Re: CRI in der Osteopathieausbildung

Kein Profil vorhanden Nanubya     CRI in der Osteopathieausbildung     21.5.20 17:38        
Hallo,

ich habe vor 2 Monaten die Osteopathieausbildung begonnen. Im ersten Kranio-Kurs wurde der PRM und CRI behandelt inkl. des "VAULT-HOLD"-Griffes zum palpieren des CRI's.

Nun tut es mir leid, aber mir erscheint der CRI als Hexenwerk und unlogisch. Deshalb scheine ich auch zu doof für diesen Griff zu sein und kann absolut keine Pulsation oder Elastizität am Schädel spüren. Entweder spüre ich die Schädelmuskeln, meinen oder den Pat.puls oder meine Atmungsdruckwelle in den Armen, aber mehr auch nicht. Muss man fester oder leichter drücken? Mir scheint es eher als fehlt es mir an Glauben und Fantasie daran.

Nun zu meiner Frage. Wie sehr baut die Osteopathiebehandlung auf dieses Spüren des CRI's auf? Bricht mir mit dem fehlenden CRI eine wichtige Behandlungsbasis (ähnlich Muskeltonus) weg, ohne dessen Gefühl ich Pat. nicht behandeln kann? Dann sollte ich vlt. die Ausbildung lieber jetzt noch beenden, bevor ich eine 5stellige Summe in etwas investiert habe, woran ich endgültig nicht glaube. Oder lohnt es sich weiter zu machen?

Ich bin um ehrlich zu sein etwas verunsichert was mich noch erwartet...

Vielen Dank für eure Tipps im Vorraus.
Liebe Grüße
Nanubya



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 21.5.20 17:40.
Kein Profil vorhanden ella426 Mehr als 100 Beiträge (261)     Re: CRI in der Osteopathieausbildung     21.5.20 19:05    
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Schön, dass Du schon am Anfang diesen ganzen Osteoschwindel entdeckst. Wenn Du Dein Geld sinnvoll investieren möchtest, würde ich andere Fortbildungen machen. Den Osteoschwindel hat die Ärztin Natalie Grams auf den Punkt gebracht:
"Der Erfinder war eine Art Guru in den USA zu einer Zeit, als dort die wissenschaftliche Medizin der in Europa noch weit
hinterherhinkte. Die manuellen Anwendungen wirken manchmal bei Rückenschmerzen, wobei der Kausalzusammenhang aber unklar bleibt. Hinzu kommen unabgegrenzt geradezu esoterische Ansichten und Behandlungsansätze. Bei Kindern hat Osteopathie keine sicher belegte Wirksamkeit. Jungen Eltern wird aber oft gesagt, Kinder müssten dadurch etwaige Geburtstraumata bewältigen. Aus meiner Sicht ist das reine Abzocke."
Natalie Grams über Heilsversprechen in der Homöopathie - Wirtschaft - SZ



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 21.5.20 19:06.
Shakespeare Mehr als 5000 Beiträge (7010)     Re: CRI in der Osteopathieausbildung     21.5.20 19:29    
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Ehrlich gesagt empfehle ich Dir solche Fragen in einem Forum zu stellen wo sich ausschließlich Osteopathen oder Osteopathieschüler gegenseitig helfen.
Hier tummeln sich Physiotherapeuten von denen nur sehr wenige Osteopathie betreiben. Da Rythmen, Faszienzüge zu entfernten Spannungspunkten und auch überhaupt der energetische Anteil der Osteopathie bislang wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden konnte werden wohl viele Leute hier das ganze als Einbildung bezeichnen. Natürlich sind diese Dinge fundamentaler Bestandteil der Osteopathie aber ebenso natürlich kann man sich bei der Ausübung der Osteopathie auch auf die handfesten manualtherapeutischen und chiropraktischen Techniken begrenzen. Auch die cranialen Techniken muss man m. E. nicht machen, wenn man nicht mit Schädeltraumen zu tun hat. Dann macht man eben eine besondere Form der manuellen Medizin aber eben keine Osteopathie wie sie ursprünglich entwickelt wurde. Das ultra feine Spüren und palpieren kann man trainieren. Ich würde da aber keinesfalls am Schädel beginnen. Wenn das in Deiner Ausbildung so war, halte ich das für einen didaktischen Fehler. Trotzdem viel Erfolg mit deiner Ausbildung und hoffentlich auch Spass. Sonst lohnen Aufwand und Kosten nicht.
Shakespeare Mehr als 5000 Beiträge (7010)     Re: CRI in der Osteopathieausbildung     22.5.20 14:46    
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Therapien die auf "Fühlen", Palpieren" und "Erleben" basieren sind im wissenschaftlichen Sinne selten gut objektivierbar. Ein Link der auf der Erfahrung und Meinung einer homeopathischen Ärztin beruht ist allerdings auch keine seriöse Hilfe bei der Bewertung einer Therapie. Ebenso wenig sprechen Begriffe wie Osteoschwindel und Abzocke für Sachlichkeit. Immerhin gibt es über 170 Studien über osteopathische Themen über deren wissenschaftliche Qualität man sicherlich ernsthaft diskutieren könnte aber wohl nicht in diesem Forum und wohl nicht mit Forums Teilnehmern die wenig Kenntnisse, Erfahrungen und Offenheit für das Thema Osteopathie mitbringen. Wie rasant sich wissenschaftliche Erkenntnisse vollkommenen ändern können erleben wir jetzt in den Corona Zeiten. Ich akzeptiere dass Osteopathie in vielen Fällen gute Ergebnisse hat, auch wenn ich die spezifischen und unspezifischen Wirkungen noch nicht erklären und beweisen kann, genau so wie bei vielen physiotherapeutischen Konzepten.
Kein Profil vorhanden mbone Mehr als 2000 Beiträge (2160)     Re: CRI in der Osteopathieausbildung     22.5.20 15:22        
Dieses Forum ist sicher ein guter Ort um über Osteopathie zu diskutieren Da sich ein Großteil der Osteopathen hierzulande doch aus den Physiotherapeuten rekrutiert.
Medizinisches Wissen und unsere Erfahrung im jahrelangen tagtäglichen Handanlegen sind da sehr hilfreich.

