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Gehirn
Sind Kopfbälle doch sicher?
Neue Daten zeigen überraschende Ergebnisse.
24.09.2026 • 1 Kommentar
Foto: Friedrich Merz | physio.de mit KI-Unterstützung • Lizenz: CC-BY •
Nach der WM ist vor der EM (und vor dem heutigen Spiel gegen die Niederlande). Neben den Profis begeben sich nun auch wieder die über zwei Millionen deutschen HobbyfußballerInnen auf den Platz, um gemeinsam auf Torejagd zu gehen. Der Anteil an Kindern und Jugendlichen ist dabei groß: 107.000 Mädchen unter 16 Jahren und 780.000 Jungen unter 15 Jahren spielen aktiv Fußball – Tendenz steigend.

Was erst einmal erfreulich klingt, da Bewegungsmangel bei Kindern nach wie vor ein großes Problem darstellt, hat auch Schattenseiten, denn zu dem Spiel mit dem Fuß gehört nicht nur taktisches Köpfchen. Fast 1.000 Kopfbälle absolvieren die SportlerInnen pro Jahr, wobei es erste Hinweise darauf gibt, dass die zwar leichten, aber regelmäßigen Erschütterungen dem Gehirn schaden könnten.

Zunehmend verzichten daher Mannschaften auf das Training von Kopfbällen im Kindesalter. Der DFB selbst möchte Verbote vermeiden und setzt auf Empfehlungen zur kontrollierten Kopfball­exposition. Ganz anders sieht die Situation in England aus: Kopfbälle sind hier bis zum Alter von elf Jahren komplett verboten, zwischen 12 und 18 Jahren streng limitiert (bis zu zehn Kopfbälle pro Woche). Neue Daten könnten für ein Aufatmen sorgen, denn kurzfristige Effekte auf Kognition und Hirnstruktur scheinen Kopfbälle nicht zu haben.

Fußballern in den Kopf schauen
An der Studie nahmen 129 männliche Jugendliche im Alter zwischen 14 und 16 Jahren teil. 82 von ihnen spielten auf Akademie- beziehungsweise Leistungsniveau Fußball, 47 betrieben kontaktlose Sportarten wie Schwimmen, Leichtathletik, Radfahren oder Rückschlagsportarten. Beide Gruppen trainierten regelmäßig, mindestens dreimal pro Woche. Jugendliche mit einer früher ärztlich diagnostizierten Gehirnerschütterung, neurologischen oder psychiatrischen Erkrankungen wurden ausgeschlossen.

Jeder Teilnehmer wurde vor Beginn der Saison, nach deren Ende und noch einmal etwa zwei Monate später auf mehreren Ebenen getestet. Dazu gehörten computergestützte Assessments zu Gedächtnis, Verarbeitungsgeschwindigkeit und exekutiven Fähigkeiten sowie Fragen bezüglich des Verhaltens und des psychischen Befindens. Das Gleichgewicht wurde auf einer Messplatte geprüft und die Gehirnstruktur mittels mehrerer MRT-Verfahren untersucht. So bestimmten die Forscher­Innen unter anderem die Dicke der Großhirnrinde, das Volumen der grauen und weißen Substanz, die Mikrostruktur der Nervenverbindungen und die funktionelle Vernetzung verschiedener Hirn­regionen. Mit einer speziellen Form der Magnetresonanzspektroskopie erfassten sie außerdem den Hirnstoffwechsel. Zudem suchten sie in Blutproben nach Molekülen, die Hinweise auf Veränderungen an Nerven- oder Stützzellen geben können.

Die Ergebnisse
Die Kicker dokumentierten 939 Kopfbälle pro Jahr, was über den Saisonverlauf wohl keine messbaren Auswirkungen hatte. Weder bei Gedächtnis und Reaktionsgeschwindigkeit noch bei exekutiven Funktionen zeigten sich statistisch bedeutsame Unterschiede zwischen Fußballern und Sportlern kontaktloser Disziplinen. Auch in den Fragebögen zu psychischen und verhaltens­be­zo­genen Problemen sowie bei den Gleichgewichtstests unterschieden sich die Gruppen nicht.

Ähnlich fiel die Bilanz der Hirnaufnahmen aus. Die ForscherInnen fanden keine fußballspezifischen Veränderungen bei der Dicke der Hirnrinde, beim Volumen der grauen und weißen Substanz oder bei der feinen Struktur der Nervenbahnen. Auch die funktionellen Verbindungen des Gehirns entwickelten sich bei den Fußballern nicht anders als bei den Kontrollathleten.

