Externe Evidenz in der Physiotherapie

1 Kommentare

Bedeutung von Cochrane-Reviews für die Beurteilung der Wirksamkeit physiotherapeutischer Interventionen.


26.01.2019

Bereits seit über 25 Jahren gibt es die Bewegung der evidenzbasierten Medizin. Die Integration der besten verfügbaren Forschungsergebnisse (externe Evidenz), klinischer Erfahrungswerte (interne Evidenz) sowie der Wünsche und Bedürfnisse des Patienten (Patientenwohl) in die Entscheidungsfindung hat längst ihren Einzug in den Alltag vieler Logopäden, Ergo- und Physiotherapeuten gefunden.

Ein häufiger Streitpunkt in therapeutischen Diskussionen ist der Stellenwert der externen Evidenz, d. h. die Ergebnisse aus qualitativ möglichst hochwertigen wissenschaftlichen Studien. Bei der Verfassung von Leitlinien und für Entscheidungen zur Erstattungsfähigkeit von Heilmitteln spielen diese Art von Wirksamkeitsnachweisen allerdings eine bedeutende (wenn nicht sogar die bedeutendste!) Rolle.

Die systematische Zusammenfassung der aktuellen Evidenz zu einer bestimmten Fragestellung nennt man Übersichtsarbeit (Review). Eine besondere Form stellt dabei das Cochrane-Review dar, da es nach besonders strengen methodischen Regeln erstellt wird. Die sogenannte Cochrane-Library wird nicht nur von medizinischen Fachpersonal zur Unterstützung bei der Entscheidungsfindung genutzt, sondern veröffentlicht auch laienverständliche Zusammenfassungen als Patienteninformation.

Wichtig für die Interpretation der Cochrane-Reviews ist allerdings, dass diese fast ausschließlich auf den Ergebnissen von randomisierten kontrollierten Studien (englisch: randomized controlled trial, RCT) basieren. Dieses Studiendesign erfüllt zwar besonders hohe wissenschaftliche Standards, ist dadurch aber auch deutlich aufwendiger und benötigt mehr Ressourcen als andere Studientypen. Die finanziellen Mittel und Strukturen für RCTs sind im Bereich der Therapiewissenschaften häufig nicht vorhanden. Hinzu kommt, dass RCTs in der Kritik stehen, nicht praxisnah zu sein, da sie die Effektivität therapeutischer Interventionen (alltagsbezogen und patientenzentriert!) lediglich unter standardisierten „Laborbedingungen“ testen.

Gerade in den Therapieberufen lohnt sich zur Beurteilung der externen Evidenz deshalb ein Blick in andere Datenbanken (z.B. PubMed) oder internationale Fachjournale (z.B. das Physical Therapy Journal). Hier sind auch Studien mit anderen Untersuchungsdesigns zu finden, die trotzdem von sehr guter wissenschaftlicher Qualität sein können.

Oder Sie verlassen sich einfach darauf, dass physio.de Ihnen immer die neuesten und interessantesten Studien in Sachen Physiotherapie vorstellt.

Catrin Heinbokel / physio.de

  • 26.01.2019 10:44
    tom1350
    tom1350: 4179 Beiträge, 32% Empfehlungen

    „Wie gut sind Übersichtsarbeiten der Cochrane Collaboration also? Wissen es die Cochrane-Forscher wirklich immer besser? Nein. Zu diesem Schluss kommen selbst Cochrane-Forscher, die alle Übersichtsstudien der Cochrane Collaboration aus einem bestimmten Jahr probehalber unter die Lupe genommen haben. Resultat: Fast ein Drittel hatte in irgendeiner Form Mängel."

    Forschung - Die medizinischen Besserwisser - Puls - SRF

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