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Krebs: Prähabilitation
Vorsorge fördert Nachsorge
Prähabilitationsmaßnahmen sollen Krebspatienten vor einem operativen Eingriff stärken.
13.03.2017 • 0 Kommentare

Warum bis zum Zeitpunkt der Rehabilitation warten, wenn man schon früher etwas tun kann? Das Prinzip der sogenannten Prähabilitation ist nicht neu - und dennoch bisher lediglich unzureichend erforscht: Im Jahr 2013 verwendeten Julie Kathleen Silver und Jennifer Baima vom Department of Physical Medicine and Rehabilitation der Harvard Medical School in Boston erstmals den Begriff der Cancer Prehabilitation im Zusammenhang mit der Onkologie.

Unter Prähabilitation, die sich sprachlich aus den Wörtern "Prävention" und "Rehabilitation" zusammensetzt, versteht man die Maßnahmen zwischen dem Zeitpunkt der Krebsdiagnose und dem Beginn der entsprechenden Behandlung. Dabei geht es um die Möglichkeit, den körperlichen Zustand des Patienten - etwa sein Wohlbefinden sowie etwaige physische Einschränkungen - vor einer Operation, einer medikamentösen oder radiotherapeutischen Behandlung festzustellen und nach Bedarf positiv darauf einzuwirken. Diese Wartephase gilt als idealer Zeitpunkt dafür, Krebspatienten einen gesunden Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung bewusst zu machen.

Im Vordergrund der vorsorglichen Rehabilitation steht die ganzheitliche Unterstützung von Betroffenen mit dem Ziel, ihre körperlichen Einschränkungen, postoperativen Komplikationen sowie die Mortalitätsrate zu reduzieren und gleichzeitig die Regeneration zu verbessern. Außerdem wird mit Hilfe von Prähabilitationsmaßnahmen versucht, den typischen Bewegungsmangel nach dem onkologischen Befund zu beheben. Diese Form der Intervention kann sowohl uni- als auch multimodal erfolgen; also als physische, psychologische oder edukative Maßnahme. Welche Art der einzelnen Intervention letztendlich in Frage kommt, richtet sich nach der jeweiligen Krebsform. Bei Lungenkrebspatienten ist etwa eine frühzeitige Atemtherapie angesagt, bei Brustkrebspatientinnen empfehlen sich dagegen Übungen für den Schulter-Hals-Bereich.

Bewegung hilft in den meisten Fällen, wie eine Metastudie aus dem Jahr 2014 ergab. Danach verbessert die prähabilitative Maßnahme des Ganzkörpertrainings vor einer OP nicht nur die physische Leistungsfähigkeit des Patienten, sondern auch sein Schmerzempfinden. Außerdem kamen die Forscher in ihrer Analyse zu dem Ergebnis, dass diese Art von Training die Aufenthaltsdauer in der Klinik erheblich verkürzen kann.

Bei den meisten prähabilitativen Bewegungsprogrammen handelt es sich um eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining mit jeweils drei Einheiten pro Woche. Diese werden häufig während der Wartezeit auf die Behandlung angewendet. Gleichwohl kann eine solche Maßnahme auch vor einer OP, nämlich während der neoadjuvanten Chemotherapie, durchgeführt werden. Was den idealen Zeitpunkt betrifft, so ist der Stand der Wissenschaft noch nicht ausgereizt - im Gegenteil: Um den Erfolg von Prähabilitation vollständig zu erforschen, müssen zunächst die Langzeitwirkungen dieser Form der Intervention untersucht werden. Denn Prähabilitation ist kein Ersatz für Reha-Maßnahmen, sondern lediglich eine Ergänzung davon. Daher gilt es, den Schwerpunkt bei künftigen Studien auf den Effekt von prä- und postrehabilitativen Maßnahmen im Vergleich zu rein rehabilitativen zu legen.

NUR / physio.de

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