CMD interdisziplinär

4 Kommentare

Physiotherapie und Zahnmedizin im Zusammenspiel bei Kieferproblemen.


04.03.2019

Die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) ist in den letzten Jahren vermehrt von der Öffentlichkeit wahrgenommen worden, da Zeitschriften, Funk- und Fernsehen häufig darüber berichteten. Seit 2007 gibt es in Frankfurt am Main an der Goethe-Universität im Zentrum der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (Carolinum) eine CMD-Ambulanz. Dort steht ein interdisziplinäres Arbeiten mit allen beteiligten Berufsgruppen im Fokus.

Die CMD kann viele Ursachen haben, die oft Hand in Hand gehen. Ihre Symptome sind mannigfaltig über Schmerzen in der Kaumuskulatur, Probleme beim Öffnen des Mundes über Kopfschmerz, Schwindel, Migräne und Verspannungen bis zu Tinnitus, Zähneknirschen und Schlafstörungen. Die schnelle Lösung beim Zahnarzt ist oft die einfache Aufbissschiene. Die alleine wird dem komplexen Geschehen aber bei weitem nicht gerecht. Ausführliche Ursachenforschung durch Anamnese und Funktionstests sind der Anfang der Detektivarbeit, bei der die Diagnose des Arztes sich abgleichen sollte mit der des Physiotherapeuten.

Frau Dr. Steffanie Janko ist Oberärztin am Carolinum und unterstreicht die Bedeutung der Physiotherapie im Behandlungskonzept. „Das Hinausschauen über den zahnmedizinischen Tellerrand bereichert mein Wissen, wovon wiederum unsere Patienten, Kollegen und Studierende profitieren“, betont sie in einem Interview mit Praxis Professionell (PP). „Vor der physiotherapeutischen Behandlung sehe ich die physiotherapeutische Diagnostik.“ Sie ergänze ihre eigene Diagnose. Durch die Physiotherapie verstünden Patienten ihre Beschwerden besser und könnten somit, laut Janko, diese auch positiv steuern. Außerdem stehe der Betroffene im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und fühle sich verstanden und ernstgenommen.

Die psychische Wirkung bei der Behandlung schätzt die Ärztin als sehr groß ein. Eine ganzheitliche Betrachtung sei insgesamt erforderlich. Die Ambulanz setzt dabei auf Kommunikation zwischen den Behandlern. „Dann kann nach Absprache im Behandlerteam die Art der Heilmittelverordnung, die chronologische Abfolge der verschiedenen Maßnahmen und vor allem die Verzahnung von therapeutischen Maßnahmen optimiert werden (z.B. die Bissregistrierung nach physiotherapeutischer Vorbehandlung, Verbesserung der Wirkung einer Aufbissschiene durch Manualtherapie).

Zusätzlich zu Heilmittelverordnung und Therapiebericht kommunizieren die Beteiligten auch über Smartphone und kennen sich von gegenseitigen Behandlungen. Zweimal jährlich gibt es eine Konsiltreffen bei der sich alle zu schwerwiegenden Fällen äußern und Kurzvorträge halten.

Neben diesem interdisziplinären Ansatz gibt es auch Neuigkeiten bezüglich einer Intervention mit Feedback-Gerät. Im September 2018 stellte im internationalen Kongress der Cranio Fascial Therapy (CRAFTA) Dr. Susan Armijo-Olivo vom Institute for Health Economics im kanadischen Alberta eine Studie vor, bei der sie und ihr Team Probanden mit Kiefergelenksbeschwerden einem Motor-Control-Training mit visuellem Feedback unterzog. Ziel war es, die Anwendung einer Übungstherapie mit nachhaltigem Effekt zu gestalten. So könne auch auf kortikaler Ebene objektivierbare Veränderungen erzielt werden.

Nach der achtwöchigen Intervention konnten in der Großhirnrinde Strukturveränderungen nachgewiesen werden, außerdem kam es zur signifikanten Schmerzreduktion und einer verbesserten Haltungskontrolle. Die Forscherin sieht nun in der Behandlung der CMD das Motor-Control-Übungsprogramm als zentralen Behandlungsansatz. Dieses Vorgehen besäße großes Potenzial für einen Rehabilitationserfolg.

Zeit zu kommunizieren.

Ul.Ma. / physio.de

  • (1)
    04.03.2019 08:52
    ella426
    ella426: 280 Beiträge, 50% Empfehlungen

    Wie sieht's denn bei der interdisziplinären Honorierung in der CMD Therapie aus?

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  • (1)
    04.03.2019 12:07
    Alex Hirsch
    Alex Hirsch: 218 Beiträge, 56% Empfehlungen

    Ich kenne einen Fall aus dem Dorf an der Düssel, wo eine Ärztin mit div. Heilmittelerbringern „zusammenarbeiten“ wollte, damit Sie die Extra-Zulassung für die Geriatrie bekommt (mehr Budget und Sonderpositionen). Geld wollte Sie die damit verbundene Mehrarbeit (schriftlicher und persönlicher Austausch, Kolloquien) locker machen. Sie sagte dem PT, dass er ja immerhin KG-VO von Ihr bekommen würde. Ja, richtig gelesen. Der PT hat sich bei der Ärztekammer über das Gebahren der Ärztin beschwert. Die ganze Sache wurde einfach totgeschwiegen. Der hat bis heute keine Antwort erhalten. Die Sache ist mittlerweile über 2 Jahre her. Das zum Thema interdisziplinäre Zusammenarbeit und Bezahlung. Wir PTs sind die Arbeits-Ameisen im Ameisenhaufen des Gesundheitswesens.

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  • (1)
    07.03.2019 11:59
    WinnieE
    WinnieE: 912 Beiträge, 71% Empfehlungen

    woher sollen denn auf ein mal all die gut ausgebildeten Zahnmediziner kommen, die hinsichtlich des Zusammenspiels Kiefergelenk - Gesamtorganismus den Durchblick haben??? Von der im Vorfeld wichtigen funktionsorientierten zahnmedizinischen Versorgung mal ganz zu schweigen. (Jedenfalls haben sie es geschafft, bisher von mir unentdeckt im Verborgenen zu bleiben.)

    Und das Ganze auf Kassenniveau - naja...
    Also weg von den Gewinnoptimierung-Fobi´s hin zu patientenorientierter Qualitätsarbeit. Getreu dem Motto: behandle deine Patienten so, wie du selbst behandelt werden möchtest.

    .....allein, mir fehlt der Glaube

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  • 10.03.2019 21:45
    helmingas
    helmingas: 506 Beiträge, 68% Empfehlungen

    Schön zu erfahren das es Gesprächsbedarf auf ZA Seite gibt.
    Nett vom Physio lernen, geht doch auch.
    Dann sollen die ständischen Vertreter der Zahnärzte erst mal dafür sorgen das
    die Empfehlungen für CMD Physiotherapie nicht nur an MT ler geht.
    Kenne immer noch ZÄ die meinen ein MT ler könnte auch Kiefer.
    Unfassbar. Seit 10 Jahren CMD Physiotherapie Erfahrung mit Kreuzchen bei KG!
    Geht auch ohne MT schein. Wahrscheinlich sogar wesentlich umfassender je nach Kenntnisstand.
    In diesem Sinne wünsche ich gute N8

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