Altersvorsorge, Molli und andere Widrigkeiten einer Praxisinhaberin

36 Kommentare

Telefoninterview mit Sarah Strahl – Logopädin aus dem Ostseebad Kühlungsborn


06.03.2019

Eine der Brandbriefschreiberinnen an Heiko Schneider letzten Sommer war die Logopädin Sarah Strahl. Später wurde ihr bemerkenswert persönlicher Brandbrief noch einmal explizit im Internet veröffentlicht und erreichte ein großes mediales Echo: Hunderte kommentierten und Tausende teilten den Beitrag. physio.de sprach mit ihr über das Echo auf den Brief, ihr sonstiges berufspolitisches Engagement und ihre Zukunftswünsche.

physio.de: Frau Strahl, wie kam es zu der Idee, einen Brandbrief an Heiko Schneider zu schreiben?
Sarah Strahl: Mit dem Gedanken, einen aufrüttelnden Brief an das Bundesgesundheitsministerium zu schreiben, trug ich mich schon lange. Viele Gespräche am heimischen Küchentisch mit meinem Freund drehten sich darum. Letztendlich siegte aber immer das Argument ‚Den liest dort ja eh keiner’.
Als ich dann von Heikos Aktion erfuhr, keimte Hoffnung: ‚Einen Brief ignorieren sie im Ministerium wahrscheinlich, aber wenn da tausenden eintreffen…. Was dann?’ Ich wollte, dass Heikos Aktion ein Erfolg wird.

Dem interessierten Beobachter fiel auf, dass Sie es damit nicht bewenden ließen. Wo und wie sind Sie noch aktiv geworden?
Ende Juli 2018 drehte auf Initiative meines Freundes hin (dem ich hier ausdrücklich noch einmal für all seine Unterstützung danken möchte) der Norddeutsche Rundfunk eine Fernsehreportage über die desolate Situation der Heilmittelerbringer. Dort war ich eine der Protagonistinnen.

Ende August 2018 kam es zusammen mit Rene Portwich vom VDB-Physiotherapieverband bei einer großen CDU-Veranstaltung zu einem öffentlichen Treffen mit Jens Spahn. Vor den Augen und Ohren all der Politiker und Krankenkassenvertreter ging ein Raunen durch den Saal als wir über Schulgeld und fehlerhaft ausgestellte Rezepte sprachen. Hier konnten wir dem Minister sodann symbolisch auch ein Päckchen Kreide übergeben – die Kreideaktion letzten Sommer habe ich für den Raum Rostock auch organisiert.

Im November haben Sie Ihren Brandbrief dann im Internet veröffentlicht. Weshalb?
Wir Therapeuten erfuhren auf Grund unserer Aktionen zwar einiges an Aufmerksamkeit. Gelöst aber war keines unserer Probleme. Mitnichten! Es ging mir darum, unsere Probleme im öffentlichen Bewusstsein zu halten.

Welches sind denn Ihre Probleme?
Wir können einfach unsere Patienten nicht mehr versorgen. Es gibt einfach zu viele Patienten für zu wenige Therapeuten. Angestellte findet man nicht. Was einen auch nicht verwundert, da es bei den momentanen Vergütungssätzen nicht möglich ist, ein faires Gehalt zu bezahlen. Ganz zu schweigen von den Hausbesuchen. Ich glaube, wir bekommen sowas wie sechs Euro irgendwas als Hausbesuchspauschale. Das rechnet sich nur, wenn der Patient gegenüber wohnt. Wir leben hier aber auf dem Land. Da wohnt der Patient schon mal 20 oder 25 Kilometer weit entfernt. Und da rede ich nicht von Autobahnkilometern, sondern von Landstraßen auf denen einem dann noch der Molli (Bimmelbahn, Anm. der Redaktion) vor der Nase rumfährt.

Sie könne es drehen und wenden wie Sie wollen. Am Ende geht’s immer darum, dass zu wenig Geld im Heilmittelsystem ist.

Wie waren denn die Reaktionen auf Ihren öffentlichen Brandbrief?
Ich hatte den Brief nachts um 23.00 Uhr ins Netz gestellt. Bereits am nächsten Tag brach mein Handy auf Grund der vielen Reaktionen zusammen. Und ich war auch kurz davor. Ich bin ja auch noch selbstständig und kam kaum hinterher. Diverse Magazine schickten mir Interviewanfragen und verschiedenste politische Parteien warben plötzlich um mich.