Was die guten Behandlungsergebnisse anbelangt kann ich das so pauschal nicht bestätigen allerdings fühlen sich die Patienten zumeist gut aufgehoben.
Kein Profil vorhanden elena34     Re: CRI in der Osteopathieausbildung     22.5.20 21:42    
 (2)
   
Hallo, ich bin 7 Monate nach meiner Physiotherapieausbildung für 5 Jahre nach England gegangen, um die Osteopathie zu erlernen. Seit 2010 arbeite ich wieder in Deutschland. Ich habe in keinem Land dieser Welt soviel Diskussion über diesen Beruf erlebt und noch nie soviel Negatives von Kollegen. Dys liegt meiner meinung nach daran,dass der Beruf in Deutschland nicht geschützt und anerkannt ist. Was haben die kollegen eigentlich für ein Problem?ist das Neid? Wieso kann man dem Patienten auf vielen Ebenen helfen?
Den größten Quatsch habe ich erlebt, als mir klar würde,dass ich den HP machen muss. Da hat man keinerlei Vorgaben, einfach nichts.mich regt so etwas persönlich viel mehr auf.
Ds liegt natürlich auch daran, dass wir in Deutschland mit den Kassen abrechnen. Nicht falsch verstehen, ich bin froh, dass wir alle krankenversichert sind!aber würden die Leute alles privat zahlen, würden Sie selbst entscheiden, was ihnen hilft oder nicht und nicht irgendeine Abrechnungsziffer.
Meine persönliche Meinung, muss niemand mit mir teilen.
Freundlichen Gruß
Kein Profil vorhanden gube     Re: CRI in der Osteopathieausbildung     23.5.20 11:05        
Hallo Nanubya,

Du bist dir unsicher, ob du die Osteopathie-Ausbildung weitermachen sollst/kannst oder sie lieber abbrechen solltest, weil du den CRI nicht fühlst bzw (noch) nicht fühlen kannst.

Dazu möchte ich dir sagen, dass es durchaus einige Zeit des Übens braucht, bis du weißt, dass du im richtigen Rhythmus bist. Ich habe vor sechs Jahren den ersten Cranio-Kurs gemacht und hatte durchaus Probleme den richtigen Rhythmus zu spüren. Das hat einige Zeit gedauert, aber inzwischen ist es für mich kein Problem mehr. Am besten ging es, wenn ich ich es in Ruhe und ohne (zeitlichen) Druck anwenden konnte.

Mein Tipp: lass dir Zeit dafür und probiere es - möglichst in einem entspannten Umfeld- weiter aus. Und sei, wenn möglich, offen dafür.

Außerdem ist Craniosakrale Therapie nur ein Teil der Osteopathie, vielleicht kommst du mit der Visceralen oder der Parietalen Osteopathie ja besser zurecht.

Viele Grüße
Kein Profil vorhanden Nanubya     Re: CRI in der Osteopathieausbildung     23.5.20 19:41    
 (1)
   
Hallo,

ich komme eben aus dem neuen Kraniokurs. Dieser lief diesmal wirklich besser. Meine Dozentin hatte auch ein offenes Ohr für mich und hat sich meiner Verunsicherung angenommen und mich dahingehend erst einmal beruhigt, das es normal ist am Anfang nicht viel zu spüren.
Meine Mama meinte nur: "Osteopathen haben über Jahre gute Erfolge erzielt und wer Erfolg hat, hat Recht! Ob durch geniale Behandlungstechnik oder nur wegen dem Placeboeffekt, durch den Zeitaufwand, der Aufmerksamkeit und der sanften Griffe, ist ja am Ende egal."

