Heilmittel-Wirtschaftsbericht (HWB) 2019

9 Kommentare

Ein Gastbeitrag von Michael Schiewack, Herausgeber | ergopraxis


21.03.2019

Die Messe therapie Leipzig, auch vor dem Hintergrund der Demonstration durch die Vereinten Therapeuten in der Innenstadt und dem Gesetzgebungsverfahren zum TSVG, bot einen geeigneten Rahmen, um den „Heilmittel-Wirtschafsbericht 2019“ vorzustellen.

Ralph Buchner und Dr. Roy Kühne (MdB CDU, Gesundheitsausschuss) präsentierten die relevanten Zahlen zur Heilmittelbranche. Diese hielten so manches an Überraschungen bereit:

Die Heilmittelbranche bildet den viertgrößten Arbeitgeberbereich im Gesundheitswesen. Eine wichtige Kennzahl, die neben der Bedeutung für die Gesundheit der Bevölkerung auch die mögliche wirtschaftliche Schlagkraft beschreibt. Daher plädieren beide eindeutig dafür, sich in der Öffentlichkeit und im Kontakt mit der Politik selbstbewusster zu präsentieren.

Obwohl bisher die gesetzlichen Krankenkassen den geforderten Vergütungssteigerungen mit dem Hinweise auf ein hohes Wachstum an neuzugelassenen Praxen in ihrer Argumentation begegneten, zeigen die Zahlen im HWB, dass die Zulassungen seit 2014 insgesamt rückläufig sind.
Allerdings, und das stimmt durchaus nachdenklich, gibt es bei den konkreten Zahlen Unterschiede. Die Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) weisen untereinander und im Vergleich zu der Berufsgenossenschaft (BGW) verschiedene Zahlen und Werte aus.

Besonders dramatisch konnte der HWB den Rückgang der Behandlungen nachweisen. Verglichen wurden die ersten drei Quartale 2017 mit denen des Jahres 2018. Bis auf Sachsen, Thüringen und Sachsen Anhalt zeigen alle anderen Bundesländer einen deutlich negativen Trend. Spitzenreiter ist hier Schleswig Holstein mit -10,6 %. Die Rückgänge weisen regional sehr unterschiedliche Ausprägungen auf. Wie diese einzuordnen sind, ist unklar, da zu wenige Informationen, wie z.B. Versorgungsquoten von Heilmitteln in Bezug auf bestimmte Erkrankungen, öffentlich bekannt sind.

Die Gehaltzuwächse, welche durch die GKV bisher immer in Frage gestellt wurden, wurden im HWB ebenso beleuchtet. Hierbei wurden die Daten des Vorjahres mit denen Anfang dieses Jahres verglichen - also noch vor dem Wirksamwerden der letzten Vergütungssteigerungen durch das HHVG oder den zukünftigen bundeseinheitlichen Preisen. Die Zuwächse der Physiotherapie sind für den betrachteten Zeitraum mit 0,36% das Schlusslicht der Branche, wohingegen der Spitzeneiter Podologie 4,8% vorzuweisen hat, gefolgt von der Ergotherapie mit 3,95%. Gründe könnten bei den Physiotherapeuten durchaus ein Investitionsstau bei Neuanschaffungen der letzten Jahre sein, der jetzt mit den neuen zusätzlichen Mitteln erst einmal aufgefangen werden muss.

Der Heilmittel-Wirtschaftsbericht zeigt vor allem eines: Die Branche bewegt sich, aber (noch) nicht in die Richtung, welche notwendig wäre, um zukunftssicher zu planen.

Michael Schiewack
B.A. Health Care Education/Gesundheitspädagogik
Ergotherapeut

Herausgeber ergopraxis Thieme Verlag

  • (19)
    21.03.2019 09:43
    tom1350
    tom1350: 4171 Beiträge, 32% Empfehlungen

    Wer sich ohne irgendwelche Propaganda Absichten neutral die Zahlen der HIS Berichte und den Heilmittelbericht der AOK anguckt wird zu einem anderen Ergebnis kommen. Dieses Ergebnis wird den langen Wartezeiten und gestiegenen Umsätzen in der Praxis gerecht sein.

    Sollten TaL und Buchner nicht mal langsam anfangen ihre Energie in eine konstruktive Gestaltung zu investieren? Oder ist das Jammertal durch Statistikverbiegen zum Geschäftsmodell geworden? Alles nur eine Stimmungsmache als Vorbereitung für den großen Kammerangriff?

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    (15)
    21.03.2019 11:33
    Michael Schiewack
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    (17)
    21.03.2019 12:37
    tom1350
    tom1350: 4171 Beiträge, 32% Empfehlungen
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    (4)
    22.03.2019 09:16
    STREECK
    STREECK: 14 Beiträge, 100% Empfehlungen
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    (10)
    22.03.2019 09:47
    tom1350
    tom1350: 4171 Beiträge, 32% Empfehlungen
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  • (9)
    22.03.2019 09:40
    marek481
    marek481: 24 Beiträge, 60% Empfehlungen

    Danke für die Zusammenfassung. Die Zahlen zeigen auf, dass noch viel zu tun ist! Ich würde mir wünschen, dass diese Zahlen von berufspolitischen aktiven Therapeuten viel öfter in den Diskussionen als Argumentationsgrundlage verwendet werden würden.

    VG
    Marek

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  • (2)
    23.03.2019 08:13
    rocklady2
    rocklady2: 1 Beiträge, 100% Empfehlungen

    Danke für den so wichtigen Beitrag!

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  • (6)
    23.03.2019 09:35
    OG-Berlin
    OG-Berlin: 4 Beiträge, 100% Empfehlungen

    Ich finde es immer wieder nervig, wenn kritisiert wird ohne wirklichkeitsnahe Vorschläge zu unterbreiten. Damit meine ich eher den Beitrag von tom1350, als den Artikel als solchen. Betreibe eine kleine Physiotherapie in Berlin mit vier Vollzeit-Mitarbeitern und habe in den letzten Jahren jedes Plus an Vergütungserhöhung an meine Mitarbeiter weitergegeben. Ich finde es beschämend, wenn ich lesen muss, dass in der Heilmittelbranche die Gehaltsentwicklung so der prozentualen Vergütungserhöhung hinterher hinken soll. Mir fehlt allein der Glaube daran, denn niedrige Löhne treiben doch angestellte Therapeuten dazu sich woanders nach besseren Bedingungen umzuschauen. Welch vernünftig handelnde Praxisbetreiber kann so wirtschaftlich kurzsichtig sein? Zurückgehende Verordnung kann ich zumindest nicht bestätigen.

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    (4)
    23.03.2019 11:51
    Michael Schiewack
    Michael Schiewack: 15 Beiträge, 100% Empfehlungen
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