Wie zufrieden sind Sie denn nun mit der erzielten Öffentlichkeit?
Nun ja, sagen wir mal so. Mit den Reaktionen der Patienten bin ich sehr zufrieden. Viele fragen mich, wie sie mich unterstützen können. Ich sage dann allen abgewiesenen Patienten, sie sollen sich bitte bei ihrer Krankenkasse erkundigen, welche Praxis innerhalb der vorgeschriebenen 14 Tage ihnen einen Termin anbieten könne. Und ehrlich gesagt, würde ich mir wünschen, dass dies noch viel mehr unserer Kollegen so handhaben.

Haben Sie noch weitere Wünsche an Ihre Kollegen?
Ja, genau zwei.
Erstens engagiert Euch aktiv in einem Verband. Nehmt den Verband nicht einfach ausschließlich als Dienstleister in Anspruch. Und wenn Euch Euer Verband nicht gefällt, sucht Euch einen, der Euch entspricht. Ich für meinen Teil bin sehr froh, meine „verbandliche Heimat“ bei LOGO-Deutschland gefunden zu haben.
Zweitens: Es ist noch nichts erreicht. Kommt also alle zur großen Therapeuten-Demo am kommenden Samstag nach Leipzig. Und wer nicht kommen kann, sagt es zumindest weiter, sodass alle von der Demo erfahren. Das ist das Mindeste, was jeder Einzelne machen kann.

Und welche Wünsche haben Sie an die Verantwortlichen aus Politik, Krankenkassen und Verbände?
Ich wünsche mir einen Minutenpreis von 1,50 Euro. Einfach damit ich den Angestellten einen fairen Lohn zahlen kann und sie nicht abwandern müssen in andere Berufe. Außerdem werde ich bald 30 und wünschte mir, mir auch einmal eine Altersvorsorge aufbauen zu können. Dies war nämlich bisher noch gar nicht drin. Und zu guter Letzt könnte man dann auch wieder neue Hausbesuche annehmen, egal, ob Molly vor einem fährt oder nicht.

Frau Strahl, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Das Gespräch mit Frau Strahl führte Friedrich Merz von physio.de.

  • (3)
    06.03.2019 07:21
    tom1350
    tom1350: 4179 Beiträge, 32% Empfehlungen

    Wie ist das eigentlich, wenn man in der Logopädie von 1,50€ pro Minute spricht? Pro Stunde mit 45 Minuten Therapie und 15 Minuten Dokumentation?

    In der Physiotherapie heißt das drei Patienten die Stunde zack zack.

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    07.03.2019 15:47
    Susulo
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  • (2)
    06.03.2019 07:48
    Philipp Morlock
    Philipp Morlock: 411 Beiträge, 42% Empfehlungen

    90€ /h hört sich vernünftig an.
    Den Krankenkassen die Terminplanung aufzudrücken auch.
    Ich denke man sollte jedem Patienten der mit verfallenen Rezept kommt sagen er solle die KK nach Terminen Fragen.

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  • (3)
    06.03.2019 08:50
    RoFo
    RoFo: 4163 Beiträge, 92% Empfehlungen

    Sehr interessant zu beobachten, wie diese Plattform nun auch den Anschein einer "berufspolitischen" Aktivität bekommt.
    Vor ein pasr Jahren sah das noch ganz anders aus.
    Die Bekanntgabe von Aktivitäten regionaler Therapeuten wurden gelöscht.
    Ein sehr fundierter Brandbrief an GKV durfte auch nicht stehen bleiben.
    Und News über Beiträge im Fernsehen wurden hier leider nicht veröffentlicht.

    Woher dieser Wandel??

    Immerhin jetzt, das ist zwar recht spät aber zumindest sehr erfreulich.

    Ja, das mit der AV übersehen leider sehr viele. Sogar die Betroffenen.

