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Früherkennung
TIA-Diagnostik
Wie umfangreich sollte das Untersuchungsprozedere bei einer transienten ischämischen Attacke (TIA) sein, um das Schlaganfallrisiko zu reduzieren?
07.09.2026 • 0 Kommentare

Die transiente ischämische Attacke (TIA) gilt seit langem als Vorbote eines Schlaganfalls. Eine medizinische Abklärung kann – durch daraus resultierende adäquate Therapieansätze – das Risiko auf das zeitnahe Eintreten eines Insults drastisch reduzieren. Daher adressieren zahlreiche Initiativen – wie die FAST-Kampagne (Face, Arm, Speech, Time) – eine Aufklärung zu typischen Symptomen, um Angehörige und Betroffene dafür zu sensibilisieren, bei einer TIA zeitnah ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

In einer systematischen Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse wurde nun ermittelt, welcher Umfang der Untersuchung das Risiko für einen Schlaganfall am stärksten reduziert.

Methodik
Die Forschungsgruppe identifizierte 38 Studien mit insgesamt 138.774 PatientInnen. Die Studien wurden entsprechend dem Umfang der neurologischen Diagnostik kategorisiert. Dazu erstellte das Team ein Scoring (0 bis 4). Je mehr der folgenden Punkte bejaht werden konnten, umso höher war der Punktewert:

  • 1. Erhielten die meisten* PatientInnen ein CT?
    2. Erhielten die meisten PatientInnen ein MRT?
    3. Erhielten die meisten PatientInnen eine kardiovaskuläre Bildgebung (Angiografie oder Doppler)?
    4. Wurden die PatientInnen neurologisch fachärztlich untersucht?
Der primäre Endpunkt war die Auswirkung des Gesamtumfangs der Untersuchung auf das Risiko für einen Schlaganfall innerhalb von 90 Tagen nach der TIA. Zudem wurden Teilauswertungen erstellt, die die jeweils einzelnen Aspekte beleuchteten.

*Der Cut-off für „die meisten“ wurde auf „größer als“ 50 Prozent festgelegt. Zur Ermittlung dieses Grenzwertes wurden zusätzliche Analysen durchgeführt, bei denen die Studien den Cut-off-Punkt einmal bei mehr als einem Drittel oder ein andermal bei über 90 Prozent erhielten. Da die Auswertungen dieser Varianten zu den gleichen Ergebnissen führten wie bei einem Cut-off von 50 Prozent, behielt die Forschungsgruppe diesen Wert bei.

Ergebnisse
Es zeigte sich ein signifikanter Einfluss des Umfangs und verschiedener Einzelaspekte auf das Risiko für einen Schlaganfall innerhalb von 90 Tagen nach der TIA.

Umfang
Wurde nur eine der oben genannten Modalitäten umgesetzt – beispielsweise nur die fachärztliche Untersuchung, aber keinerlei Bildgebung – dann lag das Risiko bei 8,4 Prozent. Wurden hingegen zwei Punkte erfüllt, sank die Wahrscheinlichkeit auf 5,3 und bei drei oder vier diagnostischen Verfahren sogar auf 2,9 Prozent. Bei der Gegenüberstellung von Studien mit einem Score von drei gegenüber vier bestand kein signifikanter Unterschied.

Einzelauswertungen
Der wichtigste Faktor scheint die Untersuchung durch neurologische FachärztInnen zu sein. Die Teilanalyse zeigte, dass PatientInnen, die diese erhielten, ein signifikant geringeres Risiko für einen Schlaganfall (3,06 Prozent) hatten als ProbandInnen ohne eine solche Konsultation (5,41 Prozent).

Ein vergleichbar großer Unterschied zeigt sich bei der Gegenüberstellung von ambulanter (3,48 Prozent) gegenüber allgemeinmedizinisch-stationärer (5,24 Prozent) Versorgung. Noch gravierender fiel der Vergleich zwischen spezialisierter neurologischer Ambulanz mit einem Risiko von 2,74 Prozent, allgemeiner Notaufnahme (4,05 Prozent) und allgemeinmedizinisch-stationärem Aufenthalt (5,24 Prozent) aus. Diese Differenz erklärt sich allerdings zum Teil durch den ersten Punkt der Teilanalyse – der fachärztlichen Untersuchung.

Prävention statt Behandlung
In Deutschland erleiden rund 80.000 bis 100.000 Menschen eine TIA. Überschlägt man nun diese Zahl mit den Ergebnissen der Metaanalyse, hieße dies, dass bei einer „oberflächlichen“ Untersuchung rund 6.700 bis 8.400 Personen einen Schlaganfall erleiden würden. Demgegenüber stünden nur 2.300 bis 2.900 Insulte bei „umfangreicher“ (3 bis 4 Scoring-Punkte) Untersuchung.

Eine umfangreiche Untersuchung kostet die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) bei einer TIA rund 3.000 bis 5.000 Euro. Die Behandlungskosten eines Schlaganfalls liegen meist zehnmal höher (siehe hier und hier).

Das Wichtigste ist allerdings, sich bei einer TIA überhaupt untersuchen zu lassen! Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie schätzt, dass etwa jedem dritten Schlaganfall eine TIA vorausgeht.

Fazit
Die medizinische Versorgung einer TIA sollte immer erfolgen. Dabei reduziert eine umfangreichere und fachärztlich gezielte Untersuchung die Wahrscheinlichkeit eines zeitnahen Schlaganfalls besonders zuverlässig. Aufgrund der enormen Versorgungskosten eines Schlaganfalls und der massiven Auswirkungen eines solchen auf die Lebensqualität der PatientInnen sollte an dieser Stelle nicht gespart werden.

Martin Römhild B.Sc. / physio.de

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