie Dry Needling, Stoßwelle und spezifisches Trainingsprogramm


07.05.2019

Adduktorenverletzungen mit einhergehenden Leistenschmerzen sind im Profifußball ein häufig vorkommendes Ereignis. Sehr oft steht dabei die Karriere auf dem Spiel. Die Gründe hierfür scheinen neben der Überlastung durch typische Flexions-, Adduktions- und Außenrotationsbewegungen in der Hüfte, auf einem komplexen Geschehen zu beruhen. Der Mannschaftsarzt Dr. Ralf Doyscher und der leitende Physiotherapeut Hendrik Schreiber von Borussia Mönchengladbach haben dazu die Fachliteratur studiert und ihre Erkenntnisse in der Sportärztezeitung veröffentlicht.

Schmerzen in der Leiste lassen sich in vier Kategorien einteilen, die auch kombiniert auftreten können:
• Probleme der weichen Leiste (Sport’s mens Hernia)
• Probleme des Hüftgelenks (z.B. FIA)
• LWS/ISG Beschwerden (z.B. BSV)
• Funktionelle muskuläre und neurokoordinative Defizite (u.a. adduktorenassoziierte Leistenschmerzen)

Speziell letzteres ist meist multifaktoriell. Hier liegt oft ein Defizit der aktiven Beckenstabilisatoren mit biomechanisch bedingten Insertionstendinosen der Adduktoren vor. Besondere Bedeutung kommt dabei dem M. pectineus zu, weil er die größte Ansatzfläche am Schambeinast innehat und speziell bei Fußballern häufig als schmerzhaft und hyperton zu tasten ist.

Als ein schnellwirksames Verfahren hat sich in den letzten Jahren das Dry Needling herauskristallisiert. Dabei werden Akupunkturnadeln an lokale Triggerpunkte gesetzt und damit Muskeltonus und Schmerz gesenkt. Des Weiteren gilt der Einsatz der Stoßwelle (ESWT) als effektiv und eignet sich auch für Therapeuten, die keine invasiven Maßnahmen anwenden dürfen. Die Kombination aus Dry Needling und ESWT steigert den Erfolg immens. Beim ESWT behandelt man die Adduktoren in ihrem gesamten Verlauf im Abstand von drei bis vier Tagen mit mittlerer Intensität. Nach wenigen Behandlungen der beiden Methoden lässt sich die Reizung des Periosts schnell vermindern und man kann frühzeitig mit einem gezielten Stabilisationstraining beginnen.

Im Sichten der Literatur hat sich gezeigt, dass durch rein passive Maßnahmen sich die Ursachen nicht beheben lassen. Es bedarf einer physiotherapeutischen Statuserhebung, die die Dysbalancen, Fehlstellungen und gestörte Bewegungsmuster beleuchtet. Bei Fußballern, die immer wieder mit Leistenschmerzen zu tun haben, beobachtet man häufig auch eine mangelnde Ansteuerung der unteren Bauchmuskulatur in strecknaher Stellung und eine relative Schwäche der beckenstabilisierenden Muskulatur sowie eine Rotationsdysbalance im Thorako-Lumbalen-Übergang. Deshalb sind bei den Therapieübungen genau diese Funktionen zu trainieren.

Bewährt hat sich bei der funktionellen Therapie und Prävention ein exzentrisches Bauchmuskeltraining, bei dem auch die schräge Bauchmuskulatur einbezogen wird. Eine Möglichkeit dies zu erreichen ist das Absenken lassen des Rücken über ein Polster bzw. dann das konzentrische Wiederaufrichten zur Seite. Gerade im Fußball hat es sich als kontraproduktiv herausgestellt, die Bauchmuskulatur in Flexionsstellung zu beüben. Hier ist eher der volle Bewegungsumfang gefordert. Außerdem sind klassische Becken-Stabilisationsübungen im Stehen und das dynamische Training der Rotationsstabilität im BWS-LWS-Bereich sinnvoll.

Zusammenfassend stellen die Autoren fest, dass die Ursachen von Leistenschmerz im Fußball vielfältig sein können und die Therapie oft langwierig ist. Entscheidend für den Erfolg einer Behandlung ist die strukturelle und funktionelle Diagnostik. Als effektive Therapie hat sich die Kombination aus Dry Needling, Stoßwelle und aktivem Trainingsprogramm herauskristallisiert.

Ul.Ma. / physio.de

  • 07.05.2019 22:15
    postri-77
    postri-77: 54 Beiträge, 100% Empfehlungen

    Servus,
    darf man ohne HP bzw. HP Sekt. Dry Needling machen ?

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    11.05.2019 20:16
    Martins83
    Martins83: 1 Beiträge, 0% Empfehlungen
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