Debatte um IGeL

5 Kommentare

Eine Umfrage der AOK zu den individuellen Gesundheitsleistungen liefert aktuelle Zahlen.


08.04.2019

Sogenannte individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) wurden im letzten Jahr laut einer Umfrage des wissenschaftlichen Instituts der AOK jedem vierten Versicherten angeboten. In einem Großteil der Fälle geht das Angebot vom behandelnden Mediziner aus. Drei Viertel der Patienten, denen eine Leistung angeboten wurde, nahmen diese auch in Anspruch. Feststellen konnte die Studie zudem, dass bei der Beratung zu Privatleistungen offenbar weniger medizinische Faktoren entscheidend sind als das Einkommen und der Bildungsstand.

Die zahlreichen ärztlichen Methoden, welche nicht zu den Leistungen der gesetzlichen Versicherung gehören, reichen von Reiseimpfungen, Glaukom-Früherkennungen, Blutuntersuchungen, Akupunktur, Knochendichtemessung, EKG, Krebsfrüherkennung und Heilmitteln bis zu erweiterten Schwangerschaftsuntersuchungen. Laut Hochrechnungen belaufen sich die Kosten in Deutschland auf rund eine Milliarde Euro im Jahr. Zudem gibt die AOK bekannt, dass Ärzte bei etwa der Hälfte der befragten Patienten nicht nach rechtlichen Vorgaben gehandelt haben. Eine schriftliche Leistungsvereinbarung sowie eine Rechnung sind juristisch zwingend notwendig. Besonders häufig kommen IGe-Leistungen bei Fachärzten zum Einsatz. Unter anderem Frauenärzten (28% aller privaten Leistungen), Augenärzte (22%), Orthopäden (13%), Hautärzte (6%), Urologen (3%), Praktische Ärzte und Allgemeinmediziner (19%) berechneten Patienten IGeL.

Die Privatleistungen sind bei den Krankenkassen umstritten. Kritisch betrachten sollten Versicherte den Grund, warum die Krankenkassen eine Leistung nicht bezahlt: Weil es keinen ausreichenden wissenschaftlichen Hinweis auf einen Nutzen gibt. Ein Beispiel hierfür ist die häufig durchgeführte Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung.

Andere Stimmen stellen klar, dass gesetzliche Krankenkassen hier mit zweierlei Maß messen, denn wissenschaftlich nicht fundierte Therapien wie beispielsweise Homöopathie werden aufgrund der hohen Nachfrage von einigen Versicherungen übernommen. Während manche Krankenkassen Leistungen wie Hautkrebsvorsorge, spezielle Impfungen oder den PSA-Wert zur Prostatavorsorge bezahlen, lehnen andere Krankenkassen die Leistungsvergütung ab und machen sie damit zu IGe-Leistungen.

Daniela Pfleger / physio.de

  • 08.04.2019 08:02
    Norbert Meyer
    Norbert Meyer: 875 Beiträge, 74% Empfehlungen

    Im Heilmittelbereich weichen Pat. notgedrungen auf den Selbstzahlerbereich aus, wegen der ärztlichen Verordnungs- Verweigerungshaltung, und das seit Mitte der 90 Jahre. Es ist schon eine Ironie der GKV danach zu hinterfragen!

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  • 08.04.2019 18:46
    pe117
    pe117: 73 Beiträge, 100% Empfehlungen

    So sehe ich das auch ..wenn schon die Krankenkassen Leistungen nicht übernehmen bzw Ärzte sich weigern Verordnungen ausserhalb des Regelfalles zu erstellen können ja Pat nur noch notgedrungen auf IGeL bzw Selbstzahler Leistungen ausweichen....auch ein TAPE wird ja nicht von Krankenkasse übernommen.....

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  • 09.04.2019 07:29
    Vara
    Vara: 10 Beiträge, 93% Empfehlungen

    Auch eine Brille wird seit Jahrzehnten eher als Luxusgut und IGeL gesehen, hat darüber schon mal jemand nachgedacht? Die Zuschüsse hier sind enorm niedrig. Es gibt Menschen, die sind ohne Brille nahezu blind, dennoch tragen sie die meisten Kosten für ihre Sehilfe selbst. Wenn Sie einen Hörverlust von nur 5% haben, wird die Hörgeräteversorgung zu 100% von den KK übernommen. Ich habe das noch nie verstanden.

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    (1)
    09.04.2019 09:45
    Philipp Morlock
    Philipp Morlock: 409 Beiträge, 42% Empfehlungen
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    09.04.2019 22:49
    MikeL
    MikeL: 4836 Beiträge, 89% Empfehlungen
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