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Krankenhaus
Frühmobilisation nach Bauch-OP
Eine Annäherung, um der Frühmobilisation einen festen, konzeptuellen Rahmen zu geben.
01.10.2026 • 1 Kommentar
interdisziplinäre Frühmobilisation im Krankenhaus Foto: Friedrich Merz | physio.de mit KI-Unterstützung • Lizenz: CC-BY •
Wer schon länger therapeutisch tätig ist, kennt die üblichen Prozedere der 90er und frühen 2000er Jahre in der Akutversorgung. Ruhigstellung und Schonung war das Credo. PatientInnen wurden nach chirurgischen Eingriffen typischerweise mehrere Tage im Bett belassen. Eine Frühmobilisation – wie sie heute in den meisten Fällen üblich ist – war nur selten erlaubt. Die Liegezeit im Krankenhaus war zu dieser Zeit lang. Die übermäßige finanzielle Belastung des Sozialsystems führte in den letzten Jahrzehnten – nicht nur in Deutschland – zum Umdenken.

Auch die aktuelle Debatte mit der Forderung nach mehr Ambulantisierung* impliziert eine frühe Mobilisation. Doch ist es, abseits der monetären Nöte, aus medizinischer Sicht eine gute Entscheidung, auf Frühmobilisation und kurze Verweildauer im Krankenbett zu setzen? Diese Frage trieb Anna Schandl – Wissenschaftlerin am Karolinska Institut Stockholm – und ihr Team an, eine Konzeptanalyse in Form einer Übersichtsarbeit zu erstellen. Da eine einheitliche Definition für den Begriff bisher fehlt, lag der Fokus dieser Arbeit nicht auf der Wirksamkeitsprüfung. Vielmehr sollen die Ergebnisse ein Fundament für entsprechende Studien liefern, um ein klareres Bild zu schaffen.

Methodik
Das Forschungsteam durchsuchte die einschlägigen Datenbanken nach Veröffentlichungen ab der Jahrtausendwende. Sie konnten 140 Studien in ihre Analyse einschließen. Der erste Schritt dieser Konzeptanalyse bestand in der Formulierung einer allgemeingültigen Definition des Begriffs „Frühmobilisation“. Darauf folgten Teilauswertungen, um die inhaltliche Ausgestaltung zu rahmen.

Frühmobilisation
Bisher gibt es keine einheitliche – wissenschaftliche – Definition für die Frühmobilisation. Ziel der Arbeit der ForscherInnen war es daher, zunächst anhand der vorhandenen Literatur diese zu formulieren. Diese lautet wie folgt:

„Unter früher Mobilisierung versteht man die Fortbewegung einschließlich Aktivitäten außerhalb des Bettes, wie beispielsweise das Sitzen auf einem Stuhl, das Stehen und das Gehen, die innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Operation stattfinden, wobei der Schwerpunkt eher auf aktiven als auf passiven Bewegungen liegt.“

„Diese Definition unterstreicht den dynamischen Charakter der Frühmobilisierung und deren Fokus auf aktive statt passive Bewegung“ – so Schandl und Team weiter.

Neben dieser erstmaligen, eindeutigen Theoriebildung betonen die ForscherInnen die Komplexität der Versorgungssituation und die damit verbundenen Schwierigkeiten, genaue Parameter wie Zeitpunkt, Intensität oder Dauer festzulegen. Daher sollten Entscheidungen „stets auf den individuellen Fähig­keiten und der Bereitschaft der PatientInnen basieren“. Dennoch zeigt sich, dass eine – vor allem in der Art und Intensität – an die Patientensituation angepasste Mobilisation innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Bauchoperation förderlich ist.

Bedürfnisse und Voraussetzungen
Aus der Konzeptanalyse wird deutlich, dass es sowohl auf der Seite der PatientInnen als auch beim Gesundheitspersonal Bedürfnisse und Voraussetzungen gibt, um eine Frühmobilisation erfolgreich umsetzen zu können. Organisationelle Rahmenbedingungen des Versorgungssystems tragen ebenfalls dazu bei.

PatientInnen
Hier spielen im Besonderen die Komplexität und der Umfang des Eingriffs sowie die Operations­dauer eine Rolle. Aber auch der körperliche Allgemeinzustand (Kondition), Vor- und Neben­er­kran­kungen sowie der sonstige allgemeine Gesundheitszustand beeinflussen die Möglichkeiten einer Frühmobilisation stark. Kommt es zudem zu Komplikationen während oder direkt nach dem chirurgischen Eingriff, kann die Mobilisationsfähigkeit ebenfalls gemindert sein.

Gesundheitspersonal
Ein wesentlicher Aspekt – den die ForscherInnen hervorheben – ist die interdisziplinäre Kommu­nikation und Zusammenarbeit im Versorgungsteam. Darüber hinaus sind die Kompetenzen jedes Einzelnen – vor allem bei komplexen Fällen – ein relevanter Baustein für das Gelingen der Umsetzung von Frühmobilisation.

Organisation
Neben dem Personal selbst – welches in ausreichender Menge vorhanden sein muss – muss vor allem die Pflege- und Therapieplanung die entsprechenden Ressourcen auf personeller Ebene sinnvoll verteilen. Aber auch materielle Voraussetzungen wie Mobilisationshilfen, (Roll-)Stühle, Handläufe und Gehhilfen müssen in adäquater Zahl und Platzierung bereitgestellt werden.

