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Bluthochdruck
Eule oder Lerche? Sport nach der inneren Uhr
Hat ein dem Chronotyp entsprechender, individualisierter Trainingszeitpunkt einen Einfluss auf Bluthochdruck?
15.07.2026 • 0 Kommentare
Foto: Friedrich Merz | physio.de • Lizenz: CC-BY •
Arterielle Hypertonie ist – neben dem Rauchen – der häufigste Risikofaktor für kardiovaskuläre Krankheiten. Sie erhöht die Wahrscheinlichkeit für Herzinfarkte und Schlaganfälle um das 2- bis 2,5-fache. Und Bewegungsmangel zählt dabei zu den Top-Five-Ursachen des Bluthochdrucks. Daraus leitet sich unweigerlich die – auch wissenschaftlich gut belegte – Schlussfolgerung ab, dass körperliches Training in verschiedenen Varianten die Hypertonie deutlich reduziert.

Bekannt ist bisher, dass – egal ob Kraft- oder Ausdauertraining – mindestens eine moderate bis hohe Intensität gewählt werden sollte. Bei der Suche nach weiteren Parametern für eine optimale Trainingssteuerung wurde nun der Einfluss der Tageszeit der Trainingseinheiten entsprechend des sogenannten Chronotyps untersucht .

Chrono… was?
Jeder Mensch hat – so weit ist sich die Forschung einig – eine genetisch veranlagte innere biologische Uhr. Diese steuert unter anderem den hormonellen Tagesrhythmus. Daraus resultieren beispielsweise Schlaf-Wach-Zyklen, Schwankungen der Körpertemperatur und eine gewisse tageszeitabhängige Leistungsfähigkeit. Die innere Uhr läuft nicht bei jedem gleich. Es werden üblicherweise zwei sogenannte Chronotypen unterschieden: der Frühaufsteher (Lerche) und der Nachtschwärmer (Eule). Die Eulen sind typische Langschläfer. Sie sind nachmittags/abends deutlich leistungsfähiger, wohingegen die Lerchen lieber früher ins Bett gehen und morgens besser performen. Zur Ermittlung des Chronotyps existieren validierte Fragebögen.

Methodik
Im pakistanischen Lahore wurden 134 körperlich wenig aktive Erwachsene im Alter von 40 bis 60 Jahren mit mindestens einem kardiovaskulären Risikofaktor in die Studie eingeschlossen. Alle absolvierten ein zwölfwöchiges Ausdauer-Lauftrainingsprogramm in moderater (60 bis 70 Prozent der altersbezogenen maximalen Herzfrequenz) Intensität. Dies sollte fünf Mal pro Woche für 40 Minuten durchgeführt werden. Die ProbandInnen durften selbst wählen, ob sie frei oder auf einem Laufband trainieren wollten.

Für die Umsetzung des Trainings wurden zwei Zeitfenster angelegt. Vormittags zwischen 8:00 und 11:00 Uhr – optimal für „Lerchen“ – sowie abends zwischen 18:00 und 21:00 Uhr für die „Eulen“.

Vor Beginn der Behandlung füllten alle TeilnehmerInnen den Morningness-Eveningness Questionnaire (MEQ) zur Ermittlung des Chronotyps aus. Das deutschsprachige Pendant (D-MEQ) finden Sie hier. Anschließend wurden die ProbandInnen per Zufall einer von zwei Gruppen zugeordnet. Die Interventionsgruppe absolvierte die Trainingseinheiten entsprechend ihres Chronotyps (chronotype-aligned exercise – CAE). In der Kontrollgruppe mussten die TeilnehmerInnen entgegen ihren inneren Uhren (chronotype-misaligned exercise – CME) trainieren, das heißt Lerchen abends und Eulen vormittags.

Im Fokus der Studie stand die Auswirkung der Passung des Zeitfensters zum Chronotyp auf den Blutdruck (RR) und die Herzfrequenzvariabilität (HFV). Des Weiteren wurden VO2-Peak- und einige Blutwerte (Cholesterin, Nüchternglukose), der BMI sowie die Schlafqualität untersucht.

Ergebnisse
Das Ausdauertraining bewirkte – wie zu erwarten – bei allen TeilnehmerInnen eine Verbesserung der untersuchten Endpunkte. Die TeilnehmerInnen der CAE-Gruppe wiesen dabei jedoch signifikant größere Veränderungen auf. So reduzierte sich beispielsweise der systolische Blutdruck in der CME-Gruppe im Mittel um 5,5 Millimeter-Quecksilbersäule (mmHg) und in der CAE-Gruppe um 10,8 mmHg. Beim diastolischen Wert waren es 3,3 gegen 7,3 mmHg. Ähnlich zeigen sich auch die Ergebnisse zur HFV, dem VO2-Peak und der Schlafqualität. Diese Zwischengruppenunterschiede entsprechen moderaten bis großen Effekten.

Der Einfluss des Chonotyp-entsprechenden Trainings auf den BMI sowie die Cholesterin- und Blutzuckerwerte war zwar ebenfalls statistisch signifikant größer als in der Kontrollgruppe, allerdings nur mit geringer Effektstärke.

Fazit
Das Forschungsfeld der „inneren Uhr“ gewinnt in den letzten Jahren rasant an Bedeutung. Die Evidenz zeigte bisher bereits auf, dass eine Anpassung an den Chronotyp beispielsweise die kognitive Leistungsfähigkeit verbessern kann. Diese ist positiv mit der Lernfähigkeit assoziiert. Aber auch in der Rehabilitation gibt es erste Erkenntnisse. So können kognitive Tests bei Schlaganfall­patientInnen unterschiedlich ausfallen, wenn sie entsprechend oder entgegen der inneren Uhr durchgeführt werden. Eine klinische Studie zur Auswirkung des „Alignment“ von Therapiezeiten deutet ebenfalls darauf hin, dass der Chronotyp im rehabilitativen Setting berücksichtigt werden sollte.

Mit der neuen Veröffentlichung der pakistanischen Forschungsgruppe existieren nun erste Hinweise darauf, dass der Chronotyp auch bei Präventionsmaßnahmen für kardiovaskuläre Risikofaktoren eine Rolle spielen kann. Da es sich um die erste – und somit einzige – Studie zu dieser Fragestellung handelt, sind die Ergebnisse wie üblich noch mit Vorsicht zu behandeln. Da der Aufwand für eine Anpassung an den Chronotyp allerdings marginal ist, kann bereits anhand dieser Erkenntnisse zumindest dazu geraten werden, die innere Uhr in der Planung der Trainingszeit zu berücksichtigen.

Martin Römhild B.Sc. / physio.de

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