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Biographie
Moshé Feldenkrais- ein bewegtes Leben
Biographie eines Pioniers im Kontext der Weltgeschichte
08.09.2018 • 0 Kommentare

Moshé Feldenkrais ist weltbekannt für die Entwicklung einer Lernmethode, die es ermöglicht, durch die Beobachtung kleiner, eigener Bewegungen, alte und neue Bewegungsmuster zu begreifen und zu entwickeln. Das Ziel geht weit über die kinesiologische Selbsterkenntnis und einfache Schmerzreduktion hinaus und berührt viele Ebenen des eigenen Ichs, um neue Fähigkeiten zu erlangen. Jetzt zeigt eine Biographie des Pioniers den Menschen hinter der Methode. Dabei berichtet der Autor Christian Buckard von einem Leben in schwierigen Zeiten, ohne den Mann Feldenkrais zu verherrlichen oder ihn gar heiligzusprechen. Und genau deshalb erkennt man die Genialität des Querdenkers an, der sogar den israelischen Staatsgründer David Ben-Gurion auf den Kopf stellte.

Feldenkrais ist 1904 in der Ukraine in einer jüdischen Familie zur Welt gekommen und seine Kindheit war überschattet von privaten Traumata und Antisemitismus. Er lernte schnell, dass Überleben keine Selbstverständlichkeit ist. Ängste zu überwinden, vor allem lähmende, waren in der Anfangszeit ein Hauptziel seiner Ambitionen. Nachdem er bereits mit 14 Jahren ohne erwachsene Begleitung in einer abenteuerlichen Reise nach Palästina aufbrach, schloss er sich als Jugendlicher schnell der illegalen Haganah an, einer zionistischen Untergrundorganisation, die keineswegs friedlich war, aber dem Wunsch nach Eigenverteidigung und Überleben entsprang.

In dieser Zeit nahm Feldenkrais sein Training im Jiu-Jitsu auf und der junge, kräftige Mann lernte hier viel über Körperkontrolle und Selbstbeherrschung. Die Ursprünge seines Bewegungswissens basieren also in allererster Motivation auf dem Überlebenstrieb. In Frankreich kämpfte er sich durch Fremdheit, Antisemitismus und Sprachschwierigkeiten bis zum Doktortitel an der renommierten Sorbonne und landete als Physiker im Radium-Institut des Ehepaares Joliot-Curie und während des Krieges in Schottland in der geheimen Anti-U-Boot-Forschungsabteilung Churchills.

Immer aber verdiente er sich sein Geld mit der Lehre und Weiterentwicklung einer Selbstverteidigungstechnik, in der er, ganz der Wissenschaftler, immer wieder beobachtete und verifizierte. Prägend wurden für ihn der Judo-Erfinder Jigoro Kano und eine schwere Knieverletzung. Das alles war die Voraussetzung für die Entwicklung einer Lebensphilosophie, die implizierte, dass Selbsterkenntnis zu Selbstbewusstheit und Lernen führt, dass über körperliche Lernprozesse Einfluss auf Geist und Seele genommen werden kann.

Die Biographie über Mosché Feldenkrais zeigt nicht nur dessen Leben und die Verbreitung seiner faszinierenden Methode entgegen dem Mainstream auf. Sie erzählt auch nebenbei die Geschichte des 20. Jahrhunderts, über die Anfänge des Staates Israels, über die Geschehnisse in zwei Weltkriegen aus dem Blickwinkel eines revolutionären Mannes, der nach der Devise lebte, dass nichts unlernbar ist und Prinzipien einem offenen Geist im Wege stehen. Spannend geschrieben, stellt das Werk auch die methodischen Hardliner in der Physiotherapie gedanklich vor neue Herausforderungen.

Ul.Ma. / physio.de



Bibliographie:
Christian Buckard
Moshé Feldenkrais: Der Mensch hinter der Methode

Piper Taschenbuch
12,00 Euro
ISBN-13: 978-3492310925

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