Gesetzliche Krankenversicherung ist für Hamburgs Beamte attraktiv

4 Kommentare

Seit der Einführung des Hamburger Modells haben sich viele Beamte für einen pauschalen Zuschuss zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) entschieden.


01.04.2019

In der Stadt Hamburg gibt es rund 40.000 aktive und 30.000 pensionierte Beamte. Seit August letzten Jahres können sie nun selbst entscheiden, ob sie weiter die „normale“ Beihilfe in Anspruch nehmen, oder sich gesetzlich krankenversichern und dafür einen pauschalen Zuschuss von der Stadt erhalten. (physio.de berichtete bereits.)

Bisher mussten sich die Beamten zusätzlich zur Beihilfe bei einer privaten Krankenkasse (PKV) versichern oder selbst zahlen.

Sechs Monate nach der Einführung des sogenannten Hamburger Modells zieht die Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) eine positive Bilanz. Mehr als 1.000 Beamte haben sich bisher für die GKV entschieden. Laut Auswertungen der zuständigen Behörde haben insbesondere die Beamten der niedrigeren Besoldungsstufen das Angebot in Anspruch genommen. Darunter waren vor allem Verwaltungsangestellte. Lehrer haben deutlich seltener den Zuschuss zur GKV gewählt.

Im ersten halben Jahr gab die Stadt Hamburg für die Bezuschussung der gesetzlichen Krankenversicherungsverträge rund eine Million Euro aus. Damit blieben die Ausgaben sogar leicht unter den Erwartungen. In Berlin, Brandenburg und Thüringen sind vergleichbare Versicherungsmodelle für Beamte bereits geplant. In Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen wird die Möglichkeit der Einführung aktuell diskutiert.

Trotz des vermeintlichen Erfolgs regen sich gegenwärtig immer mehr Gegner des neuen Versicherungsmodells. Die Bertelsmann-Stiftung und der PKV-Verband raten dringend von einer bundesweiten Einführung ab. Immerhin machen die Beamten aktuell noch fast die Hälfte der PKV-Versicherten aus. Experten zufolge würden bei Ärzten, Therapeuten und Hebammen durch das neue Modell Umsatzeinbußen in Milliardenhöhe entstehen. Auch Innenminister Horst Seehofer (CSU) schaltete sich in die Diskussion ein. Er kritisiert das Hamburger Modell stark, da seiner Meinung nach gerade die Beihilfeversicherung zur besonderen Attraktivität der Tätigkeit im öffentlichen Dienst beitrage.

Catrin Heinbokel / physio.de

  • (5)
    01.04.2019 05:53
    Susulo
    Susulo: 3247 Beiträge, 97% Empfehlungen

    "....da seiner Meinung nach gerade die Beihilfeversicherung zur besonderen Attraktivität der Tätigkeit im ÖD beitrage." (Horst)

    Seltsam dann, dass darauf in HH freiwillig von mehr als 1000 Beamten verzichtet wurde. So viel zur Attraktivität...
    Richtig witzig aber ist, dass die PKV ihr Herz für HME und Hebammen entdeckt zu haben scheint. Wir Armen hätten ja ganz große Einbußen bei dem Modell. ... Wer da wohl seine Felle davonschwimmen sieht?
    Ich brauche keine PP, wenn ich von der GKV ordentliche Honorare bekäme. Diese wiederum könnten mit Leichtigkeit gezahlt werden, wenn alle PP brav ihre 15% der Solidargemeinschaft zukommen ließen. Sie könnten ja jetzt schon mit Leichtigkeit gezahlt werden.

    Kenne auch persönlich Beamte, die die freiwillige gkv wählen. Ein Traum für mich, wenn unser Parallelweltensystem eines Tages verschwinden würde....

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  • 01.04.2019 10:50
    W. Stangner
    W. Stangner: 762 Beiträge, 88% Empfehlungen

    Wenn sich von 70.000 Beamten/Pensionären gerade mal 1.000 für die GKV entscheiden, dann sind diese 1,4 % nicht besonders viel. (Finanziell) attraktiv ist diese Wahlmöglichkeit nur für die "Kleinverdiener" unter den Beamten, also vor allem für diejenigen aus dem einfachen und mittleren Dienst bzw. solchen in Teilzeitarbeitsverhältnissen oder wo Ehepartner und Kinder in der GKV beitragsfrei mitversichert werden können. Das Bundesland Hamburg beschäftigt aber vor allem Beamte des gehobenen und höheren Dienstes (Polizei, Lehrer, Hochschullehrer, Justiz)

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  • (6)
    02.04.2019 07:18
    cople
    cople: 45 Beiträge, 100% Empfehlungen

    Mich ärgert, dass es diese Möglichkeit wieder nur für Beamte gibt. Ich kenne einige Selbstständige, die diese Möglichkeit eines Wechsels von der PKV in die GKV suchen, daran aber gesetzlich gehindert werden. Das liegt nicht daran, dass sie jetzt krank und alt sind, sondern dass sie schlicht falsch beraten wurden. Diese Möglichkeit muss allen offen sein und wird die Abschaffung der PKV als Grundversorgung einläuten. Gut so.

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    03.04.2019 22:24
    MikeS
    MikeS: 6137 Beiträge, 86% Empfehlungen
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