Jetzt habe ich mir in Ruhe eure Antworten durchgelesen und möchte mich sowohl für die kritischen als auch für die positiven und die Tipps herzlich bei euch bedanken!

Ich persönlich bin wie alle meine Studiumskollegen (bis auf eine HP) selber Physiotherapeutin. Das erklärt vlt warum ich dieses Forum gewählt habe. Daher fand ich den Unterschied zwischen Physio und Osteo auch so überraschend groß. Vorher habe ich mir den geringfüger vorgestellt und das die beiden mehr aufeinander aufbauen würden.

Für den Moment habe ich beschlossen der Osteopathie und mir noch Zeit zu geben um herauszufinden ob es das richtige für mich ist. Hinterfragen werde ich sie aber weiterhin, denn wie schon der Osteopathie-Gründer Andrew Taylor Still sagte: „Ich habe lediglich das Anliegen, bei diesem Thema der Wahrheit so nahe wie möglich zu kommen. Osteopathie ist eine Wissenschaft. Ihr Nutzen ist die Heilung der Betroffenen. Der Osteopath muss die Dinge ergründen und das Gesagte auch beweisen.“

Vielen lieben Dank

Nanubya
Kein Profil vorhanden Philipp Morlock Mehr als 100 Beiträge (378)     Re: CRI in der Osteopathieausbildung     24.5.20 07:49    
 (2)
   
Ich vermute die Modelleklärungen in der Osteopathie sollen, so wie überall sonst auch, einen dazu bringen etwas auf eine Art in einem Bereich zu tun, was unter bestimmten Bedingungen erfahrungsgemäß erwünschtes bewirkt.


Auch für Leute die sich da nichts einbilden oder tatsächlich wahrnehmen.

Wenn man etwas tut bewirkt man auch auf jeden Fall etwas, und wenn es auch nur ein unterbinden von etwas anderem ist ( wer sich streicheln lässt kratzt sich nicht an der Stelle wo er gestreichelt wird)
Kein Profil vorhanden Philipp Morlock Mehr als 100 Beiträge (378)     Re: CRI in der Osteopathieausbildung     24.5.20 08:01        
Ich habe in meiner Ausbildung mir von einem angestellten Physiotherapeuten im Kreiskrankenhaus Waiblingen sagen lassen, das mit dem Patienten ein Gespräch führen ja auch schon Atemtherapie ist.

Das stimmt!

Supersanfte eben.

So wie Homöopathie auch supersanft ist.

Osteopathie arbeitet eben auch manchmal supersanft.

Über geschickte Fragestellungen kann man den Bullshitgrad des Instruktors evaluieren wollen, aber Wahrheitssuche ist keine Option mit Erreichbarkeit des Ziels, solange man sich auf Modelle bezieht. Osteopathie ist ein Modell.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 24.5.20 08:24.
MikeL Mehr als 2000 Beiträge (4761)     Re: CRI in der Osteopathieausbildung     25.5.20 22:31    
 (1)
   
Shakespeare schrieb am 22.5.20 14:46:
Therapien die auf "Fühlen", Palpieren" und "Erleben" basieren sind im wissenschaftlichen Sinne selten gut objektivierbar. Ein Link der auf der Erfahrung und Meinung einer homeopathischen Ärztin beruht ist allerdings auch keine seriöse Hilfe bei der Bewertung einer Therapie. Ebenso wenig sprechen Begriffe wie Osteoschwindel und Abzocke für Sachlichkeit. Immerhin gibt es über 170 Studien über osteopathische Themen über deren wissenschaftliche Qualität man sicherlich ernsthaft diskutieren könnte aber wohl nicht in diesem Forum und wohl nicht mit Forums Teilnehmern die wenig Kenntnisse, Erfahrungen und Offenheit für das Thema Osteopathie mitbringen. Wie rasant sich wissenschaftliche Erkenntnisse vollkommenen ändern können erleben wir jetzt in den Corona Zeiten. Ich akzeptiere dass Osteopathie in vielen Fällen gute Ergebnisse hat, auch wenn ich die spezifischen und unspezifischen Wirkungen noch nicht erklären und beweisen kann, genau so wie bei vielen physiotherapeutischen Konzepten.


Danke Shaks für dieses sehr sachliche und emotionsfreie Meinungsbild. Man ist es hier schon gar nicht mehr gewohnt, zu diesem Thema hier im Forum polemikfreie Äußerungen zu lesen! (tu)


@Nanubja: Auch ich habe die Osteopathieausbildung drei Jahre lang besucht, mußte dann aber aus persönlichen Gründen andere Prioritäten setzen und abbrechen. Mit dem CRI habe ich mich auch immer sehr schwer getan und für mich beschlossen, auf solche Dinge zu verzichten. Wenn es tatsächlich möglich wäre, diese Pulsation am Schädel zu spüren, gäbe es schon längst wissenschaftliche Studien, die diesen Nachgewiesen hätten. Messtechnisch wäre dies leicht zu machen.
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