Teil- und Totalendoprothese im Vergleich

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Metaanalyse als Entscheidungshilfe bei Knie-TEP


06.05.2019

Um die richtige Wahl treffen zu können, welche endoprothetische Versorgung die jeweils richtige ist, haben britische Ärzte um Dr. Hannah A. Wilson vom BOTNAR Research Centre in Oxford 60 Studien ausgewertet. In der Metaanalyse ging es um den Vergleich der Knieteilprothese mit der Vollprothese.
Von den Studien waren sieben randomisiert-kontrolliert, bei weiteren 17 handelte es sich um Registerstudien und 36 der Publikationen waren Kohortenstudien. Die meisten Untersuchungen befassten sich mit einer Knieprothesenrevision, früh auftretende Komplikationen und die Aufenthaltsdauer in der Klinik. Bei elf Studien war ein Endpunkt die Mortalität.

Wie die Wissenschaftler schon zu Beginn der Untersuchung erwartet hatten, war der Klinikaufenthalt bei einer Knieteilprothese signifikant kürzer im Vergleich zur Totalprothese. Auf Basis des Patient-reported Outcome (PRO), einem Patientenfragebogen, gab es hinsichtlich des Schmerzempfindens allerdings keinen bedeutenden Unterschied. Die Funktionalität wiederum erbrachte beim Teilersatz deutlich bessere Ergebnisse.

Beim Beleuchten der randomisierten Studien konnten die Forscher bezüglich schwerer Nebenwirkungen keine relevanten Unterschiede feststellen. Ganz anders bei den Register- und Datenbankstudien. Hier war das Sterberisiko nach einer Knietotalendoprothese signifikant höher, genau wie die Thrombosegefahr oder kardiale Ereignisse wie Herzinfarkt. In allen Gruppen war die Revisionsrate, also der erneute Austausch des Gelenkes, beim Teilersatz höher als in der Vergleichsgruppe gewesen.

Einige Aspekte, die laut den Ärzten für die Entscheidung des Patienten wichtig wären, fehlten in den analysierten Studien. Hier ruhen die Hoffnungen auf der noch laufenden britischen Multicenterstudie TOPKAT (Total or Partial Knee Arthroplasty Trial). Sie untersucht auch, wie lange der Patient braucht, um wieder arbeitsfähig zu sein oder ab wann er wieder knien kann.

Kritisch an ihrer Auswertung sehen die Ärzte, dass wenig randomisierte Studien zur Verfügung standen und nur bei 156 Patienten Befunde über einen längeren Zeitraum als ein Jahr vorhanden waren. Auch die Gruppenauswahl der verschiedenen Untersuchungen war sehr heterogen.

Für die Beratung der Patienten auch in der Therapie kann aber als Entscheidungshilfe zusammengefasst werden: Der Teilersatz birgt im Verglich zur Vollprothese weniger Komplikationen, hat eine geringere Sterberate, zieht eine schnellere Rehabilitation nach sich und sorgt für ein besseres funktionales Ergebnis. Die Totalendoprothese wiederum hält länger.

Ul.Ma. / physio.de