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Ei, Ai, Ey
Für ihr Experiment untersuchten die WissenschaftlerInnen 49 Erwachsene, von denen 26 einen traditionellen Dialekt aus Nordwesthessen sprachen, während die restlichen 23 nach eigenen Angaben keinen lokalen Dialekt verstanden und/oder sprachen. Die Gruppen waren hinsichtlich Alter, Geschlecht und Bildungsdauer vergleichbar.
Den Versuchspersonen wurden zehn Wörter gezeigt, die im Hochdeutschen den Laut [ai] enthalten. Diese sollten nach Art und Weise der lokalen Mundart ausgesprochen werden, was dem „Diphthong-Test“ entspricht, der auf den historischen Erhebungen des Deutschen Sprachatlas beruht.
Der Doppellaut (Diphthong) [ai] wurde sprachgeschichtlich auf verschiedene Arten und Weisen genutzt, entwickelte sich aber durch die Vereinheitlichung der deutschen Sprache zum immergleichen Laut. Bein, Eis, Reis und Wein werden im Hochdeutschen alle mit einem ähnlichen [ai] ausgesprochen. Im Mittelhochdeutschen redete man hier einst von Bein (ausgesprochen „Bähn“), Rîs, îs, wîn (jeweils mit langem „ie“). Nachweisbar ist der Unterschied in der Lautbildung noch heute in vielen Dialekten, etwa im Wort Bein, das je nach Dialekt als Been, Bään, Boan oder Baan gesprochen wird[DB3.1]. Kölsche Jecken wiederum schwärmen im Lied „Rut un Wiess“ von den Wappenfarben Rot und Weiß – auch hier klingt die historische Lautform noch nach.
Wer Dialekt spricht, artikuliert diese Diphthonge instinktiv richtig und liefert den WissenschaftlerInnen so quantifizierbare Hinweise darauf, wie sattelfest die Mundart wirklich sitzt. Sprachen die ProbandInnen in der Studie keinen Dialekt und benannten die Diphthonge nicht richtig, erhielten sie einen Kompetenzwert von null; wer ihn vollumfänglich beherrschte, wurde mit einen Wert von 100 bewertet. Anschließend wurden MRT-Aufnahmen des Kopfes angefertigt, um zu überprüfen, ob die innerdeutsche Mehrsprachigkeit einen Einfluss auf die Neuroplastizität hatte.
Dialekt unterm MRT
Die Ergebnisse waren eindrücklich: Je ausgeprägter die Dialektkompetenz, desto stärker zeigten sich bei den Dialektsprechern Zusammenhänge unter anderem im mittleren Schläfenlappen, in der rechten Inselrinde und im rechten Gyrus fusiformis. Das passt zu den Aufgaben, die diesen Hirnregionen zugeschrieben werden. Der mittlere Schläfenlappen ist an der Verarbeitung von Lauten und Wortbedeutungen beteiligt. Dort könnte das Gehirn mehrere Klanggestalten desselben Begriffs bereithalten. Die Inselrinde wiederum spielt eine Rolle bei der Planung von Sprechbewegungen, bei der Auswahl sprachlicher Reaktionen und bei der Lösung von Konflikten. „Mein Patient spricht offensichtlich Platt? Dann schalte ich doch mal auf die Mundart um, das holt ihn sicherlich gut ab.“ Dieses Umschalten entspricht den ForscherInnen zufolge einer ähnlichen kognitiven Leistung wie dem Hin- und Herwechseln zwischen zwei eigenständigen Sprachen.
Messbare kognitive Effekte hatten die Unterschiede allerdings nicht. Die TeilnehmerInnen mussten in weiteren Tests Sprache in Störgeräuschen erkennen, störende Reize unterdrücken, Zahlenfolgen behalten und in einem „Stroop-Test“ widersprüchliche Informationen verarbeiten. In den meisten Aufgaben unterschieden sich die Gruppen nicht.
Ein Puffer gegen Hirnschäden?
Wenn Dialekte also ähnliche Veränderungen wie eine tatsächliche Zweisprachigkeit mit sich bringen, könnten diese ebenfalls die Auswirkungen neurologischer Schäden abfedern. Die Forschungsgruppe, die 2015 Hinweise auf die Vorteile einer Zweisprachigkeit nach einem Schlaganfall dokumentierte, veröffentlichte im Jahr 2025 eine Studie (mit nur 40 ProbandInnen), die Hinweise darauf liefert, dass auch bilinguale Alzheimer-PatientInnen ihre kognitiven Fähigkeiten länger erhalten können als monolinguale PatientInnen. Nach Angaben der ForscherInnen liegt das vermutlich an einer „kognitiven Reserve“, die unter anderem mit Unterschieden in der weißen Substanz zusammenhängen könnte.
Es scheint plausibel, dass auch Dialektsprecher über diese kognitive Reserve verfügen könnten, auch wenn die Datengrundlage hierzu weiterhin relativ klein ist. Naheliegend ist: Wer Dialekt spricht, sollte sich dafür nicht schämen, sondern stolz auf seine Zweisprachigkeit sein, denn diese macht wahrscheinlich kognitiv flexibel und könnte möglicherweise dazu führen, ein resilienteres Gehirn zu besitzen.
Daniel Bombien / physio.de
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Seelchen schrieb:
na dann... O zapft is.grinning
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