Fazit
In der bisherigen Forschung existierte bisher kein einheitliches Konzept für die Frühmobilisation nach Bauch-OP. Die durchgeführte Analyse und die daraus formulierten Definitionen sowie Parameter können eine gute Basis für weiterführende Forschung bieten, um eine allgemeingültige Konzeptualisierung zu erzielen. Klar ist jedoch, Frühmobilisation – so unreguliert sie aktuell auch verstanden sein mag – ist gesundheitsförderlich. Wird sie entsprechend der individuellen Fähig­keiten und Ressourcen der PatientInnen gestaltet, reduziert sie neben den Kosten auch die Komplikationsrate und beschleunigt die Genesung deutlich. Die identifizierten Rahmenbedingungen sollten bereits jetzt entsprechend in die Krankenhausplanung einfließen.

Martin Römhild B.Sc. / physio.de
*Die Nutzung des Begriffs Ambulantisierung wird im englischsprachigen Kontext anders verstanden, als er in Deutschland genutzt wird. International steht „(early) ambulation“ als Synonym für die (Früh-)Mobilisation. In Deutschland wird „Ambulantisierung“ aktuell – geprägt durch die Politik – für „ambulante statt stationärer Versorgung“ genutzt.

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BauchOPMobilisationKrankenhausPflegeStudie


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S. Vogt
Vor 3 Tagen
"Wird sie entsprechend der individuellen Fähig­keiten und Ressourcen der PatientInnen gestaltet"

Und da liegt der Hase im Pfeffer.
Bei keiner meiner OPs hat man es geschafft, die Schmerzmedikation mit dem Aufstehtraining abzustimmen. Das ist Horror. Davon abgesehen, reagiert jeder Körper anders, die Heilungsgeschwindigkeit ist individuell, die OP-Verläufe sind nicht einheitlich, kein Bauch ist gleich, die Kraftreserven, die Abbaugeschwindigkeit der Narkose und die Verarbeitung von Schmerzmitteln sind ebenfalls sehr individuell.
Dies alles mit den gegebenen Personalschlüsseln, fehlender Qualifikation und vorhandenen materiellen Ressourcen zu schaffen - wie soll das gut gehen? Wer nicht nach Schema F gesund wird, hat heute Pech gehabt.
Die Patientin auf dem realitätsfernen Bild trägt einen Bauchgurt. Hätte ich auch gerne gehabt. Es gab aber nur die Standardgröße.
Nach meiner letzten - umfangreichen - Bauch-OP wurde ich nach 5 Tagen entlassen. Da war ich schon 2 Tage länger da als das Schema vorschreibt. Wie ich alleine zuhause klar komme, hat niemanden interessiert.
Vielleicht mag es förderlich für die Gesundung sein, so früh mobilisiert zu werden. Aber irgendwie hört das Klingeln der Kasse im Hintergrund nicht auf.
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"Wird sie entsprechend der individuellen Fähig­keiten und Ressourcen der PatientInnen gestaltet" Und da liegt der Hase im Pfeffer. Bei keiner meiner OPs hat man es geschafft, die Schmerzmedikation mit dem Aufstehtraining abzustimmen. Das ist Horror. Davon abgesehen, reagiert jeder Körper anders, die Heilungsgeschwindigkeit ist individuell, die OP-Verläufe sind nicht einheitlich, kein Bauch ist gleich, die Kraftreserven, die Abbaugeschwindigkeit der Narkose und die Verarbeitung von Schmerzmitteln sind ebenfalls sehr individuell. Dies alles mit den gegebenen Personalschlüsseln, fehlender Qualifikation und vorhandenen materiellen Ressourcen zu schaffen - wie soll das gut gehen? Wer nicht nach Schema F gesund wird, hat heute Pech gehabt. Die Patientin auf dem realitätsfernen Bild trägt einen Bauchgurt. Hätte ich auch gerne gehabt. Es gab aber nur die Standardgröße. Nach meiner letzten - umfangreichen - Bauch-OP wurde ich nach 5 Tagen entlassen. Da war ich schon 2 Tage länger da als das Schema vorschreibt. Wie ich alleine zuhause klar komme, hat niemanden interessiert. Vielleicht mag es förderlich für die Gesundung sein, so früh mobilisiert zu werden. Aber irgendwie hört das Klingeln der Kasse im Hintergrund nicht auf.
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S. Vogt schrieb:

"Wird sie entsprechend der individuellen Fähig­keiten und Ressourcen der PatientInnen gestaltet"

Und da liegt der Hase im Pfeffer.
Bei keiner meiner OPs hat man es geschafft, die Schmerzmedikation mit dem Aufstehtraining abzustimmen. Das ist Horror. Davon abgesehen, reagiert jeder Körper anders, die Heilungsgeschwindigkeit ist individuell, die OP-Verläufe sind nicht einheitlich, kein Bauch ist gleich, die Kraftreserven, die Abbaugeschwindigkeit der Narkose und die Verarbeitung von Schmerzmitteln sind ebenfalls sehr individuell.
Dies alles mit den gegebenen Personalschlüsseln, fehlender Qualifikation und vorhandenen materiellen Ressourcen zu schaffen - wie soll das gut gehen? Wer nicht nach Schema F gesund wird, hat heute Pech gehabt.
Die Patientin auf dem realitätsfernen Bild trägt einen Bauchgurt. Hätte ich auch gerne gehabt. Es gab aber nur die Standardgröße.
Nach meiner letzten - umfangreichen - Bauch-OP wurde ich nach 5 Tagen entlassen. Da war ich schon 2 Tage länger da als das Schema vorschreibt. Wie ich alleine zuhause klar komme, hat niemanden interessiert.
Vielleicht mag es förderlich für die Gesundung sein, so früh mobilisiert zu werden. Aber irgendwie hört das Klingeln der Kasse im Hintergrund nicht auf.



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