Der Charité droht der unbefristete Arbeitskampf

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Klinik lässt Frist der Gewerkschaft verstreichen.


20.02.2019

Es wirkt, als würde die Charité-Geschäftsführung die Tarifverhandlungen für die Physiotherapie in der Tochtergesellschaft CPPZ provokativ verzögern. Schon Ende 2018 gab es dort Warnstreiks, weil die outgesourcten Therapeuten, Masseure und medizinischen Bademeister für die gleiche Arbeit bis zu 800 Euro weniger verdienen als im Mutterkonzern. (Wir berichteten).

Das Berliner Abgeordnetenhaus hatte den Fall geprüft und die Charité dazu angehalten, die CPPZ wieder ins Mutterunternehmen zurückzuführen. Bis Ende März muss die größte Uniklinik Europas ein Konzept für dieses Vorhaben vorlegen.

Die Gewerkschaft Ver.di wollte laut dem Verhandlungsführer Kalle Kunkel bis zum 11.2.2019 ein „verhandlungsfähiges Angebot“ bekommen, um in die Tarifverhandlungen einzusteigen. Ziel ist die Angleichung des Lohnes und der Arbeitsbedingungen an das Niveau der Charité. Dieses Ultimatum hatte die Gewerkschaft deshalb gesetzt, weil die Geschäftsführung auf den Beschluss des Abgeordnetenhauses in mehreren Briefen signalisierte, dass sie aktuell keinerlei Rückführung plane, sich also nicht dem Willen der Volksvertreter füge. Kunkel erläutert: „Die Beschäftigten werden nicht für fast drei Monate die Hände in den Schoß legen, um abzuwarten, ob die Charité den Beschluss des Abgeordnetenhauses überhaupt respektiert.“

Jetzt erhöht Ver.di den Druck und droht mit unbefristeten Streiks der Mitarbeiter. Auf Grund dieser Drohung kam es kurzfristig zu einem Verhandlungstermin zwischen CPPZ und Ver.di, der allerdings nicht zufriedenstellend verlief. Seit dem 13. Februar streiken nun die Kolleginnen und Kollegen. 90 Prozent der ver.di-Mitglieder haben sich, nach Verlautbarung von Ver.di, in einer Befragung für längerfristige Streikmaßnahmen ausgesprochen, sollte kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt werden.

Vergangenen Freitag streikten Angestellte der Vivantes Therapeutische Dienste (VTD) aus Solidarität mit. Nach Angaben von Ver.di hatte zuvor die Geschäftsführung versucht, den Beschäftigten zu drohen. Trotzdem scheinen mehr Kolleginnen und Kollegen als erwartet dem Streikaufruf gefolgt zu sein. Die therapeutischen Beschäftigten der VTD kämpfen seit Jahren, genau wie die CPPZ, um eine Rückeingliederung in ihren Mutterkonzern.

Im Gespräch mit physio.de bemängelt Kunkel, dass weder Charité noch Berliner Politiker reagierten. „Wir planen ab jetzt mehr in die Öffentlichkeit zu gehen!“, so Kunkel und zeigt sich kämpferisch. Diese Woche kam und kommt es zu besonderen Streikaktionen. Am Dienstag, dem 19. Februar 2019 versammelten sich bereits die Streikenden vor dem Bürgerbüro des Abgeordneten und Berliner Finanzsenators Matthias Kollatz (SPD).

Weitere Termine:
Dienstag, den 19. Februar befand sich das Streiklokal am Standort Virchow-Klinikum.
Mittwoch, den 20. Februar befindet sich das Streiklokal am Standort Mitte (Charitéplatz 1)
Donnerstag, den 21. Februar befindet sich das Streiklokal ab 9.00 Uhr am Klinikum Steglitz (Campus Benjamin Franklin)
Freitag, den 22. Februar befindet sich das Streiklokal vor dem Arbeitsgericht Berlin (Magdeburger Platz 1, ab 11.00 Uhr).

Wer sich berufen und solidarisch fühlt, kann sich dort jeweils einfinden.

Ul.Ma. / physio.de

aktuelle Ergänzung der Redaktion:
Wie Kalle Kunkel uns heute telefonisch mitteilte, fand heute eine weitere Verhandlungsrunde (insgesamt die neunte und seit dem Streik die zweite) statt. Die Geschäftsführung weigere sich allerdings weiter, über eine Angleichung der Arbeitsbedingen auf das Niveau des TVöD zu verhandeln.
Für Ver.di bedeute das: Der Streik wird unbefristet fortgesetzt!