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    (5)
    06.03.2019 09:06
    Medico
    Medico: 3191 Beiträge, 93% Empfehlungen
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    06.03.2019 09:10
    ella426
    ella426: 280 Beiträge, 50% Empfehlungen
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    06.03.2019 09:24
    tom1350
    tom1350: 4179 Beiträge, 32% Empfehlungen
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  • 06.03.2019 09:04
    kroetzi
    kroetzi: 623 Beiträge, 93% Empfehlungen

    Das mit der Hausbesuchspauschale kommt mir wenig vor. Sind das wirklich nur 6€ irgendwas. In den Vergütungslisten finde ich da andere Angaben. Ungefähr das doppelte. Ist zwar auch nicht die Welt aber was ist denn nun korrekt.

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    (1)
    06.03.2019 09:16
    tom1350
    tom1350: 4179 Beiträge, 32% Empfehlungen
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    06.03.2019 10:26
    Sarah Strahl
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    06.03.2019 10:28
    Sarah Strahl
    Sarah Strahl: 3 Beiträge, 100% Empfehlungen
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    06.03.2019 10:46
    tom1350
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    06.03.2019 11:12
    Sarah Strahl
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    06.03.2019 11:19
    Susulo
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  • (9)
    06.03.2019 11:33
    JRK
    JRK: 898 Beiträge, 47% Empfehlungen

    Ich würde mir bei solchen Interviews doch auch mal ein kritisches Nachfragen wünschen, bzw. einen vorbereiteten Menschen, der das Interwiew führt. Wenn hier eine selbständige PI die HB Pauschale mit 6 Euro benennt und kritisiert, dass Sie mit 30 noch keine vernünftige AV hat, dann sollte man mal nachhaken, warum das wahrscheinlich trotz Angestellten nicht so ist und wer Sie gezwungen hat aus der gesetzl. RV aktiv auszutreten. Vielleicht liegt es ja auch ein bißchen an ihr, dass Sie die Löhne und die AV nicht richtig kalkuliert?
    Ich kann auch nicht ganz verstehen, warum wir uns über die nicht versorgten Patienten den Kopf zerbrechen sollen. Das ist doch Sache der Patienten, der KK und der Politik. Wahrscheinlich macht sich kein Dachdecker nachts Sorgen über die vielen kaputten Dächer in Deutschland, weil die Besitzer kein Geld für ein Neues haben. Irgendwann ist mal gut mit Gutmensch.
    Auch andere Berufsgruppen wünschen sich 90 Euro die Stunde. Berufsgruppen, die viel investieren müssen und viel Verwaltung haben. Wir sollten mal die Kirche im Dorf lassen.

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    06.03.2019 13:27
    Froschen
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    06.03.2019 13:42
    Susulo
    Susulo: 3247 Beiträge, 97% Empfehlungen
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    06.03.2019 23:21
    JRK
    JRK: 898 Beiträge, 47% Empfehlungen
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    07.03.2019 07:33
    dibarbara
    dibarbara: 1022 Beiträge, 94% Empfehlungen
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    07.03.2019 12:54
    Susulo
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    07.03.2019 12:59
    hermi
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    08.03.2019 09:05
    JRK
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    08.03.2019 10:06
    hermi
    hermi: 1529 Beiträge, 85% Empfehlungen
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    15.03.2019 14:29
    MikeL
    MikeL: 4842 Beiträge, 89% Empfehlungen
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  • (3)
    06.03.2019 11:38
    kroetzi
    kroetzi: 623 Beiträge, 93% Empfehlungen

    Es wäre allen geholfen wenn die KK die Kosten für die Anfahrt der Patienten in die Praxis übernehmen würden. Hausbesuche sind doch, wenn man ehrlich ist schon so eine krumme Sache. Oft ist es auch einfach nur Bequemlichkeit. So nach dem Motto: "Du ich hab gehört die kommen auch ins Haus..."Und im häusluchen Umfeld sind die Bedingungen oft auch ungünstig. Ist doch auch im Sinne der Teihabe am sozialen Leben vorteilhafter man findet eine Lösung um zum Therapeuten zu kommen.Das fördert doch auch die Selbständigkeit und man kann/ muss das Gelernte der Therapei dann auch im täglichen Leben gleich umsetzen. Dies gilt natürlich ausdrücklich nicht für schwerst eingeschränkte Personen. Ich als Physio mochte nie wirklich Hausbesuche.

