Arbeitnehmer der Zukunft

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Exoskelette erobern die Welt der Autobauer und sollen einen gesunden Arbeitsplatz ermöglichen.


28.01.2019

Ein Rucksack – nicht schwerer oder größer ist das Exoskelett des niedersächsischen Prothesenherstellers Ottobock. Sechs Jahre lang wurde das Modell überarbeitet, das im Herbst auf den Markt kam und nun von Volkswagen eingesetzt wird. Mit der technischen Neuerung sollen Arbeiter in der Autoindustrie Überkopfarbeiten und körperliche Anstrengungen leichter bewältigen können. Das von den Entwicklern als revolutionäres Wundermittel beworbene Exoskelett, weckt Interesse durch das Versprechen den Arbeitsplatz gesünder und einfacher zu gestalten. Seit die Hilfsmittel in der Rehabilitation von Querschnittsgelähmten eingesetzt werden, werden die neuen Modelle immer kompakter, effizienter und technisch versierter. Mithilfe von Kugelgelenken, einem Hüftgurt, Metallstangen und Seilzügen wird die Belastung der oberen Extremität direkt auf den Rücken und die Hüfte abgeleitet. Nicht nur Ottobock arbeitet an neuartigen technischen Errungenschaften wie dieser, ein Augsburger Unternehmen arbeitet an einem Exoskelett zur Entlastung des unteren Rückens.

Ob Exoskelette ein gesünderes Arbeiten in den Werken der Autobauer wirklich gewährleisten, ist allerdings fraglich. Wissenschaftler sind sich uneinig, ob Exoskelette wirklich die Lösung von Schulterbeschwerden und Rückenschmerzen bei Arbeitern sind. "Belastungen werden meistens woanders wieder in den Körper eingeleitet", sagt Benjamin Steinhilber von der Uni-Klinik Tübingen. "Es ist noch schwierig abzuschätzen, ob die Erhöhung der körperlichen Belastung an einer anderen Stelle zu einem Schaden führen kann."

Langzeiteffekte konnten bisher nicht erforscht werden, da die Technologie derart neu auf dem Markt ist. Was jedoch dem aktuellen Stand der Forschung entspricht, ist, dass nicht jede Tätigkeit durch ein Exoskelett erleichtert werden kann. Ob Exoskelette in naher Zukunft acht Stunden täglich eingesetzt werden können, ist Teil der Diskussion. Das Gesamtgewicht und die Auflage am Körper des Trägers bergen Optimierungspotenzial, sagen Experten. Der Hersteller Ottobock bleibt optimistisch und verweist auf den Erfolg bei mehr als 30 Kunden.

Es mag sinnvoll sein, einigen Stimmen zu vertrauen und die derzeitigen Exoskelette als Werkzeuge zu sehen sowie parallel mithilfe anderer Möglichkeiten den Arbeitsplatz ergonomischer zu gestalten. Denn mit knapp 5.000 Euro ist ein Exoskelett nicht unbedingt die günstigste Methode.

Daniela Pfleger / physio.de