Zusätzlich verglichen die WissenschaftlerInnen die Daten innerhalb der Fußballgruppe. Auch hier waren die Ergebnisse eindeutig: Wer angab, häufiger Kopfbälle zu spielen, wies keine Unterschiede zu Spielern auf, die dies seltener taten.

Langfristige Folgen sind weiterhin unklar
Dass Kopfbälle kurzfristig betrachtet nicht zu messbaren Veränderungen der Hirnleistung führen, ist erst einmal eine gute Nachricht – ein Grund, das Thema ad acta zu legen, ist das aber noch lange nicht.

Die ForscherInnen merken an, dass die Studie nur die zusätzlichen Veränderungen innerhalb einer einzigen Saison erfasste. Bei den Probanden handelte es sich nicht um Fußballanfänger; viele hatten bereits etwa neun Jahre Spielerfahrung. Mögliche frühere Effekte könnten also schon vor der ersten Messung vorhanden gewesen sein. Umgekehrt könnten Veränderungen so klein oder so vorübergehend sein, dass sie mit den verwendeten Methoden nicht erkannt wurden. Und mögliche Langzeitfolgen müssen sich nicht innerhalb weniger Monate zeigen. Manche biologische Prozesse könnten erst nach vielen Jahren kumulierter Belastung sichtbar werden, sagen die ForscherInnen und betonen, dass länger andauernde Kohortenstudien zu dem Thema dringend benötigt werden.

Aus physiotherapeutischer Perspektive ist an der Kopfballhäufigkeit erst einmal wenig zu verändern. Fragen besorgter Eltern nach einer seriösen Einschätzung sollten unter Hinweis auf Unsicherheiten in der Datenlage beantwortet werden. Vieles ist einfach noch nicht bekannt.

Das betrifft auch Behauptungen zur Prävention. Während der DFB auf seiner Homepage betont: TrainerInnen könnten „aktiv zur Prävention beitragen, indem sie regelmäßig Übungen zur Stärkung der Hals- und Nackenmuskulatur in das Training integrieren“, sieht die Datenlage hier ganz anders aus. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 bescheinigt einer Kräftigung der Nackenmuskulatur keine Effektivität bezüglich der Beschleunigung des Kopfes während eines Kopfballs. Ergänzend dazu fand eine weitere Übersichtsarbeit aus demselben Jahr keine Studien, die sich überhaupt mit der Frage befassten, ob ein Training der Nackenmuskulatur Gehirnerschütterungen bei Fußball­spieler­Innen verhindern kann. Zwar sollten Kopfbälle deswegen noch lange nicht verboten werden; allerdings sollte man annehmen, dass die Gesundheit von zwei Millionen Köpfen in Deutschland auch volkswirtschaftlich wichtig genug sein dürfte, um Geld für entsprechende Studien in die Hand zu nehmen.

Die entsprechende Studie finden Sie hier.

Daniel Bombien / physio.de

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FußballGehirnStudie


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helmingas
Vor 2 Wochen
"Manche biologische Prozesse könnten erst nach vielen Jahren kumulierter Belastung sichtbar werden, sagen die ForscherInnen und betonen, dass länger andauernde Kohortenstudien zu dem Thema dringend benötigt werden."

Das gleiche gilt doch auch für die Wahrscheinlichkeit von Innenmeniskushinterhorndegenerationen bei Eisspeedwayfahrern in Südvenezuela...

Wer dafür Geld ausgibt, hat wohl genug davon, oder Langeweile.
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"Manche biologische Prozesse könnten erst nach vielen Jahren kumulierter Belastung sichtbar werden, sagen die ForscherInnen und betonen, dass länger andauernde Kohortenstudien zu dem Thema dringend benötigt werden." Das gleiche gilt doch auch für die Wahrscheinlichkeit von Innenmeniskushinterhorndegenerationen bei Eisspeedwayfahrern in Südvenezuela... Wer dafür Geld ausgibt, hat wohl genug davon, oder Langeweile.
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helmingas schrieb:

"Manche biologische Prozesse könnten erst nach vielen Jahren kumulierter Belastung sichtbar werden, sagen die ForscherInnen und betonen, dass länger andauernde Kohortenstudien zu dem Thema dringend benötigt werden."

Das gleiche gilt doch auch für die Wahrscheinlichkeit von Innenmeniskushinterhorndegenerationen bei Eisspeedwayfahrern in Südvenezuela...

Wer dafür Geld ausgibt, hat wohl genug davon, oder Langeweile.



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