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    (1)
    06.03.2019 12:50
    hermi
    hermi: 1529 Beiträge, 85% Empfehlungen
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    (3)
    06.03.2019 14:27
    Susulo
    Susulo: 3247 Beiträge, 97% Empfehlungen
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    07.03.2019 17:41
    kvet
    kvet: 1558 Beiträge, 38% Empfehlungen
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    (1)
    07.03.2019 17:56
    hermi
    hermi: 1529 Beiträge, 85% Empfehlungen
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  • (3)
    07.03.2019 20:19
    mbone
    mbone: 2267 Beiträge, 88% Empfehlungen

    Ich habe zur Zeit 12 HB Patienten
    Keiner könnte selbst in die Praxis kommen bzw. der Aufwand wäre für die Angehörigen enorm, so dass eine dauerhafte Therapie nicht möglich wäre.
    Ich mache mit den HBs sicher kein Plus. Da ich die Strecken einigermassen sinnvoll geplant habe ist es aber auch keine wirtschaftliche Vollkatastrophe. Die vorgeschriebenen Mindestbehandlungszeiten werden genau eingehalten.
    Abgesehen davon sehe ich es inzwischen auch als Abwechslung und Bereicherung meines Alltags.
    Ich bin mehr an der frischen Luft, bewege mich vielfältig und muß mich immer wieder auf neue Situationen einstellen.
    Das hält einen fit und beweglich!zunge

    Was mir hier bei diesem Thema wieder mal auffällt ist die mangelnde Wertschätzung vieler Therapeuten gegenüber ihren Patienten. Natürlich kenne auch ich die fordernden, bequemen Patienten......aber das ist zumindest bei mir nur ein kleiner Bruchteil!
    Ganz ehrlich: Müßte ich genauso viel Zeit mit Physio"kollegen" wie mit meinen Patienten verbringen hätte ich den Beruf schon gewechselt!

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  • (3)
    07.03.2019 21:04
    Susulo
    Susulo: 3247 Beiträge, 97% Empfehlungen

    Hallo mbone, was du mit der Wertschätzung schreibst, verstehe ich schon. Ich denke, es ist aber hier eher dem Frust geschuldet und sieht im "wirklichen" Leben anders aus. Ich kann auch nachvollziehen, was du über HB und Wirtschaftlichkeit schreibst. Ich denke, wir handhaben es alle so, dass wir nicht gerade Minus machen - wenn schon kein Plus. Weil ich frustriert bin, dass Leute, die auf einem einsamen Hof im Wald 20 km von jeder Praxis weg, keine Möglichkeit zur Versorgung haben, deshalb wird hier ja entsprechend gepostet.
    Für mich ist das Problem z.B. Folgendes: da hab ich ne nette Runde mit 4 HB (sind in der Logo ca 4-5 Std, je nach Strecke) - kann also schon mal mit MENGE nicht so viel reinholen. Jetzt stirbt mir einer weg und der andere geht für 6 Wochen auf Reha. Da lass ich ja die andern beiden nicht einfach im Regen stehen, obwohl der zweite Patient vielleicht plötzlich 30 km entfernt vom ersten ist. Diese Konstellation hab ich im Moment aus genannten Gründen. Und ja - ich bin da zu sehr "Gutmensch" als dass ich mich von Pat Nr. 2 verabschiede ... weil ich weiß, dass es zu mir keine Alternative gibt und weil ich die Familiensituation halt inzwischen kenne und ich mir vorstelle, wie es mir ginge an seiner Stelle .... Und da finde ich den Dachdeckervergleich ziemlich daneben.
    Es fehlt die Wertschätzung gegenüber den Therapeuten (ich meine nicht vom Pat, sondern von der Gesellschaft) und deshalb geht sie uns dann manchmal auch verloren. DAs ist absolut keine Entschuldigung, nur eine Erklärung.

    Ansonsten: Abwechslung und Bewegung, ja das verstehe ich auch gut. Horizont erweitern, viel sehen, viel reflektieren. Viel Einblick in die Situation in unserem Land. Alles eine Bereicherung der nicht materiellen Art - und eine weitere Motivation, politisch aktiv zu bleiben-

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