Krankenkassen verlängern Ausnahmeregelungen 20

Bis 31. Mai werden bürokratische Hindernisse gemildert

09.05.2020

Nachdem in den vorherigen Wochen die Kassen bereits Lockerungen in den Regelungen zur Abrechnung zugelassen haben, haben sie am 5. Mai diese Vorhaben verlängert, bzw. erneut präzisiert.

Aufgrund der mit der Pandemie einhergehenden Einschränkungen des täglichen Lebens werden die Kassenverbände von den bisher geltenden Regelungsvorgaben abweichen. Ziel ist die Versorgung in dieser außerordentlichen Situation zu erleichtern und aufrecht zu erhalten. Diese Verfahrensregelung gilt zunächst für alle Behandlungen, die bis einschließlich 31.05.2020 durchgeführt werden.

Im Einzelnen sieht es so aus:

Medizinisch notwendig
Eine ärztlich verordnete Heilmittelbehandlung ist immer als medizinisch notwendig anzusehen.

Aussetzung der Fristen
Die Heilmittel-Richtlinie wird angepasst und es es gibt nun Sonderregelungen:
- Aussetzung der Frist für den Behandlungsbeginn
- Aussetzung der Frist bei Unterbrechung der Behandlung
- Verlängerung der Fristen im Rahmen des Entlassmanagements
Außerdem wird die Unterbrechungsfrist von 14 Kalendertagen nicht geprüft.

Die 12-Wochen-Frist ist nur für die Bemessung der Verordnungsmenge zum Zeitpunkt der Verordnung maßgeblich, nicht jedoch für die Gültigkeit einer Verordnung über 12 Wochen hinaus.

Der Behandlungsbeginn von 14 (bzw. 28) Kalendertagen wird ausgesetzt.

Teilabrechnung
Eine Teilabrechnung bereits erbrachter Leistungen ist bis zum 31.05.2020 möglich. Hierfür kann einmalig eine Zwischenrechnung als Zwischenabrechnung gekennzeichnet, eingereicht werden.

Korrekturen
Bei nicht richtlinienkonform ausgestellten Heilmittelverordnungen können die Leistungserbringer notwendige Änderungen bzw. Ergänzungen selbst vornehmen. Einer Änderung bzw. Ergänzung der Verordnung durch die Vertragsärztin oder den Vertragsarzt bzw. einer Rücksprache mit der Vertragsärztin oder dem Vertragsarzt bedarf es hierzu nicht. Die Änderung bzw. Ergänzung ist auf der Rückseite des Verordnungsblatts unten links kurz zu begründen und mit Datum und Handzeichen des Leistungserbringers zu versehen.

Video-Behandlungen
Sofern die Behandlungen aus therapeutischer Sicht auch im Rahmen einer telemedizinischen Leistung (Videobehandlung oder telefonische Beratungen) stattfinden können, ist dies mit vorheriger Einwilligung der Versicherten für die nachfolgend aufgeführten Heilmittel möglich:

Die Videobehandlungen sind im Bereich
- der Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie (alle Behandlungen),
- der Schlucktherapie ausschließlich bei SCZ,
- der Ergotherapie (alle Behandlungen),
der Physiotherapie für
- X0301 Bewegungstherapie,
- X0501 Krankengymnastik (auch KG-Atemtherapie) und
- X0702 Krankengymnastik-Mukoviscidose
grundsätzlich möglich.
Auf der Rückseite der Verordnung ist die Therapie als Videobehandlung „V“ oder „Video“ bzw. „T“ oder „Telefon“ zu kennzeichnen.

Alle Anderen sind auch nur Menschen
Die Krankenkassenverbände weisen darauf hin, dass die Corona Auswirkungen ebenfalls zu Problemen in der operativen Bearbeitung bei den Krankenkassen und/oder Abrechnungsdienstleister führen kann.

Frieder Bothner