Vorurteile und Fakten

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Umfrage unter Chirurgen untersucht Verordnungsverhalten von lumbalen Orthesen.


26.02.2019

Eine Umfrage bei belgischen Chirurgen hatte zum Ziel, den Einsatz von Orthesen zu überprüfen. Befragt wurde speziell die Verordnungsfrequenz nach operativen Eingriffen bei degenerativen Lendenwirbelsäulenerkrankungen.

Evidenzbasiert ist die unterstützende, schmerzlindernde und heilungsfördernde Wirkung der Orthese nach einer LWS-Operation nicht. Mehrere renommierte Zeitschriften, klinische Studien und Fachverbände warnen davor, dass die Vermeidung von Bewegung postoperativ durch die Orthese die Schmerzen nicht positiv beeinflusst oder gar verschlechtert. Die Möglichkeit, die postoperative Heilung zu verbessern, konnte von einer aktuellen Studie am Beispiel von Spondylodese-Patienten nicht bestätigt werden.

Die Chirurgen Belgiens jedoch nutzen WS-Orthesen weiterhin, um Schmerzen zu lindern oder die Wirbelkörperfusion zu unterstützen. 105 Wirbelsäulenchirurgen nahmen an der Umfrage teil, 38% von ihnen verordneten Orthesen nach einem Eingriff aufgrund von degenerativen LWS-Schäden. Die Hälfte der Operateure empfahlen das Hilfsmittel nach einer Wirbelkörperfusion und waren davon überzeugt, die Fusionsrate nach der Sponylodese damit verbessern zu können. Orthopädische Chirurgen dachten häufiger daran, eine Orthese einzusetzen, als Neurochirurgen, während das Alter und die Berufserfahrung irrelevant waren für die Entscheidung.

Die lumbale Orthese und diese Studie sind leider nur Beispiele für den oftmals schwachen Wissenstand bezüglich aktueller Forschung. Aufgrund der fehlenden Forschungsergebnisse in der Vergangenheit ist die bisherige Unwissenheit und Unsicherheit in Bezug auf Wirbelsäulenorthesen allzu verständlich. Wie lange eine Umsetzung der aktuellen Forschung in den klinischen Alltag in diesem Fall dauert und auch wann bisherige, logische Erklärungsmodelle durch wissenschaftlich aktuelle Daten ersetzt werden, bleibt abzuwarten. Vorurteile über Bord zu werfen und sich den Fakten zu stellen, ist jedenfalls das, was die Autoren der Studie fordern.

Ein Abstract der Originalstudie von Bogaert L. et al. finden Sie hier.

Daniela Pfleger / physio.de