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COPD wird oft falsch oder gar nicht behandelt
Weltweiter Aufklärungstag. Gemeinsamer Bundessauschuss beschließt DMP-Empfehlungen.
18.11.2004 • 0 Kommentare

Pu-der-Bär-Tag oder National Nothing Day, jeder Tag ein Be- oder Gedenktag. Die Inflation des verordneten Nachdenkens verhindert, dass so manches wirklich Bedenkenswerte beachtet wird. Gestern wurde der COPD Day begangen. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt hat sich die chronic obstructive pulmonary disease – die chronisch-obstruktive Bronchitis – zur vierthäufigsten Todesursache entwickelt. Rund 10 Prozent der über 40-Jährigen sind betroffen, schätzen Fachleute. 13 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage gehen auf dieses Krankheitsbild zurück und acht Prozent der Frührentner leiden darunter. 8,2 Milliarden Euro betragen die Folgekosten jedes Jahr.

Die buchstäbliche Luft zum Atmen fehlt den betroffenen Menschen. Verengte Bronchien lassen einen einfachen Spaziergang zur Himalaya-Besteigung werden. Luftstau und Sauerstoffmangel führen zu akuter Atemnot. Wird die Erkrankung rechtzeitig erkannt und behandelt lässt sich die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessern. Wie bedeutsam der gestrige weltweite Aufklärungstag ist, zeigt die erschreckende Tatsache, dass COPD-Patienten „extrem häufig“ falsch oder überhaupt nicht behandelt werden. Eine Studie der European Respiratory Society (ERS) kommt zu diesem Ergebnis.

Der Weg zum Einkaufen, Treppensteigen, einfachste alltägliche Verrichtungen werden zur Qual. Die Menschen vermeiden jede körperliche Anstrengung. Zunehmend bestimmen die eigenen vier Wände den Horizont. Übrig bleiben der Sessel und schließlich das Bett. Neben der medikamentösen Behandlung kann vor allen Dingen eine gezielte Bewegungstherapie diesen fatalen Teufelskreis durchbrechen.

Vor kurzem hat der Gemeinsame Bundessauschuss (G-BA) Empfehlungen zur „Ausgestaltung von strukturierten Behandlungsprogrammen für Patienten mit chronischen obstruktiven Atemwegserkrankungen“ beschlossen. Auch der G-BA verweist auf die Notwendigkeit von „körperlichem Training“. Die COPD-Symptomatik könne so verringert und die Belastbarkeit verbessert werden. Daneben werden „strukturierte Schulungs- und Behandlungsprogramme“ empfohlen. Den Nutzen einer gezielten physiotherapeutischen Behandlung mag der Ausschuss nur gebremst erkennen: „Allgemeine Krankengymnastik mit dem Schwerpunkt Atemtherapie ist ein ergänzender Teil der nicht-medikamentösen Behandlung der COPD. In geeigneten fällen (z.B. starke Schleimretention) kann daher der Arzt die Verordnung von Krankengymnastik-Atemtherapie/Physiotherapie unter Beachtung der Heilmittelrichtlinien erwägen.“

Die Empfehlung des G-BA wird Grundlage sein für Disease-Management-Programme (DMP). Krankenkassen und Ärzte legen in Verträgen strukturierte Behandlungsleitlinien fest. Für die Teilnahme an solch einem Programm wird den Patienten die Praxisgebühr erlassen oder sie bekommen Bonuszahlungen. DMP gibt es bereits für Diabetes, Brustkrebs und die koronare Herzkrankheit. Die Kassen stehen in den Startlöchern. Sobald das Bundesgesundheitsministerium eine entsprechende Rechtsverordnung erlassen hat, wollen sie vertragliche Vereinbarungen treffen. Wenn alles nach Plan läuft, wird die Verordnung am 1. Januar 2005 in Kraft treten. Der AOK-Bundesverband möchte dann „so schnell wie möglich ein flächendeckendes Angebot“ schaffen.

Atemtherapie, Ausdauertraining, Schulungsprogramme, Rehabilitationssport – die COPD bietet ein weites Feld für physiotherapeutische Aktivitäten. Noch ist es Zeit die eher vagen Formulierungen des G-BA mit Leben zu erfüllen. Die Ausgestaltung der Disease-Management-Programme steht vor der Tür. Verbesserung der Atmung, Steigerung der Ausdauer, Muskelkräftigung, entscheidende Maßnahmen, um den Patienten das Leben zu erleichtern. Ein Fall für berufspolitisches Handeln?


Peter Appuhn
physio.de


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